Zur Gesamtsituation im September 2021
Die Sache mit Corona
Die 7-Tage-Inzidenz liegt niedriger als in Deutschland. Im Gesundheitswesen gilt für alle Beschäftigten Impfpflicht. Mehr als 70 Pfleger*innen und Ärzt*innen wurde deswegen allein im Krankenhaus Korfu gekündigt. In Innenräumen von Läden und Restaurants gilt Maskenpflicht. In großen Supermärkten ist die Zahl der Kunden beschränkt. Da sich das Leben überwiegend im Freien abspielt, herrscht allerdings auch eine gewisse Großzügigkeit bei der Auslegung der Regeln.
Für Geimpfte und Genesene geht‘s problemlos rein und raus ins Land. Dazu das PLF-Formular mit seinem (vereinfachten) QR-Code und stichprobenartigen Tests am Flughafen in Korfu. Nicht-Geimpfte müssen sich sowohl bei der Einreise nach Korfu als auch nach Deutschland testen lassen.
Bemerkenswert: Auf der ganzen Insel ist trotz Nachsaison kein Mietwagen mehr zu haben und Taxen vor allem ab/zum Flughafen sind ausgebucht, weil die Passagiere den ÖPNV und die Transferbusse der Pauschalveranstalter meiden.
Die Sache mit dem Abräumen
Nun gibt es da einen Deutschen, der direkt am Meer in den Steilhang oberhalb des Küstensträßchens hinein ein Häuschen bauen möchte. Dazu muss erstmal viel vom Steilhang weggebaggert werden, um denselben mit einer Mauer zu sichern und eine genügend große, ebene Grundfläche zu schaffen. Das bedeutet viel Abraum, sehr viel Abraum sogar. Da kommen etliche Lkw-Ladungen zusammen. Die jetzt quer über die Insel zu karren wäre viel zu kostspielig und zu langwierig. Ein Großteil wird daher mitten im Ort auf einer verwilderten Brachfläche verteilt und planiert. Hunderte Quadratmeter mit üppigem Schilfbestand sind jetzt weg. Mitsamt der bis dato darin wohnenden tierischen Bewohner. Sieht richtig ordentlich aus. Hat was deutsches. Wie ein Riesenparkplatz, auf dem nur noch der Asphalt fehlt.
Aber ein Rest Abraum war noch übrig. Mit dem hat man mitten in der Nacht unmittelbar vor unserer Ferienunterkunft einen Olivenhain im wahrsten Sinne des Wortes platt gemacht. Der hinzu gerufenen Polizei erklärte der Unternehmer, dass dies in Absprache mit der in Athen lebenden Grundstücksbesitzerin passiere. Die allerdings wusste von nichts, wie ein kurzer Anruf ergab. Resultat: Kurzes Schulterzucken beim Unternehmer, Abrücken der Polizei, weiteres Abkippen durch den Unternehmer, aufgeregte Nachbarn und eine verschandelte Landschaft. Kurz: vollendete Tatsachen. Konsequenzen: vermutlich keine. Bestenfalls ein paar Rechtsanwälte, die an einer möglichen gerichtlichen Auseinandersetzung gut verdienen werden.
Unterm Strich bleiben ein Neubau an einem ansonsten kaum bebauten Küstenabschnitt, zerstörte nicht wiederherstellbare Lebensräume und der Verdacht, dass ganz viele Augen gegen ganz viel Geld zugedrückt wurden.

