Korfu 2024


Was soll man sagen? Putin bombardiert weiter die Ukraine. Trump will noch mal Präsident werden. Der Siegeszug der Nazis in Deutschland scheint unaufhaltsam. Die Ampel-Regierung hat keine Antworten auf die drängendsten Fragen (Zuwanderung, Bildung, Renten, Pflege, Umwelt, Energieversorgung, bezahlbarer Wohnraum, Terrorabwehr, Rezession, …), Merz ist Kanzlerkandidat und Günter Netzer unfassbare 80.
Man will nur noch weg. Abschalten. Kraft tanken. Das zu Corona-Zeiten Versäumte nachholen. Also ab in den Flieger; Start Richtung Korfu. Aber: Darf man das noch ruhigen Gewissens tun? Die Zerstörung des Klimas scheint unaufhaltsam. Wahnsinnsregenfälle überschwemmen grad den Südosten Europas, Schnee Anfang September in Österreich nach 50 Grad im Sommer, das Mittelmeer eine warme Brühe.
Also: Kopp unnern Arm und durch oder „Use it or loose it“, wie der Brite zu sagen pflegt.
Kleinlaut und schamhaft. So isser, der Mensch.


Samstag, 21. September 2024

Eigentlich müsste das Tagebuchschreiben schon vorgestern beginnen. Da steht die Reise vielleicht kurz vor’m Scheitern als γυναίκα μου (sprich: Jineka mu= meine Ehefrau) im dunklen Wohnzimmer frühmorgens einen Hocker übersieht und mit der Nase voraus auf den Kaminofen knallt. Kein Bruch, keine Gehirnerschütterung, ganz viel Glück.

Derart gezeichnet kann es dann losgehen. Abholen um 03:30 Uhr, „Baggage Drop Off“ am Automaten im Düsseldorfer Airport um 04:00 Uhr, Boarding um 05:10 Uhr und Start um 05:50 Uhr. Alles läuft perfekt! Die Boeing 757-300, das weltweit größte Passagierflugzeug mit nur einem (Mittel-)Gang, lässt zwar kurz böse Erinnerungen an die Odyssee von 2022 hochkommen, aber diesmal verläuft der Flug ruhig und reibungslos.

Nikos von der Autovermietung übergibt uns einen super modernen Hyundai, in dem laufend irgendetwas etwas blinkt und piept. 440,00 € zahlen wir für zwei Wochen.

Da wir die drei Stunden bis zur Ankunft der wieder einmal mitreisenden Tochter irgendwie überbrücken müssen, frühstücken wir ausgiebig in Kanoni, hoch über dem Kloster Vlacherna am Beginn der Start- und Landebahn.

Nach drei Tagen Dauerregen ist das Wetter übrigens super.

Dann fahren wir zur Olivenmühle der Familie Mavroudis im Süden der Insel, um uns mit neuem Öl einzudecken. Auf der Küstenstraße herrscht ein Verkehr wie auf der A1.

Schließlich wird es noch knapp, weil die Ryanair-Maschine aus Münster überpünktlich landet. Es geht wie immer zu Lidl und anschließend zum Haus. In der frisch renovierten „3“ wird dann erst mal ne Runde Schlaf nachgeholt.

Abends (wie immer) zu Dimitris. Die Frauen ergötzen sich an einer Vorspeisenauswahl, der Autor erwischt eine der letzten beiden Portionen Stifado. Lecker! Eine Soße zum Niederknien.

Dimitris teilt die Reservierungen mittlerweile in mehrere „Schichten“ ein. Das garantiert bessere Auslastung und höhere Einnahmen . Letztere scheint die vergangene Saison durchaus gebracht zu haben. In diesem Sommer, dem heißesten übrigens seit 70 Jahren, habe es regelrechte Touristenmassen gegeben. Nicht zuletzt durch die zahlreichen Kreuzfahrtschiffe. Manchmal sei das komplette Straßennetz durch (Miet-) Autos verstopft gewesen.

Zuhause fallen wir nur noch ins Bett. Es war ein langer Tag.


Sonntag, 22. September 2024

Es ist schön, es ist warm, es fühlt sich sooo gut an. Ich gehe runter zum Strand, halte kurz die Füße ins Badewannen warme Wasser und begrüße dann Spiros vom Supermarkt. Der Aufstieg zum Haus ist schweißtreibend, das neue T-Shirt von der Firma mit dem Schimpansen aus Buttlardingen anschließend zum Auswringen nass.

Im Erdgeschoss tobt ein lautstarker Zoff zwischen Angelas Söhnen (3 und 6 Jahre alt). Nach dem Frühstück treffen wir uns mit ihr, Panos und Maria.

Und dann -gegen eins- runter zum Strand. Es ist gut voll. 3 Liegen plus Schirm kosten 14,00 Euro. Im Strandcafé gönnen wir uns alle einen Frappé. γυναίκα μουs Favorit wird das jedenfalls nicht.

Von hier können wir beobachten, wie gleich drei Kohorten der so genannten Jeep-Safaris, organisiert von irgendeinem Kreuzfahrtschiff, die Strandstraße blockieren. Von Nachhaltigkeit kann hier wohl keine Rede sein, bringt aber dem ortsansässigen Tavernenbesitzer, wo die Horde einkehrt schnelles Geld.

Relativ spät brechen wir unser Camp am Strand ab. Die Boots- und Liegenfrau sagt uns die selben Liegen für morgen zu. Am Haus verabschieden wir uns von Maria, Angela und Panos, die sich gen Korfu-Stadt orientieren. Am Freitag wollen sie mal mit uns zusammen bei „Brouklis“ in Arillas essen.

