Tagebuch Oktober 2025


Vorwort(e)

Ganz spontan wurde die Idee geboren, im Herbst noch einmal zu unser aller Lieblingsinsel zu fliegen. Diesmal als Papa/Tochter-Tour. Und wie das bei spontanen Ideen manchmal so ist, tauchen ebenso spontan die Probleme auf.

Am einfachsten ist es noch, ein Auto zu mieten. Die Saison ist zwar zu Ende, aber für Giannis kein Problem. Wobei er sich eine spitze Bemerkung zum Zustand unseres Lieblingsclubs nicht verkneifen kann.

Bei der Unterkunft geht es auch relativ zügig. Unsere „Drei“ ist zwar nur zeitweise blockiert, aber ein Wechsel der Appartements kommt in der einen Woche nicht infrage, sodass wir eine Etage tiefer in der „Zwei“ logieren werden.

Bei den Flügen wird es dann so richtig kompliziert. Wir buchen bei Ryanair ab/bis Brüssel. Das ist mit Abstand am günstigsten und mit dem Auto ist Charleroi erreichbar in 2,5 Stunden. Dann die offizielle Nachricht vom Flughafen: Generalstreik in Belgien am Abflugtag! Alle Flüge gestrichen! Nur: Ryanair behauptet, von nichts zu wissen. Original-Zitat: Solange der Flug nicht annulliert ist, müssen Sie am Flughafen erscheinen. Achten Sie bitte auf die Anzeigetafeln.

Wir gehen kein Risiko ein und buchen (deutlich teurere) Flüge mit Condor ab Düsseldorf.

Drei (!) Tage vor Abflug kommt spät abends die Mitteilung von Ryanair, dass der Flug gestrichen ist. Die Rückabwicklung und Erstattung des Preises geht dann allerdings ruckzuck.

Zwischenzeitlich gibt es dann noch eine Phishing—Attacke von Internetgangstern, die sich auf den offiziellen Ryanair-Facebook-Seiten als „Ryanair-Support“ ausgeben und die zwar Rücküberweisung versprechen, aber nur mein Geld als Beute im Auge haben.


Dienstag, 14. Oktober 2025

Die Nacht war kurz und schlaflos. Wegen der chaotischen Zustände am Flughafen Düsseldorf zu Ferienbeginn sind wir schon um 4:00 Uhr, also zwei Stunden vor Abflug dort. Wie die reiseerfahrene Backpackerin an meiner Seite prophezeit hatte: Viiiiel zu früh! Obwohl mein Rucksack einem Abstrichtest unterzogen wird, brauchen wir für die Sicherheitskontrolle nur sechs Minuten. Wir haben diesmal ja kein Gepäck aufzugeben (von Condor erlaubte 8 kg im Handgepäck sind übrigens echt wenig). 

Während wir uns die Zeit damit vertreiben, Brezel und Schokocroissants zu verdauen, schallt plötzlich unser Name durch das Gebäude. Uns schwant nichts Gutes. Letztendlich will man aber nur von uns wissen, ob wir uns grundsätzlich gesundheitlich in der Lage sehen, am Notausgang im unwahrscheinlichen Fall des Falles unseren Verpflichtungen nachzukommen. 

Eigentlich ist es ja ganz schön dreist von den Airlines, zusätzliche Kohle für diese Sitzteihen zu verlangen und gleichzeitig eine Arbeitsleistung zu erwarten.

Abflug pünktlich, Flug ruhig und Landung bei bestem Wetter vor der Zeit. Dann zu Fuß vom Flieger ins Flughafengebäude! Auf dem Parkplatz übergeben uns Giannis und sein Kompagnon das Auto (190,00 € die Woche, „Cash bitte. Ihr zahlt doch immer Cash!“) und wir fahren zu Lidl. Merkwürdig unaufgeräumt, der Laden. Viele Regale leer; aber in den Gängen etliche Rollwagen mit Waren, die darauf warten, eingeräumt zu werden. Gähnende Leere bei den Softdrinks und den Süßigkeiten. Vielleicht liegt‘s am Generalstreik, der auch in Griechenland ausgerufen wurde, wie wir später erfahren und zum Glück nicht den Flugverkehr trifft. Protestiert wird gegen die geplante Möglichkeit für Arbeitgeber, bis zu dreimal im Monat 13-Stunden-Tage anzuordnen.