Die Sache mit der Straße
Mittlerweile sind wir im 3. Jahr der von der albanischen Mafia zerstörten Zufahrtsstraße zu „unserem“ Haus. Die erwartete bzw. befürchtete Unbefahrkeit ist dank einiger Schubkarren Splitt und Beton bisher verhindert worden. Schäden an Fahrwerken, Reifen oder Auspuffrohren sind trotzdem an der Tagesordnung.
Griechisch skandalös dabei: ca. 60 Anwohner haben bereits im Februar eine Resolution an die Verwaltung in Acharavi unterzeichnet, man möge den Verantwortlichen endlich die Instandsetzung aufs Auge drücken oder sie selbst durchführen. Ergebnis: bis heute hat die Verwaltung noch nicht einmal den Eingang des Schreibens bestätigt.
Die Sache mit der Geruchsbelästigung
Auch zum immer noch existierenden Entsorgungsproblem der albanischen Hotelanlage schweigt die Verwaltung. Dabei stinkt es im Wortsinn zum Himmel, wenn die offenbar ungeklärten Touri-Fäkalien wohin auch immer (vermutlich im Olivenhain) zum Versickern entsorgt werden.
Angesichts solch skandalöser Untätigkeit liegt der Verdacht nicht gern, dass irgend jemand entweder großen Druck ausübt oder mir großen Summen schmiert.
Die Sache mit den Fehlgeleiteten
Immer wieder passiert es, dass Ortsfremde auf ihrem Weg nach Pronilas, Krini oder „Fishermans Cabin“ von ihren Navigationssystemen in „unsere“ Zufahrtsstraße dirigiert werden. Blöd, weil das im wahrsten Sinne des Wortes eine Sackgasse ist (darf man eine nur für den Anliegerverkehr bestimmte Straße, die nur von einem Ende her zugänglich ist. überhaupt noch so nennen? Die griechische Bezeichnung αδιέξοδο gefällte mir da schon besser. Zugegeben, ziemlich frei übersetzt heißt das in etwa: „Hier wieder raus? Kannst Du vergessen!“ Und genau das mussten zwei Briten schmerzlich erfahren, die -schon im steilen Olivenhain angekommen- zu wenden versuchten und rückwärts in die Tiefe stürzten. Zum Glück nur mit Schäden für ihr Auto. Kurzum: es herrscht dringender Handlungsbedarf.
Reaktion der Verwaltung: sie ließ am Ende der Straße, schon im erwähnten Olivenhain, einen Holzbalken quer zur Fahrtrichtung herniedergehen.
Die Sache mit dem Müll
Was jahrelang ein großes Ärgernis war, ist offenbar -zumindest im Norden der Insel- gelöst. Keine Müllberge mehr am Straßenrand. Es gibt Mülltrennung und Wertstoffhöfe. Nicht „von oben“ verfügt, sondern von den vom Tourismus abhängigen Gemeinden selbst organisiert. Was nicht wiederverwertbar ist, wird auf dem Festland verbrannt.
Die Sache mit der Energiewende
Seit es entsprechende Zuschüsse gibt, werden Neubauten vernünftig gedämmt und isoliert. Überall sieht man Anlagenzur Stromgewinnung oder Warmwassererzeugung auf Grundstücken und Dächern.
Trotzdem: In allen Ortschaften brennt nachts die Straßen- und Außenbeleuchtung ununterbrochen. Damit die Fischerboote zurückfinden? Oder die Insel ununterbrochen auch von der ISS aus zu sehen ist?
Montag, 20.09.21
Kaum zu glauben. Lang ersehnt und dann doch plötzlich steht der Urlaub vor der Tür.
2021: Das Jahr der Nichtschwimmer, der Flutkatastrophen in NRW und Rheinland-Pfalz, der großen Waldbrände in Griechenland und des Merkel-Abschieds.
Im Bundestagswahlkampf kämpfen Laschet, Scholz und Baerbock um die Wählergunst. In Afghanistan herrschen wieder die Taliban und Olympia hat unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Gladbach dümpelt nach dem Wechsel Hütter/Rose im unteren Tabellendrittel herum und auf der Kanareninsel Palma ist ein Vulkan ausgebrochen.
Corona gibt es immer noch, aber viele sind geimpft und das Reisen ist wieder selbstverständlicher geworden. Die Hälfte des Köln-Bonner Flughafens ist, Pandemie bedingt, noch stillgelegt. Am Start vor allem Eurowings und RyanAir.
Diesmal geht’s erst mittags los. Schock auf der Anreise: Madame hat ihr Cortison-Spray vergessen. Ausgerechnet! Vielleicht geht ja was in der Airport-Apotheke. Aber die ist völlig leer geräumt. Wird schon klappen!
Das Auto muss die nächsten Nächte im Parkhaus 3 schlafen. 100 € für 11 Tage. Einchecken geht nur auf Abstand, mit Maske und unter Vorlage von Personalausweis, Bordkarte, Impftestat und Einreiseformular, kurz PLF. Trotzdem geht’s relativ schnell. Auch der Ausfall des Monitors an der Sicherheitsschleuse, kurz bevor wir dran sind, hält uns nicht wirklich auf.
Was auffällt: fast das gesamte Personal wirkt gestresst und demotiviert. Kein „Guten Flug!“. Kein „Schönen Urlaub!“. Im Flieger (einige Plätze sind noch frei) keine Begrüßung aus dem Cockpit, keine Infos zu Flugzeit, Flugstrecke, Wetter. Stattdessen in Kaffeefahrt-Manier Verkauf von Essen, Getränken, Parfüms und Rubbellosen. Als Zahlungsmittel akzeptiert werden nur Kreditkarten. Nicht mehr lange und sie nehmen auch noch Rheumadecken und Kochtopfsets ins Sortiment.

Pünktlich um 14:20 starten, um 17:35 landen wir. Unsere Reisetaschen kommen als erste auf dem Gepäckband angewackelt. Giannis von der Autovermietung steht schon in den Startlöchern. Er kriegt ein Borussia-Shirt von uns. Als kleine Anerkennung dafür, dass er doch noch ein Auto organisieren konnte, nachdem es der Autor verbaselt hatte, die Reservierung im Frühjahr zu bestätigen. Wir zahlen für einen schönen Corsa 500,00 € für 16 Tage (die nachkommende Tochter übernimmt ihn, wenn wir heimfliegen).