Wir besuchen heute das „Mythos“ am Strand. Der Wirt heißt uns zwar grundsätzlich willkommen, weist aber darauf hin, dass es 45 Minuten dauern kann, bis das Essen fertig ist. Da uns keiner hetzt, lassen wir uns nieder… und bereuen es nicht. Leckere Kalamaris vom Grill, Scampi und ein fantastisches Tsatsiki verwöhnen unsere Gaumen. Es wird so viel aufgetischt, dass wir sogar nach der Vorspeise an einen größeren Tisch wechseln müssen, weil nicht alles Platz hat.

Vor dem Bezahlen stifte ich erstmal in der mit drei Leuten besetzten winzigen Küche Verwirrung, indem ich mich dort auf Griechisch für die tolle Zubereitung bedanke und dann hat der Wirt auch noch unsere Bestellungen „verloren“. Aber es lässt sich alles rekonstruieren und der schmackhafte Abend klingt mit einer Mückenstich begleiteten Zocker-Runde auf dem Balkon fröhlich aus.

Apropos Zocken. „Skyjo“ heißt der neu entdeckte Stern am Cleophasschen Spielehimmel. Einfach und fast ein wenig behäbig kommt es daher und stellt auch wenig Anforderungen an strategisches oder taktisches Denkvermögen. Genau das Richtige also für mich! Knifflige Fragen zu heiklen Spielsituationen müssen eh unbeantwortet bleiben, weil die Spielanleitung auf Italienisch ist (von wegen Schnapper aus’m Netz).


Montag, 23. September 2024

Bestes Wetter. Die Aussicht vom Balkon beim Frühstück ist mit nichts zu bezahlen.

Einzig die Wespen sind wirklich nervend und resistent gegenüber allen Abwehrmaßnahmen. Am liebsten mögen die Viecher den Joghurt-Cornflakes-Honig-Mix der beiden Damen. Dort verkleben sie sich die Beinchen und Flügelchen aber in einem Maße, dass sie nicht mehr fortkommen. Auch Versuche mit weiter entfernt abgestelltem „Lockfutter“ bleiben erfolglos.

Natürlich geht’s auch heute zum Strand. Unsere Liegen sind tatsächlich reserviert. Intensiv und voller Leidenschaft widmen wir uns den täglichen Strandaktivitäten. Lesen, Sonnenbaden, schwimmen, schlafen, Verhaltensforschung. Wie bitte? Tatsächlich ist das fester Bestandteil unseres Tagesablaufes. Heute beispielsweise können wir einen Zusammenhang herstellen zwischen den vier Holländern vor uns, die, Rücken an Rücken sitzend, auf einem (!) Strandlaken Platz finden und der allgemeinen Wohnsituation in den Niederlanden, wo sich ja auch jede Menge Menschen die wenigen zur Verfügung stehenden Quadratmeter Landfläche teilen müssen.

Schwerpunktmäßig befassen wir uns jeden Tag kurz vor dem Aufbruch mit der Frage „Wo gehen wir denn am Abend essen?“. Heute einigen wir uns auf die Taverna „Mon Amour“.

Im Haus treffen wir auf Tommy, der die Appartements rechts im Haus vermietet. Er scheint völlig überrascht zu sein von unserer Anwesenheit. Sei‘s drum. Er erzählt uns vom Wassermangel in der Hauptsaison und dass einige Hotels schon Unsummen als Entschädigung an Touristen hätten zahlen müssen und dass es keinen Plan gäbe, sich für die Zukunft aufzustellen (Tiefbrunnenpumpen, Wasser-Reservoire, private Zisternen, …).

Ganz allgemein wundert es einen, dass hier auf Korfu nachhaltige Technologien wie Sonnen- oder Windkraft keine Rolle zu spielen scheinen. Stattdessen marodiert das vorhandene Leitungsnetz still vor sich hin und beschert uns am Mittwochmorgen wegen Wartungsarbeiten einen umfänglichen Stromausfall.

„Deko“ vor der Taverna

In der Tarvena gibt es wieder authentische griechische Kost für kleines Geld. Obst zum Nachtisch und ein Ouzo zum Verdauen sind inklusive. Das Team aus Vater und Söhnen begrüßt uns herzlich und präsentiert uns stolz die räumlichen Veränderungen: das ganze Grünzeug ist nämlich entfernt und der Gästebereich zur Straße hin erweitert worden.

Balkon – Skyjo – and the winner is : ……


Dienstag, 24. September 2024

Nachts um drei Randale auf dem Balkon. Hört sich an, als kämpfte ein Wiesel mit der 5-Liter-Plastikflasche die unter dem Ablauf der Klimaanlage steht. Kurz drauf frischt der Wind auf und die ersten Tropfen fallen. Später gesellen sich Blitz und Donner dazu. Morgens beruhigt sich das Wetter, die Sonne kommt raus und man (also ich) kommt trockenen Fußes zum Supermarkt.

Dialog beim Frühstück. Ich: „In mehreren Aldi-Filialen sind in Bananenkartons fast 100 Kilo Kokain im Wert von mehreren Millionen Euro gefunden worden.“ Sie: „Hat Aldi das denn nötig?“

Gegen eins setzt der Regen wieder ein und dauert bis 17:00 Uhr an. Danach wieder sonnig und warm. Wir vertreiben uns die Zeit hauptsächlich mit Lesen.

Ziel des kulinarischen Tagesausklangs ist heute das „Fantasea“ in Agios Stefanos Avliotes. Ein neuer, stylischer Laden mit traditioneller Küche. Ein echter Glückstreffer! Tolles Essen in netter Atmosphäre mit sehr nettem Personal.