Magere Ausbeute bei Lidl

Von Lidl geht’s nach Kanoni. Frühstücken (Clubsandwich mit Frappé) und Flugzeuge gucken. Obwohl noch früh am Tag, spucken immer mehr Busse Massen von kreuzfahrenden Touris aus, die von hier oben Millionen von Selfies Knipsen. Im Hafen liegen drei dieser Riesenpötte. Da kommt schon einiges an Menschen zusammen.

Wir genießen bei sommerlichen Temperaturen das Essen und den Blick auf die über das malerische Kloster Vlacherna einschwebenden Jets.

Danach dann quer durch Korfu, vorbei an nicht enden wollenden Reihen geparkter Autos (an einem normalen Wochentag morgens um 11) nach Agios Georgios, Pagon. Es ist, als wäre man nie weg gewesen.

Wir richten uns kurz ein, wechseln auf Stranddress, kaufen bei Spiros Sonnencreme und fläzen uns am Strand in die Liegestühle. Zum „last Summer-Special-Price“, wie uns die Strandchefin versichert. 10,00 € für Schirm und zwei Liegen. Ihr Personal hat sie offenbar schon in die Winterpause geschickt, nur noch wenige Boote liegen im Wasser, das AI-Hotel für Balkantouristen ist inklusive Bar und Pool schon eingemottet und die Zahl der Sonnenschirme ist überschaubar.

Aber der Obstverkäufer mit der unnachahmlichen Stimme ist ebenso noch da, wie dieser überwältigende Blick auf die Bucht.

26 Grad zeigt das Thermometer im Auto an. Auf dem Balkon lässt es sich noch richtig gut aushalten. Der Sonnenuntergang findet praktisch vis a vis von unserer Unterkunft statt.

Für halb neun haben wir einen Tisch bei Dimitris reserviert. Es ist rappelvoll. Draußen und drinnen. Und es dauert! Eine dicke Stunde bis das Essen kommt. Bis dahin sind wir auch schon gut durchgefroren. So zirka 16 Grad sind es und es wäre eine Überlegung wert, Glühwein statt Bier zu bestellen.

Brouklis-Meze, Sardinen und Pastitsio

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Obwohl es im ganzen Haus totenstill ist, liegt eine etwas unruhige Nacht hinter uns. Gefrühstückt wird auf dem Balkon. Mit exakt den gleichen Zutaten wie immer auf Korfu. Highlight ist natürlich der Saft der frischen Orangen aus Spiros Laden (der übrigens am Montag dicht macht). Gleich neben der Straße, die sich immer noch in einem desolaten Zustand befindet, fällt ein Granatapfelbaum mit gigantischen Früchten auf.

Wow!

Nach dem Frühstück Smalltalk mit Tommy, der für seinen neuen Ofen Brennholz sortiert und die Gelegenheit nutzt, mir die griechische Klimapolitik zu erklären. Ich muss sagen: vieles kommt mir da bekannt vor.

Am Strand ist es verdammt schattig, wenn sich Wolken vor die Sonne schieben. Der Wind kühlt einen ruckzuck aus. Aber insgesamt lässt es sich gut aushalten. Kleine Merkwürdigkeit am Rande: hier laufen auffällig viele Zwillingspärchen rum. Warum auch immer …

Am nächsten Strandabschnitt (Richtung Mythos Taverna) werden bereits Liegen und Schirme abgebaut. Und auch bei uns beginnen zwei Albaner mit den Abbrucharbeiten. Wenn das Wetter, wie angekündigt, mies bleibt, war‘s das mit der Saison, erklärt uns die Chefin. Sollte es nochmal warm werden, kämen die Schirme wieder raus.