Erster Eindruck: ganz schön viel los hier, Maria und Tommy erwarten uns am Haus. Die hochschwangere Angela grüßt von Korfu-Stadt aus per SMS. Im Brouklis hat uns Dimitris einen Tisch frei gehalten, obwohl es proppenvoll ist. Sein Sohn -mittlerweile auch schon 14- arbeitet in der Küche. Flasche Wasser, 2 Korfu-Bier, ein Teller Sardinen, eine Meze-Vorspeisenplatte und eine Lammkeule zum Preis von 34,00 €. Und lecker war‘s auch noch.
Dienstag, 21.09.21
Um 08:00 Uhr pechschwarzer Himmel, davor ein Regenbogen. Dann Gewitter, ein Mini-Tornado überm Meer und ab 09:30 Uhr praller Sonnenschein und Temperaturen um 30 Grad.
Das Brot kostet immer noch 90 Cent. Das Stehcafé neben dem Supermarkt immer noch der Hit. Wir verbringen den Tag am Meer. 2 Liegen, 1 Schirm = 6 €. Ein paar Osteuropäer testen ihre Drohne (Hallo! Noch nie was von DSGVO -russisch:Дсгво- gehört?!). Ansonsten ist es überraschend ruhig (mal abgesehen von den vereinzelten Honigtal-Eltern, die den gesamten Strand an ihrem Erziehungsstil teilhaben lassen möchten). Viele Liegen bleiben frei und der Bootsverleiher beschränkt sich auf den Pendelverkehr zur Zwillingsbucht. Alle Restaurants und Hotels an der Promenade haben geöffnet.
Wir statten Spiros vom Supermarkt einen Besuch ab, ein kleines Präsent für seine Kids im Gepäck. Überschwängliche Freude!
Ein Handwerker vermisst gemeinsam mit Tom und Maria das große Tor. Was die wohl planen? Einen Motorantrieb, Überwachungskameras? Tatsächlich verirren sich immer mehr Touris aus dem „St George“, wo‘s immer noch stinkt und meine ganz persönliche Reisewarnung immer noch gilt, hier hinauf. Die Beton“straße“ ist übrigens nur notdürftig geflickt, aber besser befahrbar als im letzten Jahr. Neu ist der kleine „Platz“ kurz vor‘m Haus. Einige Lkw-Ladungen Beton und Schotter in den Olivenhain gekippt, schon war er da. Verwendungszweck? Unklar!
Entscheidungsfreudig, wie wir nun mal sind (es dauert den ganzen Nachmittag gedauert, bis wir uns festlegen), geht’s zum Abendessen nach Ag Stefanos ins Olympia. Al Bano begrüßt uns mit Handschlag (!). Gegenüber ist die Wildnis aus Schilf, Palmen und Feigenbäumen einem Betongerippe gewichen. Vermutlich hatte jemand noch Corona-Gelder der EU übrig. Was am Ende draus wird? Mal abwarten. Es gibt schon reichlich Leerstände im Ort.
Das Olympia ist ein Restaurant der etwas anderen Art. Mehr Stil, mehr Ambiente. Eher Launch als Taverne. Gepflegte Atmosphäre. Internationale, „verjazzte“ Musik und eine überschaubare Karte äußerst appetitlich-dekorativ angerichteter Speisen. Wir entscheiden uns für Frühlingsrollen, Schwertfisch vom Grill, Chicken-Souflaki und ein Stück Käsekuchen zum Abschluss. Alles top! Nur die Espresso-Maschine war platt. Alles zusammen für 36,00 €.
Auf dem Balkon warten schon Bataillone von Mücken. Zum Glück halten die Mückennetze dicht.
Mittwoch, 22.09.21