Anschließend noch zum Laden von Maria (die wieder mal frei hat) und Peli. Obwohl wir uns jährlich nur einmal für ein paar Minuten sehen, begrüßt sie uns wie Familienangehörige. Alle Neuigkeiten werden ausgetauscht, noch schnell was gekauft und dann: „Bis nächstes Jahr!“

Unterwegs noch ein Zwischenstop am Supermarkt. Alle Knabbereien sind heute dem Homestaying zum Opfer gefallen.

Noch kurz die „Exploding Kitten“, ein Kartenspiel, an den Start gebracht und dann, erschöpft vom eskalierten Nichtstun ins Bett.


Mittwoch, 25. September 2024

Als wir wach werden, fängt es ganz gemächlich an zu regnen. Scheinbar unmittelbar vor unserem Balkon baut sich ein Regenbogen auf, der kurz darauf die ganze Bucht überspannt.

Gegen zehn ist der Regen passé und ich kann den Berg runter, um im Supermarkt Brot zu kaufen. Das Licht lädt wieder einmal mehr ein zum Fotografieren. Blöd nur, dass wir in den vergangenen 20 Jahren schon beinahe alles abfotografiert haben.

Nach dem Frühstück geht‘s zum Strand. Kurz vorher kommt die Meldung, dass der Vorstand der GRÜNEN zurücktreten wird. Grund ist das katastrophale Wahlergebnis in Brandenburg.

Am Strand ist heute der junge Albaner aktiv, der uns auch tatsächlich wieder erkennt. In der Taverne des Hotel Alkyon Beach gönnen wir uns ein großes Bier in einem geeisten Glas, frisch gepressten O-Saft, Club Sandwich und einen Classic Burger.

Am Haus informiert uns Tommy, dass die Stromabschaltung heute doch nicht stattgefunden habe. Auf nix ist mehr Verlass.

Das Dinner-Orakel spricht sich heute für die Nachteule aus. Dort ist es gut gefüllt, was dazu führt, dass nach und nach die „Evening-Specials“ von der Tafel im Restaurant gestrichen werden. Schade – ich hätte gerne fangfrischen Fisch gegessen. So wählen wir neben den üblichen Vorspeisen die gefüllten Kalamaris, das Chicken-Souflaki und den Grillteller. Nach dem Bezahlen durch die mitgereiste Tochter per Karte (was man hier mittlerweile fast überall kann) gibt es noch einen Limoncello als Absacker.

Da zeichnet sich doch eine gute Ernte und damit verbunden vielleicht auch eine Preissenkung ab !?

Donnerstag, 26. September 2024

31 Grad zeigt das Außenthermometer im Auto an, als wir abends vom Strand in die Villa zurückfahren. Ein weiterer herrlicher Urlaubstag geht zu Ende. Morgens mit einem Schokocroissant von der Kaffeebud‘ neben den Supermarkt gestartet (dessen Besitzer mich wie einen alten Schulfreund herzte). Dann unsere bereits reservierten Liegen in Beschlag genommen, das Strandpublikum gecheckt und uns in der Taverne mit Sandwich, Frappé, Cappuccino und heißer Waffel mit Honig, Eis, Banane und Sahne verwöhnen lassen.

Zwischendurch hat die mitgereiste Tochter per WhatsApp einen Tisch in „Fisherman‘s Cabin“ klar gemacht. Respekt!

Natürlich gehen wir die drei Kilometer (überwiegend bergauf) durch die Olivenhaine zu Fuß. Eine durch und durch schweißtreibende Angelegenheit, weil die warme Luft hier quasi „steht“.

Wie immer stehen die Gerichte mit den fangfrischen Meeresbewohnern auf großen Tafeln, die nicht fotografiert werden dürfen. Das Angebot soll wohl nicht im Internet zerpflückt werden. Und während die Sonne Hollywood-kitschig im Meer versinkt, gönnen wir Drei uns die Fischplatte für Zwei.

Frage an die bedienende Tochter des Hauses: „Reicht die auch für drei Personen?“ Sie rät uns, als Vorspeise noch das Saganaki mit Meeresbewohnern (Feta-Käse, Muscheln, Shrimps und anderes Kleingetier in Pergament gegart) zu nehmen, dann würde man auf jeden Fall satt.

Zunächst: das Saganaki ist ein kulinarisches Highlight, auch wenn der Inhalt des Pergamentpäckchens nach dem Öffnen eher frisch Erbrochenem gleicht.

Doch was dann auf der Fischplatte dargeboten wird, lässt unmittelbare Rückschlüsse auf das weltweite Fischsterben in den Ozeanen zu: neben einem üppigen Salat und einer großen Schüssel mit geschmortem Gemüse zählen wir je 2 Exemplare von 4 verschiedenen Fischen (Red Snapper, Brasse, Barsch, Dorade) plus 5 Garnelen. Alles frisch gegrillt. Der Eiweiß-Bedarf für die nächste sieben Tage dürfte damit gedeckt sein.

Inklusive Getränken und Vorspeisen zahlen wir 99,00 Euro, was uns angesichts der Menge und der Qualität durchaus angemessen erscheint. Oben drauf gibt es vom wie immer knurrigen Wirt für jeden noch einen Limoncello im Pappbecher. Der zäh fließende Likör wird vor den Augen des Gastes in einer fast feierlichen Zeremonie von einer 2-Liter-Flasche in ein Silber-Kännchen und dann in den Becher abgefüllt. Von der Kasse zum Tisch muss man den Absacker auch noch selber tragen. Es ist wohl auch der beste auf Korfu!

Kartenzahlung ist hier in der Wildnis übrigens mangels Internet nicht möglich.

