Montag, 8. Juni 2026
Heute Morgen geht es zu zweit runter in den Ort. Ich kaufe ein und die Gattin geht schwimmen, um später durch die Hotelanlage vom „Flora“ wieder hochzukraxeln. An der „Kaffeebud“ gibt es warme Schokocroissants vom wieder anwesenden Chef.
Das Haus ist inzwischen voll belegt. Aber hören tut man aus den anderen Wohnungen so gut wie nichts. Zwei Rentnerpaare und eine tiefenentspannte Yogalehrerin. Wie soll da auch Lärm entstehen?
Die Liegen in der zweiten Reihe (extra breit und mit Armstützen) kosten übrigens 5 Euro mehr als die „einfachen“ in Reihe 3 und 4. Und da wir es eher luxuriös lieben …
Am Strand ist eigentlich noch nicht sooo viel los. Sonnenschirme und Liegen stehen aber gefühlt enger als sonst. Es weht heute ein frisches Lüftchen und die üblichen Verdächtigen geben ihr regelmäßiges Stelldichein: der Obstverkäufer, der Donut-Man und die Dame von der Thai-Massage-Mafia. Letztere wird heute gleich mal von der Gattin in Anspruch genommen, um sich die letzten Alltagsgedanken aus dem Kopf massieren zu lassen.

1400 qm Hotel zu verkaufen
Zum Dinner geht’s zu Fuß ins „Blue Heaven“. „Good Choice“ urteilt fachmännisch Tommy, den wir beim Weggehen treffen. „Aber zu Fuß?!“ Und erzählt gleich danach, dass das bisher im Ort führende Restaurant „Delfini“ regelrecht abgestürzt sei, weil sich die Inhaber zerstritten hätten.

Wir speisen jedenfalls üppig und gut vor traumhafter Kulisse. Es gibt Saganaki, gegrilltes Gemüse, Tsatsiki (ein Träumchen) und Lammschmortopf „Kleftiko“. Vorher selbst gebackenes Brot mit Fetakäse, Oliven und frischen Kräutern; dazu Olivenpaste und Knoblauchbutter. Und danach ein Dessert aufs Haus. Pannacotta mit (etwas gewöhnungsbedürftig; ich fand‘s lecker) Schokoladensoße.

Der Rückweg bei immer noch hohen Temperaturen fordert seinen Tribut. Wir schwitzen den Knofi quasi unmittelbar aus und kämpfen uns zu den Live-Klängen eines völlig emotionslos vorgetragenen Bill-Haley-Medleys aus der Hotelanlage nebenan den Berg hoch.
Zum Abschluss des Tages arbeiten wir dann noch zusammen mit der fast stimmlosen nicht mitgereisten Tochter fünf Tage „Rock am Ring“ auf.

Samstag, 6. Juni 2026
Und schon geht’s los. 3:30 Uhr Abholen und Flughafentransfer mit dem „Mittleren“. Banderolen am Automaten selber ausdrucken und die Koffer dann am DropOff-Schalter von Condor einschieben wie die Pizza in den Ofen. Allerdings gibt es nirgends einen digitalen Hinweis auf diese Vorgehensweise. Dafür ist eigens ein überaus analoger Condor-Mitarbeiter eingestellt worden.
Dann die Erkenntnis, dass der für viel Geld gebuchte „XL“-Sitz in Reihe 12 gar kein „XL“-Sitz ist, gar nicht sein kann, weil der daneben (auf dem die holde Gattin sitzt) ein stinknormaler Sitz mit einer Beinfreiheit für Stummelbeinchen ist. Der Steward hat auch keine wirkliche Erklärung und drückt mir eine Visitenkarte der Beschwerdeabteiöung in die Hand. Das können ja schmerzhafte 2 Stunden werden.
Pünktlich um 9:40 Uhr landen wir, picken unsere Koffer vom Band, ziehen uns angesichts der hohen Temperaturen sommerlich um und laufen dann an Giannis, unserem Autovermieter vorbei, der extra zum Ausgang gekommen war, um uns zu begrüßen. Für diesen Frevel des Nicht-Erkennens will er nicht ganz ernst gemeinte 100,00 Euro Aufschlag haben.
Nach einigem, vermutlich steuerrechtlich bedingtem griechischem Zögern können wir sogar mit Karte bezahlen. 500 für 14 Tage.
Klar, dass sich gleich das heimatliche Feeling einstellt. Wir fahren hoch nach Kanoni und wagen spektakulär etwas Neues: wir besuchen ein anderes als das übliche Lokal. Das „SkyView“ bietet von seiner Terrasse einen spektakulären Blick auf die frisch instandgesetzte Start- und Landebahn des Flughafens und kulinarische Überraschungen zum Frühstück. Geilo!