Mythos-Taverna im Winterschlaf

Auf unserem Balkon ist es bedeutend wärmer als am Strand. Die Sonne knallt richtig. Nachdem wir Anton, der heute bei Oma zu Gast ist, per FaceTime versichert haben, dass wir tatsächlich in Urlaub sind, fahren wir heute schon gegen sechs zum Essen.

Im „Luuma“ (Afionas) sitzen wir bei angenehmen Temperaturen draußen und lassen uns kulinarisch verwöhnen. Im Gegensatz zu gestern frieren wir heute nicht und müssen auch nicht so lange aufˋ‘s Essen warten. Es war ein All-inclusive-Genuss! Allerdings kündigt der Chef auch hier an, dass es unter Umständen der letzte Tag der Saison war.

Seafood Linguine
Baklava

Am Ende des Tages dann noch etliche vernichtende Niederlagen gegen die ungekrönte Königin des westlichen Münsterlandes im „Skyjo“ eingesteckt, die Klimaanlage auf „Heizen“ gestellt und sich schon mal mental auf die angekündigten Regentage vorbereitet.


Donnerstag, 16. Oktober 2025

Und da ist da noch die Sache mit der neuen Haarfarbe, die sich -zumindest teilweise- nach dem Duschen im Handtuch wiederfindet. Die Reaktion von Maria sehe ich jetzt schon deutlich vor mir.

Ich war‘s diesmal jedenfalls nicht!

Der vorhergesagte ganz große Regen kommt offenbar nicht. Es plätschert ein wenig und nach einem späten Frühstück machen wir uns auf Richtung Perithia, dem ehemals verlassenen und inzwischen zu 40% wiederbelebten Dorf an den Hängen des Pantokrators (mit 900 Metern die höchste Erhebung auf Korfu).

Hier oben nieselt es zwar auch ein wenig, aber es ist warm und die Sonne blinzelt ab und zu mal durch die Schleierwolken. Auch heute ist es richtig voll zwischen den Efeu bewachsenen Ruinen und in den kleinen Tavernen. Seltsam fremdes Obst hängt hier an den Bäumen. Verlockend und angeblich auch genießbar.


Mandelblättrige Birne (Pyrus amygdaliformis)

Wieder entdecken wir neue Blickwinkel und Perspektiven. Den im Feuer von 2023 total verkohlten Eukalyptus-Baum etwa, nur ca. 20 Meter von der Kirche entfernt. Oder die bisweilen seltsam verschachtelte Architektur der verfallenen Gebäude. Acht Kirchen gab‘s hier mal. Einige so gut erhalten, dass man vermuten könnte, es fänden wieder regelmäßig Gottesdienste darin statt. Aber die Hinweistafel mit der 17 im griechischen Text lädt nicht zur Messe um fünf ein, sondern -Google sei Dank- verweist auf das Baujahr im 17. Jahrhundert.

Am Ende gibt es Orange- und Lemon-Pie und ein Foto von der inzwischen wieder beidhändig grüßenden Jesusstatue hinter der Leitplanke an der Straße hinunter zur Küste.

Wir biegen nach rechts ab Richtung Kassiopi. Hier waren wir noch nie. Ergo schießen wir heute Fotos, die wir in 25 Jahren Korfu noch nie geschossen haben. Motive gibt es jedenfalls genug.

Ein wunderschöner Ort. Kassiopi. Und, wen wundert’s, auch ein Tourismus-Hotspot. Heute ist es vergleichsweise ruhig im malerischen Hafen, wo gerade unter dem energischen Kommando der griechischen Hafenmeisterin ein luxuriöser Katamaran (Neuwert lt. Hersteller 831.000 Euro) von ein paar Israelis in die richtige Liegeposition manövriert wird.