Zurück kämpfen wir uns mit unseren Handy-Taschenlampen durch die Schwärze der Olivenhaine zurück in die Zivilisation.


Freitag, 27. September 2024

Das ist halt der Nachteil von Eiweiß-Überversorgung: es war eine unruhige Nacht. Vor allem für die Ehefrau. Der Fisch, der schwimmen sollte, hatte offenbar zu wenig Flüssigkeit. Apropos Ehefrau: heute liegt ihr Wohnzimmersturz genau eine Woche zurück und man sieht nichts mehr davon. Es leben die Selbstheilungskräfte des Körpers.

Jetzt waren wir schon soweit, den Wespen ihr eigenes (Ablenkungs-) Frühstück bereitzustellen, da lässt sich heute Morgen keine einzige blicken.

Übrigens habe ich es ganz versäumt, unseren neuen Reisebegleiter vorzustellen: Detlef.

Detlef!

Detlef ist zu einem unverzichtbaren Begleiter geworden. Vorbei die Zeiten, wo Geld, EC-Karte, Handy, Notizen, etc. in den verschiedensten Täschchen, Taschen und Etuis verstaut war. Detlef hat jetzt alles im Griff! Zwar versucht uns der kleine Schelm immer noch von Zeit zu Zeit rätseln zu lassen, in welchem der zahlreichen Fächer sich das Gesuchte versteckt, aber mittlerweile gelingt die Zusammenarbeit immer besser.

Am Strand ist es heute deutlich leerer. Und windiger. Aber das ist bei Temperaturen jenseits der 25 Grad auch ganz angenehm. In der Strandtaverne steht für die mitgereiste Tochter der Abschiedsbesuch an. Im Haus sind jetzt drei Wohnungen belegt. Grad heute ist ein uns bekanntes Ehepaar angereist.

Schnell noch mit Waldniel gefacetimed …

… und dann mit unseren Vermietern nach Arillas zu Dimitris. Es war total lustig und schön. Was können die Griechen untereinander palavern. Unglaublich! Es stellte sich schnell heraus, dass Marias und Dimitris Familien miteinander verwandt sind. Ein Cousin von Maria war der frühere Amtstierarzt von Korfu. Danach gab’s kein Halten mehr. Der ganze Restaurantbetrieb wurde aufgehalten. Nachdem mächtig aufgetragen wurde, folgten Eis und Kuchen auf‘s Haus. Dass die Deutschen heute Gastgeber sein wollten und bezahlten, sorgte bei den Griechen zwar für Irritation, hat unser Verhältnis aber weiter gestärkt (glaube ich). Auf Griechisch, Deutsch und Englisch wurde sich lange prächtig amüsiert und manche Lücke aufgearbeitet.

Heute wurde Christian Litjens zu Grabe getragen.

Möge er in Frieden ruh‘n.


Samstag, 28. September 2024

Die mitreisende Tochter fliegt heute zurück. Heißt: Aufstehen 04:45 Uhr, Abfahrt in Agios Georgios 05:10 Uhr, Ankunft Flughafen 06:00 Uhr, Abflug 07:20 Uhr. Auf den Straßen tote Hose.

Sie: Durchmarsch zum Gate mit 10 kg Handgepäck; Landung in Münster mit 30 Minuten „Verfrühung“.

Wir: Um 07:00 Uhr wieder ins Bett und dann, weil für 11:00 Uhr die Zimmerfee angekündigt ist, zum Frühstück ins „Louvros-Café“ an der Straße zu „Mon Amour“, da wo die Ehefrau seit 21 Jahren immer schon mal hin wollte. Was soll man sagen? Es hat sich gelohnt! Ein typisch griechisches Kafenion mit vielen Kaffee schlürfenden und heftig debattierenden Männern, die dort eine Pause oder eine Rast einlegen und ein leckeres Frühstück für uns.

Detlef sieht nur Cholesterinwerte

Abschließend gibt es tiefgefrorenen Kuchen auf’s Haus. „Warten Sie noch zwei Minuten. Dann lässt er sich gut essen!“

Am Strand von Agios Georgios ist es sommerlich warm und es weht ein ständiger Wind. Sie holt Schlaf nach und Er verschlingt einen weiteren Karin-Slaughter-Roman.

Cappuccino und Latte Macchiato in der Strandbar („Did Your Daughter arrive in Germany well?“) und FaceTime mit dem Oberkrüchtener Weg.

Gladbach gewinnt gegen Union Berlin durch ein Tor von Cvancara in der 96. Minute mit 1:0.

Mythos: Unauffällig im Schilf versteckt

Zu Fuß ins „Mythos“. Es gibt fünf Sorten frischen Fisch zur Auswahl. Sie nimmt frittierte Kalamari und Er die Dorade. Vorher gibt es Bruscetta. Vier Scheiben geröstetes Brot mit Feta, Tomaten und Gewürzen. Auf die Frage, von was denn das Brot so trieft, Öl oder Butter, antwortet der Wirt schulterzuckend, da müsse er mal in der Küche fragen.

52,00 Euro kostet‘s am Ende. Das Kartenlesegerät liest, aber druckt nicht. Also wird ein handschriftlicher Beleg ausgestellt.

Kräftezehrend geht’s zurück den Berg hinauf. Durch den Gestank des „St George Palace“ zum Zigarillo-Gestank auf unserem Balkon.

Unser Haus-Gecko

Sonntag, 29. September 2024

Um halb vier in der Nacht setzt ein heftiger Sturm mit starkem Regen ein. In einem dramatischen Einsatz retten wir mehrere Handtücher, einen Wäscheständer und eine leere Plastikflasche. Das windige Wetter setzt sich tagsüber fort. Am Strand hat man die Sonnenschirmreihen 1 und 2 entfernt und die verbliebenen 4 Boote ganz nach hinten gezogen.