Dieses Foto habe ich in den 10 Jahren, in denen wir im Corfiot Panorama Urlaub machen, sicher schon 100 Mal geschossen. Aber der Blick vom Balkon ist immer wieder überwältigend. Der brennt sich so ins Herz und in die Seele, dass er unvergesslich bleibt. Apropos vergesslich: außer dem Cortison-Spray von Madame haben wir (=ich) auch noch die Teebeutel vergessen. Vergessen haben wir (=Madame) auch, dass es in der Wohnung durchaus einen Föhn gibt. Der mitgebrachte ist also ein teures Gepäckgewicht fressender unnötigerweise mitgebrachter.
Das heutige Frühstück endet schmerzhaft: eine Wespe durchsticht beim Hinsetzen Madame‘s Rock, Schlüpper und Epidermis und verursacht an einer Körperstelle eine großflächig reagierende Hautpartie, über deren Örtlichkeit der Autor höflichst den Mantel des Schweigens breitet.
Erst Tommy, dann Maria laden uns für Freitag zum griechischen Essen ein. „Wir sind doch eine Familie.“
Für heute ist Sturm der Stärke 4 und mehr vorhergesagt. Vorsorglich wurde sogar der Fährverkehr nach Paxos eingestellt. Aber es hält sich alles in Grenzen. Da angeblich jede Bucht der Insel ihr eigenes Mikro-Klima hat, pfeift Ag Georgios auf die Vorhersage und lädt bei 25 Grad zum Sonnenbaden ein. Der Wind ist mäßig und warm. Das Meer allerdings ziemlich aufgewühlt.
Ich nutze die Zeit am Strand, um eine Tour über die Insel zu planen und orientiere mich dabei an dem Buch „111 Orte auf Korfu, die man gesehen haben muss“, einem neuen, ausgesprochen empfehlenswerten Werk der „111“-Serie, von dem ich erst kurz vor’m Urlaub erfahren habe.
Zwischendurch gehen wir hoch in die Poolbar des Alkyon und gönnen uns einen Snack, einen Cappuccino, einen Frappé und eine Waffel mit Eis. Ganz ehrlich? Der Frappé, den ich mir manchmal in Deutschland mixe, schmeckt um einiges besser.
Rege Geschäftigkeit herrscht am Abend rund um das schmiedeeiserne Tor an der Grundstückszufahrt. Eine der beiden tragenden Säulen ist längs gerissen und guter Rat tut Not. Der anwesende Handwerker schlägt eine Rundum-Armierung mit anschließender Spezialverklebung vor. Aber von der Fertigstellung dürfte wohl erst im nächsten Jahr zu berichten sein.
Handwerker haben auch Panos und Angela im Haus. Sie werkeln noch immer in ihrer Wohnung, um dem Baby einen heimeligen Empfang bereiten zu können. 37. Woche. Tatheos‘ Brüderchen könnte kommen.
Abends latschen wir zum Nausiko. Dem schrulligen, aber überaus sympathischen Wirt geht’s nach eigenem Bekunden, nicht gut, weil‘s so voll und er ganz alleine ist. Er erinnert sich noch an uns und lässt in seiner unnachahmlichen, augenzwinkernden Art die Saison Revue passieren. Am Ende kritzelt er die Rechnung auf die Papiertischdecke.
Donnerstag, 23.09.21
Der Süden Korfus liegt uns einfach nicht. Oder mein Plan für den heutigen Tag ist einfach zu ambitioniert. Von anvisierten 6 Zielen erreichen wir 3. Google Maps, zwei Straßensperrungen und das Unterschätzen der zu schaffenden Entfernungen hindern uns daran, tiefer als Ag Gordios südwärts zu dringen. Und auch die navigationsunterstützende Kopilotin war nicht wirklich qualifiziert für den Job. Doch der Reihe nach:
Wir starten schon mit Verspätung um die Mittagszeit, amüsieren uns aber köstlich über die Art, wie Miss Google die griechischen Orts- und Straßennamen ausspricht. Zunächst geht’s nach Dukades. Ein traumhaftes Dorf mit herrlichen Gebäuden. Das eigentlich Ziel, „Donkey Rescue“, einem Gnadenhof für Lastesel, verpassen wir irgendwie.
Hinter Dukades -wir wollen Richtung Aqualand- ist dann die Straße nach Pelekas gesperrt. Das Navi gönnt uns eine Rundreise durch den „Speckgürtel“ von Korfu-Stadt. Herrliche Grundstücke, feine Häuser. Aqualand (tote Hose heute) erreichen wir irgendwann auch. Das heißt eigentlich die berühmteste Kumquat-Destille Korfus der Familie Vassilakis, die gleich dahinter liegt. Auch hier im riesigen, beeindruckenden Ausstellungsraum zunächst nix los. Wir sind alleine mit der sehr bemühten Mitarbeiterin. Bis der erste Reisebus kommt. Vorher kredenzt man uns noch eine Platte mit Likör, Süßigkeiten, Olivenöl und Marmelade. Überall ist Kumquat drin. Mittlerweile kriegt man die etwas bitteren Mini-Orangen, die man mit der Schale isst und die dank eines Briten von Asien nach Korfu kamen, auch in Deutschland. Nach den Oliven sind sie der zweitwichtigste Exportartikel Korfus. Natürlich kaufen wir auch etwas.
Dann steuern wir bei Kaiserwetter „Kaisers Throne“ (oder wie Madame zu sagen pflegt:“Kaiser Wilhelms Stuhl“) bei Pelekas an. Von der Aussichtsplattform soll schon der letzte deutsche Kaiser (er hatte nach „Sissi“ das Archilleion erworben) den phantastischen Rundblick über die Insel genossen haben. Leider hat die Co-Pilotin die Fahrt schon 600 Meter vor dem Ziel für beendet erklärt, sodass auch noch ihre Wanderschuhe zum Einsatz kommen. Blöderweise hat sie sich darin schon nach 50 Metern (ungelogen!) eine Blase gelaufen.