Das ganze Treiben lässt sich ganz entspannt von den einladenden Bänken an der Uferpromenade oder den Felsblöcken beobachten, die die Hafenzufahrt schützen sollen.

Auf der einen Seite die Ruinen der byzantinischen Festung, auf der anderen -in Sicht- und Hörweite- die Küste Albaniens.

Auf dem Rückweg schauen wir im Supermarkt von Peli und Maria in Agios Stefanos vorbei. Der letzte Tag der Saison, meint sie und ist voller Freude, uns wiederzusehen. Am Abend planen sie und ihre Schwester Maria, die wir seit 20 Jahren immer verpassen, mit Freunden in der Night Owl in Afionas zu Abend zu essen und wir tauschen uns über die Restaurants in der Umgebung aus.

Grundsätzlich liegt die Saison in den letzten Zügen. In Sidari, Agios Stefanos und Agios Georgios herrscht tote Hose. Vieles hat schon zu oder schließt am Wochenende.

Wir fahren in die Taverne „Mon Amour“, die ausreichend Platz im regensicheren Inneren vor’m offenen Kamin bietet und entsprechend voll ist. In diesem Ambiente kann auch das Essen authentischer nicht sein!

Und dann kommt auch noch die Gesellschaft um Peli und Maria herein, die es von der „Nightowl“ hierher verschlagen hat. Großes deutsch-griechisches Hallo in der Taverne.

Trotz des Regens ein gelungener Tag !


Freitag, 17. Oktober 2025

Es schüttet, stürmt und gewittert die ganze Nacht bis in den Mittag hinein.

Die ankommenden Flugzeuge fliegen auf „Flightradar24“ seltsame Kurven bevor sie zur endgültigen Landung ansetzen. Und in meinem Zimmer gibt es Grashüpfer-Alarm.

Zum ersten Mal fahre ich runter zum Supermarkt, um Brot und Orangen zu kaufen. Außerdem ist noch ein Referendariatsschokocroissant drin.

Gefrühstückt wird drinnen. Der Blick aufs Meer offenbart die Gewalt der Natur.

Gegen zwei Uhr setzen wir uns ins Auto und fahren Richtung Paleokastritsa. Unterwegs der obligatorische Halt an der Touristenfalle Makrades.

Die Fahrbahn im weiteren Streckenverlauf ist katastrophal.

Am Kloster in Paleo angekommen, ist erstmal Klettern angesagt zum Kreuz an exponierter Stelle. Atemberaubend öffnet sich der Ausblick auf die tosende, leuchtend blaue See.

Inzwischen ist es warm und die Sonne scheint. Auf die Vorhersagen auf „kachelmann-wetter.de“ scheint Verlass zu sein.

Aus der Klosterkirche klingt liturgischer Chorgesang nach draußen. Die Sprache gibt Rätsel auf. Also frage ich kurzerhand beim griechisch orthodoxen Priester nach, der die Frauengruppe begleitet. Und der sprudelt sofort los. Rumänische Frauen aus Frankreich seien das. Er erklärt den Text der Lieder, erfreut sich an unserem Nachnamen und weiß zu berichten, dass jüngst ein rumänischer Cleophas mit charismatischen Eigenschaften heilig gesprochen wurde. Am Schluss stellt er sich als Michael vor, wünscht uns Gottes Segen und versucht, seine verstreuten Schäfchen wieder zusammenzutreiben. Was für eine herzliche Begegnung.

Wir fahren über Doukades nach Agios Georgios zurück, wo der Supermarkt bereits vor 18 Uhr geschlossen hat.

Bei der mentalen Vorbereitung aufs Abendessen schwanken wir zwischen „Delfini“, „Blue Heaven“ und „Alkyon“. In dieser Reihenfolge. Berücksichtigt werden Temperaturen und Windfestigkeit. Wir landen im „Blue Heaven“.