Entdeckungen am Wegesrand:

Gegen Mittag fahren wir nach Afionas. Und können Dimitris Aussage „Das ist jetzt wie in St Tropez“ nur bestätigen. Eine nicht enden wollende Schlange von Autos quält sich die schmale Straße hoch. Zwei kostenpflichtige Parkplätze auf halber Strecke und am Ende der Zufahrt. Dazu noch eine Stellfläche am Restaurant „Porto Timoni“. Alles voll; die Seitenstreifen natürlich auch. Das alles hat schon eine (Kapazitäts-) Grenze überschritten. Und alles wegen ein paar Häusern, die sich einige Zugewanderte so hergerichtet haben, wie sie sich vorstellen, dass das original griechisch sei. Drei Souvenirläden, drei Restaurants, eine zugegebenermaßen beeindruckende Aussicht und Atem beraubende Sonnenuntergänge locken täglich tausende hierher. Aber auch schon ein Stück vorher haben Bars und stylische Tavernen neu eröffnet. Zum Beispiel das „Luuma“:

Unser „Stamm“-Restaurant „Porto Timoni“ hat sich mit zwei zusätzlichen Ebenen den Berg hinunter gewaltig vergrößert. Das ist wirklich gut geworden! Wir gönnen uns einen Orange-Pie und ein Schoko-Soufflé und genießen den klaren Blick (laut App heute 24 km Fernsicht) vom Pantokrator über die Buchten von Agios Georgios und Arillas bis hin zu den Diapontischen Inseln. Alles zum Greifen nah!

Detlef hängt schon wieder ab

Bevor wir zum Essen fahren noch ein kurzer Plausch mit Angela. Maria läuft bezüglich der Olivenproblematik zu Höchstform auf. Irgendwie muss mir ahnungslosem Deutschen doch beigebracht werden können, wie man Oliven fachgerecht (heißt: griechisch) verarbeitet. Erste Variante: Sie legt eine gewisse Menge (vermutlich ausreichend für eine griechische Großfamilie) in Salzlake ein und gibt uns das komplett für‘s Handgepäck mit. Vermutlich aber (und da ist sie selbst drauf gekommen) kriegen wir das nicht an ihren Landsleuten am Zoll vorbei, weil es die 100 Milliliter, die man als Flüssigkeit mit an Bord nehmen darf, übersteigt. Variante 2: Sie gibt uns für die Koffer unbehandelte Oliven mit, die wir dann (von ihr per Video überwacht) in Deutschland nach ihrer Anleitung selbst zubereiten.

Zum Essen geht es ins „Blue Heaven“ direkt am Strand. 23 Jahre Korfu, aber da waren wir noch nie. Griechische Taverne mit authentischer Kochkunst. Wir werden nicht enttäuscht. Schon das selbst gebackene Brot mit Fetakäse, Oliven und frischen Kräutern ist der Hammer. Leider begehen wir den Anfängerfehler, eine Vorspeisenplatte (warm) plus Brot plus Tsatsiki zu bestellen. Der Hauptgang ist danach kaum zu bewältigen. Sie: gebackene Zucchini-Bällchen. Er: Kleftiko (Lamm in einer Ton-Schale mit Feta und Gemüse). Danach gibt‘s auch noch Nachspeise auf‘s Haus. Inklusive 2 Pötten Mythos vom Fass und einer Flasche Mineralwasser zahlen wir 42,00 Euro.

Am Ende des Tages hat Köln nach 3:0-Führung noch 4:4 gegen Karlsruhe gespielt und Hoffenheim nach 3:3 zur Pause mit 3:4 gegen Bremen verloren und uns ist es auf dem Balkon zu frisch, um weitere Katzen explodieren zu lassen.


Montag, 30. September 2024

So sehen griechische Orangen aus. Außen eher unscheinbar und blass. Innen dem Namen entsprechend ein kräftiges Orange mit Saft ohne Ende. Lecker!

Der botanische Jagdtrieb der Gattin ist wieder voll ausgebrochen. So wie Hunde an jedem Strauch ihr Revier markieren, zerzaust sie das Gestrüpp auf der Suche nach Samen, Blüten, Beeren oder Sporen, von denen sie sich erhofft, dass die sich auf Korfu daraus entwickelnde Pflanze das auch in Deutschland tut. Dabei spielt es -ähnlich wie bei den Hunden- auch keine Rolle, wenn sie mal in private Vorgärten gerät. Hier die Ausbeute eines Nachmittags:

Der Wind hat nachgelassen, aber die Leute scheinen dem Wetter nicht zu trauen. Am Supermarkt stehen rund 30 Leute und warten auf den Bus nach Korfu-Stadt. 

Nachdem ihm der Hofhund („Lisa“) ausgebüxt war und der mich als mutmaßlichen Eindringling kläffend gestellt hat, lerne ich nun auch mal den Bewohner unseres „toten“ Nachbarhauses kennen. Ein netter, älterer Herr mit weißem Haar und österreichischem Akzent. Lisa sei in dieser Abgeschiedenheit ihre Alarmanlage, erzählt er. Wer sich hinter „ihre“ verbirgt, verrät er nicht.

Wir wagen einen Strandtag. Es gibt nur noch zwei Reihen Liegen. Aber in XL-Ausführung mit Armlehnen. Außer uns sind nur noch vier weitere Paare/Familien am Start. Alle anderen -vor allem die, die heute nach Korfu-Stadt aufgebrochen sind- werden‘s bereuen. Zumal am Montag viele Geschäfte zeitweise und die Museen komplett geschlossen sind.