Die Aussicht ist wirklich atemberaubend. Wir gönnen uns im benachbarten Restaurant ein kühles Getränk. Mittlerweile sind wir schon mehr als drei Stunden unterwegs.
Agios Gordios und den imposanten vorgelagerten Monolithen Ortholiti schauen wir uns dann von der Panoramastraße aus an.
Dass wir den Korrison-See heute nicht schaffen, ahnen wir schon. Aber in die Olivenmühle „The Governor’s Olive Mill“ bei Agios Matheos wollen wir schon noch. Doch kurz vor’m Ort ist die Straße gesperrt. Also Rückzug antreten, über Korfu-Stadt und als letztes Highlight über Makrades heimwärts. Im Licht der allmählich sinkenden Sonne eine spektakuläre Fahrt hoch über dem Kloster von Paleokastritsa (oder wie die Dame von Google Maps zu sagen pflegt: Paaleeeokaschtriza). In Makrades allerdings ist die gigantische Touri-Falle Corona bedingt um die Hälfte geschrumpft.
Zum Essen geht’s in die Taverna. Herzliche Begrüßung. Die Frage nach der abwesenden Tochter. Ein üppiges Mahl (Tarama, Tsatsiki, Bauernsalat, Pitabrot, 2 gigantische Stücke Lammkeule, Melone, 1 Bier, 1 Wasser, 2 Ouzo) und eine Rechnung über 29,00 Euro. Hoppa!

Mittlerweile wird‘s abends doch recht frisch. Pullöverchen ist angesagt bei 17 Grad. Aber immer noch warm genug für Schwärme von Moskitos, die uns auf dem Balkon heimsuchen.
Freitag, 24.09.21
Überraschung: Morgens besuchen uns Angela und Tatheo. Das Wiedersehen ist herzlich und tut gut. Während Tatheo auf unserem Balkon ein „gesundes Frühstück“ mit viel Obst zu sich nimmt, erfahren wir alle Neuigkeiten aus dem Ort, der Familie und zur bevorstehenden Niederkunft.
Am Strand ist nicht viel los. Wie schon in den letzten Jahren dominieren das Russische und die slawischen Sprachen die Geräuschkulisse. Dazwischen ein wenig Deutsch und Holländisch. Der „Master of the sunbeds“ kommt aus Albanien und ist 18 Jahre alt. Der Preis für ein Komplett-Set (2 Liegen, 1 Schirm): 6,00 €.
Es ist mit 26 Grad der kälteste Tag der Woche.

Punkt 17:00 Uhr wird die griechische Tafel eröffnet. Es gibt gefüllte Blätterteigtaschen, Käse, Brot und Schinken als Vorspeise und danach eine Riesenportion Pastitsio, ein Hackfleisch-Makkaroni-Auflauf, kombiniert mit Stifado, einem Rinderschmortopf mit Zimt, Kreuzkümmel und Zwiebeln. Abschließend dann noch ein paar süße „Häppchen“. Dazu gibt’s Marias selbst produzierten Wein.

Alles findet drinnen statt, weil die Wespen derzeit wahre Plagegeister sind. Es sind gemütliche zwei Stunden mit ganz viel Gesprächsstoff. Von der großen Politik über Corona, den Kindern und Enkelkindern und deren Zukunft, den Problemen rund ums Haus bis zu Marias Bandscheibenproblemen.
Nach einer kurzen Verdauungspause machen wir uns ins „Butterfly“ auf und lassen den Tag mit Mai Tai und Mythos ausklingen.

Samstag, 25.09.21

Strandwetter vom Feinsten! Sonnenbaden bei gepflegten 26 Grad. Zwischendurch bei Vales einen Frappé und einen Cappuccino schlürfen und dazu Pita, gefüllt mit Gyros, Tsatsiki, Pommes und Salat. Tito komplette für 10 Euro.
Abends nach Afionas. Der Sonne beim Untergehen zuschauen. Leider liegen auf der Strecke dorthin zwei Souvenirläden, die sich Madame in den Weg stellen. Bedauerlicherweise nimmt die Sonne darauf keine Rücksicht und hat sich schon ins Meer begeben, als wir am Aussichtspunkt ankommen.