Danach zum Lidl und an 3 Kreuzfahrtschiffen im Hafen vorbei zum Haus. Fazit: Relativ wenig Verkehr in der Stadt und kaum nach den Unwettern im Winter befürchtete Straßenschäden. Zwischenzeitlich fragt Angela nach, ob wir uns nicht verspäten könnten. Sie hätte das Appartement noch nicht fertig.
Tatsächlich treffen wir sie dann ziemlich abgearbeitet mit Eimer und Schrubber vor der „Drei“. Nach Austausch der neuesten Neuigkeiten halten wir erstmal Siesta.
Hatte ich in all den Jahren schon mal erwähnt, dass der Blick vom Balkon atemberaubend ist?

Nach einigen Powernappings auf zu Dimitris in Arillas. Kurz noch das Auto auf der Buckelpiste aufgesetzt und dann hinein in die immer noch hoch stehende Sonne.
Dimitris ist gut drauf, das Geschäft läuft. Das immer noch hier vor Ort gebraute Corfu-Beer auch. Und zwar durch meine Kehle. Eigentlich sollte man das als Importeur nach Deutschland bringen.
Meze für zwei und ein Chicken Lemon für mich. Beides sehr gut und sehr üppig.
Am Ende gesellt sich noch ein ungebetener Gast zu uns, den Dimitris sich nich traut, hinauszuwerfen. Die Mimi!

Am Ende des Tages genießen wir noch die Stille der Bucht und das sanfte Meeresrauschen ….. und das Singen der Flex, mit der Panos um halb elf noch irgendein Metallstück bearbeitet. (Update: bis um 11)

Sonntag, 7. Juni 2026
Der Tag der kleinen Tragödien.
Wir haben relativ gut geschlafen. Keine Mücken, kein Sturm, kein Gewitter, nur das sanfte Plätschern des Meeres. Ich jogge den Berg runter zu Spiros in den Supermarkt. Riesen Wiedersehensfreude. „Wie lange bleibst du diesmal? Einen Monat, zwei…?“ Er beschließt mit mir gemeinsam, mindestens 100 Jahre alt zu werden, um Sommer wie diesen genießen zu gönnen. Ein ganzes Brot, eine Riesen Tomate, fünf Orangen und eine Zahnbürste; 4,70 € ! Dazu noch zwei Dosen Alpha von Spiros zum Verzehr auf dem Balkon heute Abend. Und wenn ich gewollt hätte, noch eine Plastiktüte. Aber mit Blick auf meinen textilen Einkaufsbeutel meinte er nur: „I see, best Equipment“.
Der Weg zurück den Berg rauf: wie immer eine schweißtreibende Angelegenheit. Wie immer auch das Frühstück: überbackene Tomate, Rührei, griechischer Joghurt, Honig, Cornflakes und frischgepresster Orangensaft auf dem Balkon hoch über dem Meer. Vorher noch kurz den Feueralarm in der Küche ausgelöst. Blöderweise sind die Decken hier so hoch, dass sogar ich mit meinen zwei Metern einen Stuhl als Kletterhilfe heranziehen muss. Zum Glück sind die Rauchmelder nicht direkt mit der Feuerwehr verbunden.