Es bleibt tatsächlich bis zum Schluss schön. Die Thai-Frau kommt zur Massage vorbei. Ein Kamerawagen von „TOMTOM“ kommt für Fotos vorbei. Wir schauen in der Strandbar vorbei.

„Detlef on the beach“

Und in der aus der WDR-Reisedoku „Wunderschön“ bekannten Schmuckwerkstatt „Ilios“ (=Sonne) beginnen die Arbeiten am Pandora-Armband der Gattin. Aus einem selbst abgeknabberten Olivenkern wird ein Silberschmuckstück geklöppelt. Wahnsinn! Wir haben einen extra kleinen Stein zusätzlich besonders intensiv abgeknabbert; weil sonst wär’s zu teuer geworden.

Vor‘m Essen noch schnell getankt. Gegenüber der Tanke wird an etwas futuristischem gebaut. Auf meine Frage, was das werden soll, antwortet der Tankwart: “Das ist von der Brauerei. Soll wohl Kunst werden oder eine Bar oder was mit Bier trinken.“ „Freibier?“ „Das auf keinen Fall!“

Essen gehen wir im „Olympia“ in Agios Stefanos. Der Wirt heißt uns in seiner dezent vornehmen Art willkommen. Wir bestellen als Vorspeise „Onassis Meze“ (Tomaten, Bacon und Champignons mit Käse überbacken und im Tonpfännchen serviert). Yummie! Und danach gibt es Chicken Souflaki bzw. Lammkeule. Tatsächlich ein Hochgenuss! Am Ende -weil er keine große Auswahl mehr hat- gibt es von “Al Bano”, wie der Inhaber wegen seines Aussehens liebevoll von der Gattin genannt wird, ein Riesenstück Orange Pie für zwei mit Sahne auf‘s Haus. 

Dann noch zu „Maria und Peli‘s“, weil es da die hübschen Porzellanschälchen um die Hälfte billiger gibt. Verbunden ist der Einkauf allerdings mit der bitteren Info, dass „Al Bano“ in Wirklichkeit den schnöden Namen Yiannis trägt.

Inzwischen stürmt es wieder heftiger und das Thermometer sinkt auf 16 Grad. Auf dem Balkon sitzen ist heut nicht. Zumal sich auch noch der (wärmende) Ouzo dem Ende zuneigt. Also heute mal Indoor-Zocken und dann wohlig voll gefressen ins Bett.


Dienstag, 1. Oktober 2024

Die Nachbarn hatten Besuch von Leuten mit einem völlig überdimensionierten Jeep, der Mühe hatte, überhaupt hier oben zu parken. Entsprechend laut wurde es dann in der Nacht als sich lautstark verabschiedet und der Fahrer des Monstertrucks eingewiesen wurde. Zum Glück ist die erste Schlafphase des Autors extrem tief…Des Autors Gattin erwacht mit Schmerzen an der durch den häuslichen Sturz ohnehin schon lädierten, aber mittlerweile ja ganz gut verheilten Nase. Ursache ist ein Schlag in der vergangenen Nacht gegen eine ständig piesackende Mücke. Durch die Gattin selber, versteht sich. Ein Selfie sozusagen.

Am Strand bricht sich das Deutsche weiter Bahn. Es ist wieder ordentlich warm und nicht mehr so windig. Dafür ist das Wasser heftig abgekühlt.

Nach telefonischer Klärung einiger Details kann auch der silberne Olivenkern schon heute abgeholt werden. Schön ist er geworden! Griechische Kekse, eine Riesen Eistüte (Vanille), Pringles, ein Bier, ein Cappuccino und eine gute Tat (ich rettete einer italienischen Familie ein vom Winde verwehtes Schwimmflügelchen) runden den sandigen Teil des Tages ab.

Detlef, der Mythos lebt

Die Taverne „Old School“ steht heute Abend auf unserer to eat Liste. Ich glaube, es ist die authentischste aller Tavernen hier. Zwischen dem Innenhof der früheren Dorfschule und der Kirche sind die größeren Tische aufgebaut und zur Straße hin sitzen die eher betagten Einheimischen und trinken ihren Kaffee. Die Gerichte kommen ohne viel Schnickschnack aus und sind äußerst schmackhaft. Das Tsatsiki (schmeckt wirklich in jeder Taverne anders) ist der Hit, Saganaki und Pitabread stehen dem kaum nach. Und dann gibt’s als Hauptspeisen noch frittierte Sardinen (fette Dinger) und Schweine Pancetta.

Heute kann man auch gut wieder draußen sitzen.


Mittwoch, 2. Oktober 2024

Heute soll noch mal ein super schöner Strandtag werden. Und das gelingt auch tatsächlich. Es ist um die 26 Grad warm und Wind hat es auch kaum. Es sind immer noch viele Touris da und hier in Agios Georgios herrscht ein reger Durchgangsverkehr von Ausflugsbussen, Rollerfahrern, Jeepsafaris und Wandervögeln. Die meisten machen hier ne Pause, sonnen sich kurz, hüpfen ins Meer (Eismeertemperatur heute) oder verpflegen sich in einer der Tavernen.

Der Autor springt über seinen Schatten und geht zum fahrenden Obsthändler, der mit seiner Megafon-Werbung auf der Promenade die Leute nervt. Gerät man erst in seine Fänge, zwingt er einen, quasi das komplette Angebot durchzuprobieren. Dazu schneidet er mit seinem Taschenmesser kleine Häppchen ab und reicht sie rüber. Feigen, Nektarinen, Pflaumen, Äpfel, Aprikosen, … und am Ende kostet es immer 10,00 Euro, egal was man nimmt. Heute schmeckt alles irgendwie nach Seife, weil sich der Typ wohl grad die Hände desinfiziert hat. Ich bleibe hart und nehme nur die von der Gattin gewünschten 2 Pflaumen und ne Tüte voll Trauben und zahle 9,50 Euro.