Im Restaurant „Porto Timoni“ wird fangfrischer, gegrillter Tintenfisch angeboten. Ein Genuss! Garniert mit einem 1:0-Sieg von der einzig wahren Borussia über die schwarz-gelbe (mit Ex-Trainer Rose) und abgerundet mit einem auf einer Schieferplatte stilvoll angerichtetem Cheeseburger-Cake („Geht auf‘s Haus!“).

Sonntag, 26.09.21
Tag der Bundestagswahl

Nochmal an den Strand. Cola, Plätzchen, Nektarinen, zwei Eis vom Kiosk, kristallklares Wasser und den neuen Fitzek-Thriller: Was braucht man mehr?!
Zurück im Haus (rechtzeitig zur ersten Prognose: SPD und CDU Kopf an Kopf) sagen Angela und Panos noch Hallo und verabschieden sich gleichzeitig auch wieder, weil Angela evtl. morgen wegen der bevorstehenden Geburt im Krankenhaus bleiben muss.
Wir fahren nach Arillas zu Dimitris. Um einiges kühler dort. Und proppenvoll. Ohne Reservierung läuft da fast nix. Madame weicht mit nie gekannter Radikalität von Gewohntem ab und bestellt statt einem Dutzend Zucchini-Bällchen tatsächlich gegrillte Gambas: 5 fette Teile in Spitzenqualität.
In meinem Moussaka hat sich leider die Bechamelsauce auf Kosten des Hackfleisches zum Wahlsieger erklärt.
Montag, 27.09.21
Heute ist irgendwie die Luft raus. Genau genommen hinten rechts. Am Corsa. Zeigt die Elektronik jedenfalls im Display an. Dabei haben wir eine große Tour vor. Los geht’s den Berg rauf nach Aspiotades. Ein paar hundert Meter testen wir die Abkürzung links hoch (Richtung „Pizzeria“) zum Kloster des Allerheiligsten Theotokos. Eine mit Schlaglöchern übersäte Schotterpiste. Heute nicht! Nicht mit diesem Reifen hinten rechts. Wir kehren zurück auf Asphalt.
Frühstück im „MELISITO Pastry – Bakery – Cafe“. Feine Stube, tolles Gebäck, Torten und Törtchen, bester Frappé, herrliche Aussicht. Selbst der Besuch auf der Toilette lohnt sich. Vom Feinsten!
Leider gibt es die Tanke gegenüber nicht mehr. Also zum Luftdruck messen nach Arillas (gleich neben der Corfu-Beer -Brauerei). Der Tankwart bockt unser Auto gleich hoch („Da ist ein Loch drin. Dauert nur 5 Minuten“). 15 Minuten und 5 Liter Seifenschaum, mit dem er den Reifen einseift, weiter, ist die Ursache für den Druckverlust immer noch unklar. Wir fahren mutig weiter.
In Ag Stefanos machen wir Halt bei den Brüdern mit dem Olivenholzladen. Es folgt eine Unterhaltung mit einer aufatmenden Herzlichkeit, die man nicht in Worte fassen kann! Ein Jahr Corona hat mit uns allen etwas gemacht. Der Höflichkeit halber kaufen wir sogar etwas.
Vorbei an Sidari, hinter Acharavi geht’s rechts hoch nach Loutses und schließlich nach Perithia, dem verlassenen Dorf. Tatsächlich hat es irgendwann mit dem aufkommenden Tourismus alle Bewohner*innen aus der Metropole früherer Zeiten (immerhin 8 Kirchen zeugen davon) in die Küstenregion getrieben. Aber von „verlassen“ im eigentlichen Sinn kann nicht die Rede sein. Der Parkplatz vor’m Dorf ist voll. Die Teilnehmer*innen einer Jeepsafari und einer geführten Touri-Tour bevölkern die fünf Tavernen. Trotzdem hat der Ort eine ganz eigenartige Atmosphäre. Wir machen Pause in der Taverne auf dem ehemaligen Marktplatz („Foros“), trinken frisch gepressten O-Saft und selbst gemachte Limonade und essen einen wahnsinnig leckeren Salat.