Hätten wir doch nur den Blog von 2024 nochmal gelesen! Stattdessen begehen wir den gleichen Anfängerfehler wie damals. Zwischen selbst gebackenem Brot mit Knoblauchbutter und Olivenaufstrich und den Hauptgängen Gyros und Stuffed Kalamari platzieren wir noch eine warme Mezeplatte.

Wir lassen einiges zurückgehen. Auf unsere Entschuldigung, die Meze-Platte wäre zu viel gewesen heißt es nur „Ja, wissen wir.“ Zur „Strafe“ kommt noch ein Nachtisch aufs Haus. Und der schmeckt auch noch voll weihnachtlich.

Am Ende des Tages erfahren wir dann noch, dass auch das „Delfini“ bereits geschlossen hat.

BORUSSIA VERLIERT 1:3 BEI UNION BERLIN UND IST TABELLENLETZTER.

DAMIT AUCH ABSTEIGER?


Samstag, 18. Oktober 2025

Heute Morgen wird in Niederkrüchten Abschied genommen von Conny Bosch. In Gedanken sind wir die meiste Zeit dort und bei ihm.

Möge er in Frieden ruhen.

Viele Wolken, aber auch immer wieder sonnige Abschnitte. Maria ist da und sortiert schon früh am Morgen den Müll. Wir begrüßen uns kurz und sie stellt mir ihre neue Hauskatze vor. Irgendwann meldet sich dann auch Angela per WhatsApp und lädt uns für morgen zum Essen ein.

Bloß, weil wir einander vorgestellt wurden, bildet sich die blöde Katze jetzt ein, an unserem Frühstück teilhaben zu können. Nicht mit mir!

Angesichts des wechselhaften Wetters ringen wir mit uns, ob wir zum Strand sollen. Wir riskieren es, müssen uns aber mit den Handtüchern in den Sand fläzen, weil die einigen wenigen Liegen, die ein anderer Anbieter bereithält, schon belegt sind.

Am Strand sind Menschen mit einer Sonde unterwegs, die den Sand an den jetzt abgeräumten Abschnitten nach verloren gegangenen Gegenständen wie Geld oder schmuck absuchen. Und tatsächlich auch fündig werden.

Das Los fällt heute auf „Porto Timoni“. Wir schaffen es gerade so zu zu den letzten Strahlen der untergehenden Sonne.

Es ist ein lauer Abend und wir nehmen tatsächlich im Freien Platz. Zwei Tische weiter sitzt der Ehemann von Kerry aus Australien, der uns aber nicht erkennt.

Das Essen hat nur ein Urteil verdient: Geil! Mixed Dips, gefolgt von gegrilltem Oktopus und Chicken-Souflaki. Und zum Dessert Orange-Pie mit Vanilleeis und Kumquatsirup und Cheesecake mit Kirschen.

Nicht genug, dass das Töchterchen schon allein von der Portionsgröße zu platzen droht; da fragt der Kellner doch tatsächlich mich, ob es ok ist, wenn sie auch einen Limoncello (aufs Haus) bekommt. Serviert übrigens in unfassbar fancy Gläsern.

Wie sich übrigens das gesamte Ambiente und die Präsentation der Speisen nur mit „stylisch“ beschreiben lässt. Höchst interessant dabei auch die Sets, die dasselbe Piktogramm ziert, das der RaR-Dauergästin auf den Unterarm tätowiert wurde. Ein Olivenzweig, na klar.


Sonntag, 19. Oktober 2025

Mitten in der Nacht wird die Wohnung über uns klar gemacht ( wovon ich allerdings nichts mitbekomme). Auf dem Balkon lässt der Duft von würzig Angebratenem und Schmorendem darauf schließen, dass wir uns heute Nachmittag in Marias Küche zum Essen treffen.