Danach jagt ein Malheur das andere. Nachdem ich gestern schon festgestellt hatte, dass ich statt einer zweiten „juten“ Jeans, ein schon etwas in die Jahre gekommenes Exemplar mitgenommen habe, muss ich jetzt feststellen, dass ich auch keine zweite Badehose dabei habe.
Dann versuche ich, zu „Condor“ Kontakt aufzunehmen wegen der nicht vorhandenen, aber bezahlten XL-Sitze. Dafür wird Whatsapp empfohlen. Zu meiner großen Überraschung antwortet auch sofort ein Beauftragter des Unternehmens. Ein Herr Chatbot, wahrscheinlich sogar „Monsieur Chatbot“. Der Name klingt so französisch (Schaboo?). Wie auch immer: nach anderthalbstündigem Austausch gibt er mir die E-Mail-Adresse vom Beschwerdemanagement, der Arsch oder le connard, wie der Franzose zu sagen pflegt.
Am Strand, wo wir wie eigentlich überall wieder herzlichst willkommen geheißen werden, sind dann auch noch die Steine verschwunden, die einem in den letzten Jahren den Zugang ins Wasser so schmerzhaft vermiest haben. Weiß der Geier, wohin die sind. Wahrscheinlich hat die jemand auf der Baustelle brauchen können. Mich jedenfalls trifft das besonders hart, weil ich mir extra Badeschuhe (gibt’s tatsächlich in Größe 48) gekauft hatte.
So schaffen wir es problemlos ins Wasser, das heute angenehme Temperaturen hat und können uns runterkühlen. Denn auf dem Liegestuhl sind es 33°. Paarweise inklusive Sonnenschirm beträgt der Mietpreis für’s Set diesmal übrigens zehn Euro.
Während Marcel Jenneßen in Niederkrüchten den Vogel von der Stange holt, lassen wir uns noch in der Strandbar blicken. Ich zische mir ein knapp vor dem Gefrierpunkt temperiertes Mythos vom Fass rein und die Gattin schlürft einen Cappuccino. Zum Cappuccino gibt’s gesalzene Chips und zum Bier Gebäck. So interpretiert und verzehrt sie es jedenfalls.
Katastrophe nächster Teil: Es gibt keinen Föhn im Appartement! Die Gattin steht nach einer gründlichen (!?) Hausdurchsuchung schon suizidgefährdet an der Balkonbrüstung, da finde ich ihn nach wenigen Sekunden (!) zwischen dem Bügelequipment. Nur allzu logisch, dass auch bei der diesmal nicht mitgereisten Tochter dieses such-und-finde-Gen fehlt.
Abends dann ins „Mythos“, jener unaufgeräumten, an einem veralgten Froschtümpel liegenden Taverne, die sich auf die Zubereitung von frischem Fisch spezialisiert hat.

Nichts ist ja so wohltuend wie ein unerwarteter Genuss. Und der widerfährt den Gästen des Mythos regelmäßig, wenn Sie die von außen fast schäbig wirkende Taverne besuchen. In der winzigen Küche wird mit einigen wenigen Zutaten authentische griechische Küche zubereitet. Vor allem eben fangfrischer Fisch. Nach einer Vorspeisenplatte mit gegrilltem Gemüse gibt es Tintenfisch, einmal gegrillt und einmal frittiert.

Ein Hochgenuss! Da würden selbst Kochkünstler wie die sozusagen angeheiratete lebende Küchenschlacht-Legende Romy K. aus W. mit der Zunge schnalzen.

Gut gesättigt wählen wir in der Herrensportabteilung des führenden Supermarktes am Strand eine Badehosenalternative für mich zum Preis von 13,00 Euro aus und treten dann den Fußmarsch zurück zur Unterkunft an.
Wir zwitschern noch einen Ouzo auf dem Balkon und lassen uns vom Sternenhimmel über dem Mittelmeer beeindrucken.
Ein durchgeknallter Präsident in den USA, einer in Russland, blutrünstige Mullahs im Nahen Osten, Krieg in der Ukraine, Krieg im Iran, Not und Elend überall auf der Welt. Angst vor einem Krieg. Wir tanken widerspruchslos Diesel zum Preis von 2,00 Euro plus X pro Liter, wir begeistern uns für eine völlig korrupte Fußball-WM, wir ertragen schon im Mai Temperatuen von fast 40 Grad in Mitteleuropa ohne dass wir Konsequenzen zögen, …. der Wahnsinn nimmt weiter seinen Lauf und niemand scheint’s zu kümmern. Die dümmste Kreatur auf dieser Welt: Der Mensch! Vergleichbar etwa mit den Truthähnen. Es gibt Berichte über gezüchtete Truthähne, die ertrunken sind, weil sie während eines Regenschauers mit offenem Schnabel nach oben starrten.