Und dann gibt’s wieder die besonderen griechischen Momente. Eine Frau vom Nachbartisch (Deutsche, natürlich) geht prompt in die falsche, benachbarte Taverne um zu bezahlen. „Unsere“ Kellnerin lacht sich darob mit uns dermaßen schlapp, dass sie sich gar nicht mehr einkriegen will. Und als ich zum WC will (auch hier lohnt sich ein Besuch, weil winzig, versteckt, mit Falttür, …), versperrt mir die Sackkarre zweier Getränkelieferanten mit etlichen Mythos-Kisten den Weg. Wirtin und Kellnerin räumen zwei Tische zur Seite, damit ich durch kann. Der Cheflieferant, älterer weißhaariger Grieche bedeutet mir, dass an jedem Tisch und vor der Toilette Zoll zu zahlen sei. Als ich darauf einsteige, sind alle sofort mit dabei. Es ist laut, es ist lustig. Als ich auf die Frage des Chefs (ohne Maske), woher ich komme, mit Mönchengladbach antworte, kommt prompt zurück: „Sehr gut! Die haben doch Dortmund 1:0 geschlagen!?“
Um wieder zur Küste zu gelangen, muss man die gleiche Straße wieder zurück fahren. Immer das Meer und das zum Greifen nahe Albanien vor Augen.
Nächstes Ziel ist die hübsche Hochzeitskirche Ypapanti in Gouvia. Die Fahrt zieht sich unendlich. Blöderweise führt uns die freundliche Dame von Google Maps erst zu einer falschen Bucht mit einer falschen Kirche. Zugegeben: von mir auch falsch eingegeben. Allerdings auch herrlich gelegen.
Ypapanti selbst ist bezaubernd. Allerdings verschlossen und als Fotomotiv wegen der Lichtverhältnisse eher in den Morgenstunden geeignet. Zu guter Letzt fahren wir noch rüber zur venezianischen Werft. Beeindruckend! Auch der Yachthafen.

Danach noch schnell nach Korfu-Stadt. Shoppen. Inzwischen ist es früher Abend.

Gleich 4 Kreuzfahrtschiffe von beeindruckender Größe liegen vor Anker. Da es für die Passagiere Abendessen gibt, ist die Altstadt herrlich leer.

Madame setzt ihrer drohenden Unterzuckerung (was ich für eine Ausrede halte) eine Komposition der süßesten Zutaten bei „Hans & Gretel“ entgegen.

Nach unserer Rückkehr lassen wir diesen herrlichen Tag -um 22 Uhr hat‘s noch 23 Grad- im „Delfini“ ausklingen.
Dienstag, 28.09.21
Für 6:41 Uhr zeigt Madames Handy einen Anruf an. Enkel Nr. 1 hatte wohl die mobile Kommunikationshoheit.
Der Tag beginnt trüb und schwül, läuft aber Stunde um Stunde zu Hochform auf. Bis 18:00 Uhr genießen wir die Sonne und den Strand, wo die Vermieter bereits angefangen haben, ihr Angebot an Liegen und Sonnenschirmen zu reduzieren. Noch immer wie geschnitten Brot, bzw. gerolltes Pita, laufen Bootsverleih (es gibt jetzt einen Konkurrenten beim „Vales“-Restaurant) und der Bootstransfer zur Zwillingsbucht.
Die „3“ ist jetzt frei und Madame nutzt die Gunst der Stunde, das renovierte Bad zu begutachten. Sie ist begeistert. Übrigens haben Tom und Angela sich bzgl. der Appartements und ihrer Vermarktung komplett getrennt. Über „Corfiot-Panorama.com“ sind nur noch Angelas Wohnungen buchbar.
In die „2“ ist ein Ehepaar aus Nottuln eingezogen. Und Maria bringt uns schon den Schlüssel zur „3“ vorbei.


Abends spielt sich schier revolutionäres ab: nach 20 Jahren Korfu probieren wir was neues aus. „The Night Owl“ in Afionas. Nette kleine Taverne mit übersichtlicher Karte, aber zusätzlicher Tageskarte. Wir gönnen uns „Meze Onassis“ (Champignons und Speck mit Käse überbacken), Chicken Souflaki, eine fangfrische Brasse und zum Dessert einen Brownie mit Vanilleeis. Seeeehr lecker, sehr authentisch, super freundliche Bedienung und eine ruhige Atmosphäre ohne pseudo-traditionelle Folklore. Ein Besuch mit hoher Wiederholungsgefahr.

Und da war da noch die Sache mit Madames Blase (die am Fuß). Ihr erinnert Euch: Donnerstag, 23.09., die Tour zu „Kaisers Throne“. Wie sich heute herausstellt, besteht die Ferse nur noch aus einem harten Stück Kunststoff ohne jede Polsterung. Ups, da hat sie wohl die falschen mitgenommen.
Mittwoch, 29.09.21
Die nachreisende Tochter trifft mit ihrer Freundin ein. Obwohl beide übernächtigt sind, wird das Begrüßungsprogramm unerbittlich durchgezogen: Lidl, Kanoni, Kloster Paleokastritsa.
Vom Café in Kanoni schauen wir den Jets beim Landen ins Cockpit. Leider gibt es wegen eines Stromausfalls nur kalte Speisen, was einen älteren stark sächselnden Herrn zu der Bemerkung Richtung Reiseleiterin veranlasst: „Bei uns im Bus is des Migro ooch defekt.“
Warum auch immer: Omelette gibt’s auch heiß.

Der eigenen Faulheit geschuldet, fahren wir diesmal mit dem Auto bis fast vor die Klosterpforte. Die Mädels kriegen chicen Vorhangstoff zum Bedecken der nackten Beine, Madame zieht das eigene Badetuch vor.