Unten im Supermarkt treffe ich Spiros, der grad telefoniert und mich fassungslos anguckt. Ich gehe an ihm vorbei und greife gerade nach einem von zwei noch im Regal liegenden Broten, als er mich von hinten förmlich anspringt mit den Worten „Neiin! Die sind von vorgestern. Hier gibt es nichts Frisches mehr. Wir haben ab morgen geschlossen.“

Nach kurzer, herzlicher Begrüßung: “Was machst Du hier? Du warst doch (im Frühjahr) schon mal hier. Jetzt ist doch alles geschlossen, kein Mensch mehr da, keine Sonnenschirme am Strand.“ Trotzdem hat er noch Orangen und Cappuccino-Pulver für mich. Schokocroissant und herzhaften Bagel kaufe ich nebenan bei George, der beabsichtigt, am Freitag dichtzumachen.

Nach dem Frühstück geht’s gleich runter zum Strand. Leider wieder keine Chance auf Liegen. Doch die Strandchefin sieht uns, drückt uns schon mal ein Sunbed in die Hand und schickt ihren Sohn mit dem Pickup zum Hotel eine weitere Liege holen. Unglaublich! Nun gut, jetzt sind wir auf einem Kilometer die einzigen Touris, die nicht im Sand liegen.

Blöderweise ist ab dem Zeitpunkt die Sonne hinter hartnäckigen Wolken verschwunden und kommt erst für länger wieder raus, als wir zum Essen mit unseren Gastgebern müssen.

Diesmal hat Angela gekocht. Natürlich in den für Griechenland üblichen Mengen. Pastitsio, Grillfleisch, Auberginen, Salat, Pepperoni, Saganaki, Fetataschen und zum Abschluss Schokokuchen mit Vanilleeis. Maria nimmt nicht am Essen teil und kommt erst später dazu. Außerdem ist noch ein Freund dabei, der in Hannovet lebt.

Es wird viel erzählt und gelacht. Familie eben.

Noch am selben Abend fahren sie wieder nach Korfu-Stadt. Angela und Panos müssen arbeiten, die Kids zur Schule und Maria gibt die Nanny.

Und wieder entlässt uns der Tag mit diesen Farben in die Nacht

Montag, 20. Oktober 2025

Um diese Jahreszeit ist es schon 10:00 Uhr, wenn die Sonne über‘n Berg blinzelt

Da unsere Vorräte bis auf einige Liter Bier und Wasser aufgebraucht und die meisten Läden jetzt im Winterschlaf sind, gibt es Schokocroissant, Vollkornsandwich und Frappé von der Kaffeebud‘. Gar nicht so einfach, die Becher im Auto zu transportieren. Der Frappé:Klasse! Das Croissant:Spitze!

Das Sandwich:Griechisch! Ein super leckeres Brot, aber belegt mit Tomaten und frittierten Auberginen und Pepperoni. Nach Ersetzen der beiden letztgenannten Beläge durch Scheibenkäse und Butter: mmmmh!

Unten an der Strandpromenade ist über Nacht die Saison zu Ende gebracht worden. Alles geschlossen! Nur noch das Restaurant „Ostrako“ (ich wusste bis eben auch noch nicht, dass das so heißt) vis à vis vom Schmuck-Atelier ist geöffnet.

Vor‘m „Vales“ kann man noch Boote mieten und von „unserem“ Strandabschnitt werden noch Transfers zur Zwillingsbucht angeboten. Außerdem warten dort, wie versprochen, die beiden letzten Sonnenliegen auf uns. Die Pfosten für die Sonnendächer sind übrigens auch schon abgebaut.

Erst wenn der letzte Tourist verschwunden ist, wird auch er in die Winterpause gehen: Der Kollege von „Local Corfiot Fruit“

Im Gegensatz zu dieser Endzeitstimmung steht das herrliche Strandwetter. Es ist richtig, richtig warm. Selbst Helena, die Liegenfrau, legt sich im Bikini in die Sonne. Natürlich auf ein Handtuch. Weil auf den einzigen Liegen liegen ja wir.