Und dann der Schreck: Unsere Stammtaverne hat heute Nachmittag geschlossen. Überhaupt sieht das dazu gehörende Hotel „Alkyon Beach“ ziemlich entvölkert aus. Wir weichen auf die Taverna Marina aus, wo wir auf den albanischen Kellner aus dem treffen, der heute hier Dienst am Touristen tun muss. Er heißt übrigens Robert. Dass wir uns nicht von Maria verabschieden können, ist schade. Denn morgen wird’s wohl nix mit Strand. So wie die ihre Boote sichern, Leinen reinholen und alles bewegliche irgendwie festzurren, erwarten die ein Naturereignis in der Größenordnung eines Tsunamis.

Dimitris ist nicht so überzeugt, was da wettermäßig auf Korfu zukommt. Bei dem sind wir nämlich heute (!) schon zum Abschiedsessen. Falls es nämlich -wie vorhergesagt- am Freitag schüttet, ist man in seiner Außengastronomie auf verlorenem Posten. Heute jedenfalls ist es mega voll und mega lecker. Wir lassen uns die Bestandteile der „Brouklis-Meze“ (=Vorspeisenplatte) separat bringen: Tsatsiki, Taramas, Sardinen, Saganaki, Zucchinibällchen, Griechischer Salat. Eigentlich sind wir danach schon satt, aber der Autor bekommt noch Lammkeule; als Dessert quasi. Zum Dahinschmelzen!

Dann bummeln wir noch ein wenig zum Strand runter, wo es viele neue Angebote gibt, aber insgesamt ist tote Hose überall. Zuhause treffen wir Tommy, der sich wegen der Wetterprognose auch unschlüssig ist.

Und der Autor hofft auf einen Sieg beim Kartenspiel. Es wäre der erste seit Abreise der mitgereisten Tochter, die heute Abend auf der Hochzeit ihres Cousins tanzt.


Donnerstag, 3. Oktober 2024

Zunächst der Schreck am Morgen: Bei offener Balkontür und OHNE Mückenschutztür geschlafen! Trotzdem keine Stiche. Vielleicht mögen die Plagegeister ja auch keinen Sturm:

Vier Wetter-Apps, vier verschiedene Prognosen. Klar ist: es wird regnen und es wird stürmen. Die Frage ist: „In welchem Ausmaß?“ Plant man eine Route per „Karten“ auf dem I-Phone bekommt man zur Tour den Hinweis „Unwetterwarnung. Bleiben Sie im Haus!“ Nun gut, grundsätzlich bleibt es warm (bis 25 Grad), ein paar Tropfen am Morgen, Sonne über dem Ortseingang von Agios Stefanos um 17:50 Uhr und ein Wolkenbruch um 17:55 Uhr am Ortsausgang von Agios Stefanos. Gewonnen haben die Holländer mit der Wetter-App „Drops“.

Wir machen uns trotz aller Unwägbarkeiten mittags mit dem Auto auf nach Paleo Perithia, dem in den 1960er Jahren verlassenen Dorf, das nach und nach wieder zum Leben erweckt wird. In steilen Serpentinen geht es hinauf in die Berge. Das Streckenhighlight haben wir aber schon vorher. Auf einer Nebenstrecke („Da waren wir noch nie!“) müssen wir über eine Brücke, die nur mit losen Holzplanken belegt ist. Jede davon macht einen Hüpfer, nachdem man drüber ist. Gruselig!

Gruselig auch: In Old Perithia sind die Waldbrände 2022 erst kurz vor‘m Dorf gestoppt worden. Die Bewohner der Ortschaften davor wurden alle für einen Tag und eine Nacht evakuiert. Verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand! Beim Imker kaufen wir Honig aus der 2. Ernte (mit Oregano- und Thymian-Aromen) und eine Hautcreme aus Bienenwachs. In einer der seit unserem letzten Besuch neu eröffneten Tavernen gönnen wir uns zum Cappuccino je ein Stück Orange Pie und Backlava. Übrigens ziemlich frisch hier auf 450 Meter Höhe. Die Regenjacke war tatsächlich nützlich.

Könnte auch aus den 1970ern sein

Zuhause in Agios Georgios kracht es dann gewaltig: ein neu angekommenes Paar rammt mit seinem Mietwagen die Mauer am Parkplatz.

Die Auswahl des Restaurants müssen wir vom Wetter abhängig machen. Kurz vor Abfahrt schüttet es gewaltig. Bis dahin wollten wir eigentlich zu Fuß in den Ort. So switchen wir dann auf motorisiert um und wagen uns in die Taverne „Marina“ am Strand. Überraschung: Bauernsalat und anschließend Gyros; total lecker. Leider wurde in der Küche aus einem „anschließend“ ein „gleichzeitig“. Mit Obst zum Nachtisch und Kumquat als Abschluss wurde der Fauxpas dann wettgemacht.

Übrigens hat es seit unserer Abfahrt keinen Tropfen mehr geregnet.


Freitag, 4. Oktober 2024

Letzter Tag. Es ist immer noch schwülwarm. Selbst der Sturm kann die föhnige Luft nicht auseinander wirbeln. Es gibt Unwetterwarnungen für heute. Gewarnt wird vor Gewittern, Sturm und Starkregen. So hängen wir am letzten Tag ab. Was wir im Grunde genommen die ganzen zwei Wochen schon getan haben. Nur nicht in der Wohnung, sondern am Strand.