Es ist drückend heiß und nachmittags regnet es lokal begrenzt sogar gewittrig. Unterwegs halten wir an einer Gärtnerei (?). Draußen kein Schmuckstück, von der Innenausstattung aber kann der Laden locker mit jedem deutschen Raiffeisen-Fachmarkt konkurrieren. Wir kaufen Blümchen für Maria (Phlox divaricata). Eigentlich sollten die für Madame sein, aber der nette Verkäufer war hinsichtlich der Überwinterung in Deutschland skeptisch. Spontan verlieben sich die Mädels in ein sooo süüüßes winziges Kätzchen.

Die Mädels beziehen „die 3“. Das neue Bad ist wirklich gut gelungen!
Zum Nachtmahl fahren wir in die Taverne „Mon Amour“. Lecker, lecker, lecker. Tarama, Tsatsiki, Souflaki in Pita, Saganaki, Lammkoteletts, Bauernsalat. Zum Abschluss Ouzo und Obst auf‘s Haus. Authentischer geht’s nicht.
Und morgen ist schon unser letzter Tag. Unfassbar!
Mit Angela vorsorglich den Reisetermin 2022 festgemacht.

Donnerstag, 30.09.21
Letzter Tag am Strand. Vor uns das in allen Blautönen schimmernde Meer, hinter uns tiefschwarze Wolken über der Insel, aus denen es ab und an sogar mal blitzt und donnert. Und so bleibt es auch bis zum Abend. Ein letzter Frappé, ein Milchshake und dann hoch ins Haus.

Wir packen und treffen noch auf Angela und Panos. Nachdem sich Tom in Bezug auf die Nennung eines Preises und die Entgegennahme des Geldes verweigert hat, fragen wir Angela, die erst auch nicht so recht will. 88 Euro zahlen wir dann pro Nacht, eine ist als Rabatt frei.
Abschied von Thanassis (=Tom) und Maria. Tatheo hat Wichtigeres zu tun: Im Fernsehen läuft „Tom und Jerry“.
Letzter Abend, wie immer, bei Dimitris. Am Ende, wir sind die letzten Gäste, wird es noch gemütlich mit ihm. Zusammen mit der nachgereisten Tochter testet er den „neuen“ Cheesecake und gibt uns einen Schnaps (Mastiha Likör) aus. Mit der Zusage, dass er sich jetzt für die Mädels verantwortlich fühlt, lädt er sie zum „Solar-Kaffe“ täglich zwischen 11 und 13 Uhr ein. Solar deshalb, weil er die Espresso-Mascine mit seiner Solar-Energieanlage betreibt. Wir verabschieden uns bis zum nächsten Jahr.
Noch eine kurze Runde Rommé auf dem Balkon und dann in die kurze Nacht.
Das war’s.
Freitag, 01.10.21
Angela, meine griechische Tochter, lässt es sich nicht nehmen, um 6:30 Uhr mit einem Geschenk für unsere beiden Enkel persönlich „Αντίο“ zu sagen. Da das Auto jetzt hinten links in die Knie geht und nach Sprit dürstet, legen wir noch einen Zwischenstopp an einer Tanke ein („AEGEAN“ Ano Korakiana 490 83, Korfu, Griechenland). Ich bin mir nicht sicher, ob es in Deutschland eine solche Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit morgens um sieben geben würde. Self-Service gibt es auf der Insel übrigens kaum.
Kurz vor acht sind wir am Airport. Abschied von der mitgereisten Tochter, die das Auto übernimmt und dann reiben wir uns die müden Augen: Tote Hose vor’m Check-In-Schalter! Wir sind die dritten und schon um 8:15 im Duty-Free-Shop. Ein letztes griechisch angehauchtes Sandwich, dann landet auch schon der Flieger. Ryanair-Flug, von Malta-Air durchgeführt, von fast 180 Rückkehrer*innen bezahlt. Pünktlicher Start, ruhiger Flug, pünktliche Landung in Köln. Einziger Aufreger: Eine Rumänin, die in Köln von der Polizei aus der Menge gefischt wird und ohne jegliches Ausweispapier von Korfu nach Köln geflogen ist.
Im Freitagsnachmittagverkehr brauchen wir anderthalb Stunden bis nach Hause.
Das war’s.
Jetzt haben wir zwei fabelhaft schöne Tage gehabt. So schön war alles, dass es unnatürlich war, abends dufteten die Ölbäume so stark, und die untergehende Sonne verlieh ihnen einen Heiligenschein wie goldene Rosen. Das Meer glich einem großen Stück lichtblauen Glases.
Kaiserin Elisabeth II. „Sisi“ am 8. April 1895 in ihrem Tagebuch