Und dann passiert es: Jemand aus unserer Reisegesellschaft geht tatsächlich ins Meer zum Schwimmen. Ich bin’s nicht!

Experimentelle Strandfotografie

Um fünf kommt die Chefin, um sich auf das herzlichste von uns zu verabschieden. So süß!

Und als wir die Liegen zurückbringen, bietet sich ihr Mann an, ein Foto von uns zu schießen. Während aus seiner Box im Hintergrund „La Paloma“ erschallt.

Zum Abschluss mal ganz was Neues: Der Blick vom Balkon

Seit Tagen steht fest, dass wir am letzten Abend nochmal im „Mon Amour“ essen. Und, was soll man sagen? Als wir drauf zufahren: alles dunkel! Montag Ruhetag! Unfassbar! Was für‘n Mist! So eine Enttäuschung!

Da auch das „Gravia“ schon zu hat, starten wir durch nach Agios Stefanos. Eine Totenstadt, wie‘s scheint. Alles düster. Aber das „Olympia“ hat geöffnet. Als „Al Bano“ uns erblickt und begrüßt, redet er sich um Kopf und Kragen, weil er meine Tochter für die Nachfolgerin meiner Ehefrau hält. Als wir‘s aufklären, möchte er schier im Erdboden versinken.

Das Essen hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Chicken-Souflaki-Portion ist riesig, in meinem Lamb-Stamna aber verstecken sich grad mal 3 Stückchen Lammfleisch in einem unübersichtlichen Käse/Gemüse-Durcheinander.

Anschließend sitzen wir noch auf dem Balkon und lauschen einem unfassbar schwachen Live-Auftritt im „St. Georges Palace“.


Dienstag, 21. Oktober 2025

Nach einer unfassbar unruhigen Nacht packen wir unseren Kram und den Müll ins Auto und machen uns gegen 7:45 Uhr auf den Weg Richtung Flughafen. Es ist ein herrlicher Morgen mit einer fantastischen Fernsicht vom Troumpeta-Pass über die Bucht von Korfu,Stadt. Nachdem wir getankt haben, sind wir fast pünktlich am Flughafen, wo uns das Auto Ruckzuck abgenommen wird.

Es ist durchaus angenehm, sich nicht am Check-in Schalter in die lange Reihe der Wartenden einreihen zu müssen, sondern gleich zur Sicherheitskontrolle gehen zu können. Prompt werde ich wieder rausgezogen, weil es bei mir piept. Erst als ein männlicher Mitarbeiter frei wird, werde ich nach längerer Wartezeit gefilzt.

Bis der Flieger kommt, ziehen wir uns in den hintersten Winkel (Wartebereich vor Gate acht) zurück. Hier wartet außer uns kein Mensch. Lediglich zwei Rumänen toben, weil sie gerade ihren Ryanairflug nach Bukarest verpassen und nur noch dem davon rollenden Flieger hinterher schauen können. Inzwischen gönnen wir uns ein Baguette, belegt mit Tomaten, Mozzarella und Ruccola, der allerdings total verwelkt, als das Baguette noch einmal im Ofen aufgewärmt wird.

Unsere Maschine landet etwas verspätet, aber kaum dass sie gelandet ist, werden wir schon zum Boarding aufgerufen. Einem ruhigen Flug folgt eine ebenso ruhige Landung im Grau von Düsseldorf, wo uns die diesmal nicht mitgereiste Ehefrau abholt.

Kurzes Fazit: so eine kurze Auszeit tut wirklich gut. Allemal, wenn es auf unsere Lieblingsinsel geht. Allerdings trägt ein Aufenthalt so spät in der Saison auch schon deprimierende Züge, wenn alles um einen herum nach und nach schließt.

Korfu, wir sehen uns wieder im Juni 2026!