Die Strände (hinten rechts) sind fast bis zur Uferstraße überschwemmt

Zu tun gibt es trotzdem eine Menge: Letzter Einkauf bei Spiros. Einchecken. Packen. Gleichzeitig die schwierige Entscheidung treffen, was man auf dem Rückflug anzieht. Küche samt Utensilien reinigen und sortieren. Das Kartenspiel auf dem Balkon findet unter erschwerten Bedingungen statt, weil vor jeder Windbö eine Spielkarten-Rettungsaktion erfolgen muss.

Bezüglich unseres Letzter-Abend-Essen -das wir traditionell bei Dimitris einnehme- haben wir es auch richtig gemacht. Er nimmt wegen der Wettervorhersagen und seines begrenzten Platzangebotes im Innen-Bereich für heute und Samstag keine Reservierungen an. Und jetzt im Oktober hat er sonntags komplett geschlossen. Unsere Wahl ist heute das „Mon Amour“. Um 19:00 Uhr gewittert es ordentlich und der Strom fällt aus. Die Bucht ist dunkel bis auf die Restaurants, Hotels und Läden mit eigenen Generatoren. Spiros‘ Supermarkt und die Kaffeebude haben das zum Beispiel nicht. Das Zeug in den Kühlschränken dürfte hinüber sein.

Im „Mon Amour“ ist es dafür so voll, wie wir es noch nie erlebt haben. Es ist halt eine der wenigen Tavernen mit einem großzügigen Platzangebot drinnen. Denn draußen schauert es in Sturzbächen.
Zu den üblichen Vorspeisen nehme ich den „Rollo“ (Rollbraten). Klasse! Der Chef hat die Dollarzeichen in den Augen. Er kann gar nicht schnell genug bedienen und kassieren, um für neue Gäste Platz zu schaffen. Zurück zucken die Blitze im Dutzend über den Himmel, nur drinnen ist immer noch alles dunkel. Und zwar so zappenduster, dass man es sich nicht vorstellen kann. Kein Licht von irgendwoher. Die Handys schonen wir, weil da unsere Bordkarten drauf sind und wir nicht laden können.

Mit der Bildschirmbeleuchtung, einigen Mückenschutz-Teelichtern und der Dekolaterne vom Balkon gelingt zumindest ein Schummerlicht. Auch der WLAN-Router funzt natürlich nicht. Das Packen der restlichen Sachen gerät zum Glücksspiel.
Wenigstens brauchen wir zum Schlafen noch nicht einmal die Augen zu schließen.
So dunkel ist es!


Samstag, 5. Oktober 2024

Heimreise! Noch immer kein Strom (insgesamt sollen es 17 Stunden Totalausfall werden). Der Sturm hat sich gelegt. Das Unwetter gestern Abend hat die Stadt Korfu und den Südosten überschwemmt und einiges an Schäden angerichtet. Auch der Flugverkehr war betroffen. Für zwei Stunden gab es keine Starts mehr und alle ankommenden Flüge wurden umgeleitet; viele zu einem Zwischenstopp in Italien gezwungen.

Und bei fehlendem Strom ist es auch morgens um halb sieben immer noch dunkel. Irgendwie schaffen wir es, unsere sieben Sachen zusammenzuraffen und ins Auto zu bringen. Um acht sind wir am Flughafen. Auch Nikos ist schon da und übernimmt das Auto. In der Abfertigungshalle herrscht (wie immer eigentlich) großes Gedränge und heute auch Ratlosigkeit: Alle Anzeigetafeln und Monitore sind ausgefallen. An welchem Schalter fertigt nun welche Airline ab? Keinerlei Durchsagen! Selbst der Kollege am Info-Point ist ratlos. „Ich weiß nur, dass die Anzeigetafel kaputt ist.“ Toll. Dabei steht alles auf der Website des Flughafens (was ich -zugegeben- auch erst später entdecke).
Für uns relevant und geöffnet sind die Schalter eins bis sechs. Letztlich besetzt sind aber nur die Schalter vier bis sechs. Wir reihen uns ein und -völlig ungewohnt- es geht rasch voran. Auch wenn zwischendurch mal Menschen lautstark gezielt herausgefiltert werden. „Leipzisch, Leipzisch, Condor-Leipzisch!“.
Oder Ausgeschiffte der im Hafen liegenden „Aida“ dezent auf Standby geparkt werden.

Angela taucht plötzlich auf, um uns zu verabschieden, während wir auf Zickzack-Kurs in Phantasialand-Manier („Ab hier noch eine halbe Stunde.“) hoffnungsfroh dem Check-In-Schalter entgegen geschwemmt werden. Was „eigentlich“ überflüssig ist. Weil: wir sind schon eingecheckt. Online. Und deshalb ist es auch unnötig, dass uns die voluminös-imposante Check-In-Griechin wortlos wie blöd stehen lässt, um für ihren Drucker neue Bordkarten-Rohlinge zu besorgen. Denn: Bordkarten haben wir schon. Auf’m Smartphone. Aber dafür fehlt es nicht nur an Verständnis sondern auch an einem Drop-Off-Schalter.

Angela hat noch ein Korfu-Souvenir für uns. Zum Glück ist es nicht -wie befürchtet- der von Maria angekündigte Sack mit Oliven in Salzlake. Abschied. Getränkeflaschen leeren. Sicherheitscheck. Zwei Sandwiches, ein Kaffee, ein Perrier, zusammen 11,20 EURO. Kurz warten im neuen Teil des Abfertigungsgebäudes. Und pünktlich um 10:31 Uhr geht es Richtung erste Heimat.

Foto: http://www.condor.de

Ankunft 11:45 Uhr. Die mitgereiste Tochter erwartet uns.