Samstag, 03.10.20
Urlaub. Aber irgendwie anders.

Dieser Urlaub wird kein leichter sein, aber hoffentlich auch nicht steinig und schwer. Seit März hat die COVID-19 Pandemie Europa fest im Griff. Der für Mai geplante Korfu-Urlaub fiel den Einschränkungen im Luftverkehr zum Opfer. Nun -da wieder gereist werden darf- geht es für eine Woche zu den Freunden in Griechenland, wo die Zahl der Infizierten überschaubar ist. Ganz im Gegensatz zum Rest der Welt. Eine Million Menschen sind inzwischen im Zusammenhang mit der Seuche gestorben. Deutschland hat’s ganz gut im Griff, aber die Situation verschärft sich schon wieder.
Wir wagen es trotzdem. Einmal aus reinem Egoismus. Raus aus der Isolation des Homeoffice und raus aus der Corona-Depression. Zum anderen aber auch, um damit unsere Gastgeber zu unterstützen, deren Existenzen auf dem Spiel stehen.
Reisen 2020, eine ganz besondere Herausforderung. Desinfektionsmittelwolken wabern durch eine überschaubar frequentierte Abfertigungshalle in Düsseldorf. Die mit Strafe bei Unterlassung bewehrte Pflicht zum Tragen von Mund- und Nasenschutz und die dadurch bedingte Sprachlosigkeit legt eine seltsam dumpfe Stille über die Szenerie.
Abstand zum Nächsten Menschen mindestens 1,50 Meter. Vor Abflug Fieber messen. Für die Einreise nach Griechenland muss ein „QR-Code“ auf einem „PLF-Formular“ (Passenger Locator Form) beantragt werden, der die Reisenden angeblich nach irgendeinem Algorithmus unterteilt in zu Testende und nicht zu Testende. Zu welcher Gruppe man gehört, erfährt man allerdings erst bei der Ankunft.
In Urlaubsstimmung zu kommen fällt da schwer. Geradezu mulmig wird einem an Bord des Airbus von LaudaMotion. Etliche Plätze sind zwar frei, aber eingepfercht bleibt eingepfercht. Völlig abgedreht, aber typisch deutsch: die Situation kurz vor’m Aussteigen. Trotz Aufforderung der Chefstewardess, die Abstände zu wahren und den Flieger Reihe für Reihe zu verlassen, wird drauf los gestürmt, als gäbe es in den wartenden Bussen Geschenkgutscheine von Amazon.
Wobei man gar nicht zu den Bussen käme, weil die noch gar nicht da sind. Zu viele Flugzeuge sind gleichzeitig angekommen und man muss wissen, dass man selbst dann, wenn die Maschine nur 20 Meter vor’m Ankunftsgebäude zum Halten gekommen ist, mit dem Bus dorthin gefahren wird, was gerade in Corona-Zeiten recht unverständlich ist. Abstand geht im Bus halt nicht.
Ohne Abstand wartet man auch in einer langen Schlange vor der Einreisekontrolle. Ob man zur Gruppe der auf COVID-19 zu Testenden gehört, erscheint allerdings ziemlich willkürlich. Kurzer Blick auf den QR-Code (kein Einscannen), kurzer Blick auf den Passagier; das war’s. Wir dürfen ohne Test durch und sind froh, nach sechs Stunden endlich die Masken abnehmen zu können.
Korfu hat uns wieder! Es wird warm ums Herz. Wärmer als in all den Jahren zuvor. Und dazu passt auch die Außentemperatur: 29 Grad
Es ist Oktober und es ist Urlaub.
Und da wäre auch noch der Sieg vor 300 Zuschauern im Derby Köln – Gladbach (1:3) zu erwähnen.

Sonntag, 04.10.20
Die Straße hoch zu unserer Residenz ist eigentlich nur noch mit einem Allrad angetriebenen Geländewagen zu bewältigen. Nach der Fertigstellung der neuen Hotelanlage durch die albanische Mafia, hat es dieselbe doch tatsächlich versäumt, den zu einer Baustraße degradierten Zufahrtsweg wieder instand zu setzen. Jedesmal, wenn ein Betonmischer noch ein paar Reste in der Trommel hatte, wurden die offenbar ausgekippt und der Weg damit zur Testrecke für Suffs ausgestaltet. Mehrmals sind wir mit unserem Hyuandai (140 € für 7 Tage) dermaßen hart aufgesetzt, dass wir schon fürchteten, uns den Unterboden aufzuschlitzen.

Am Strand: Kaum noch Liegen- und Sonnenschirm-Vermietung. Kein Service am Liegestuhl. Kein Frappé oder Club-Sandwich on the beach. Trostlos!
Abends zu Dimitris nach Arillas. Riesige Wiedersehensfreude. Neu auf der nicht existierenden Karte: Dorade vom Grill. Sagenhaft! Und am besten: es ist warm, über 20 Grad und wir können draußen unter Weintrauben sitzen. Kolokithokeftedes (Zucchini-Bällchen), Tsatsiki, Saganaki, Taramas und frische Sardinen. Gott, wie hab ich das vermisst.
Es stürmte dann später so sehr, dass es uns die Karten von „Phase 10“ glatt vom Balkon geweht hat.
Heute sind wir bei unseren Gastgebern zum Essen eingeladen. Um 15:00 Uhr (!). Die Tagesplanung ist damit ad acta und die Wochenplanung unserer Tavernenbesuche auch.
Schon um acht in der Früh klopft uns Maria aus dem Bett und bringt frisch zubereitete, noch heiße, in Öl ausgebackene und in Honig ertränkte Krapfen vorbei. „Für ein gutes Frühstück.“ Weitere Zutaten gehe ich im Supermarket einkaufen, wo mich Inhaber Spiro mit Tränen in den Augen -allen Corona-Regeln zuwider- in die Arme schließt, mir stolz von der Geburt seines Töchterchens berichtet und ich ihm von meinem Enkel erzähle.
Irgendwie alles Familie hier.
Das Essen, zum ersten Mal drinnen, ist wie üblich opulent, leicht fleischlastig und in der Menge ca. 500 Gramm jenseits des Sättigungsgrades. Aber man ist ja ein höflicher Gast. Nicht Verzehrtes nehmen wir in Alufolie verpackt mit.
Den Tag lassen wir dann im stylischen Garten des „Butterfly“ ausklingen. Zu Beginn regnet es kurz; aber am Ende erscheint Frau Luna am Horizont und wir reflektieren angeregt 20 Jahre Urlaub auf Korfu. Dabei lassen wir uns auch nicht durch die eher uninspirierten Cocktails die gute Laune verderben.

Montag, 05.10.20
„Ein weiteres Lügen-Wochenende“ titeln die Medien in Deutschland, nachdem sich der U.S.-Präsident Trump wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus begeben und sein Leibarzt danach die Presse angelogen hatte und Trump schließlich aus der Klinik in einem Geländewagen zu wartenden Fans gefahren worden war.
Das stört uns alles nicht. Eher schon das Wetter hier. Es stürmt die ganze Nacht ohne Unterlass, dass sich die Bäume biegen. Dabei ist es noch unfassbar warm.
Nach dem Frühstück zum Strand. Die Sonne strahlt, aber die Böen sind heftig. Sand steckt in jeder Pore und in jeder Locke (sofern man welche hat). Als es am frühen Nachmittag dann auch noch zu regnen beginnt, ergreifen wir die Flucht und schlürfen unseren ersten Frappé an der Strandbar.

Auf dem Rückweg tauschen wir dann im Supermarkt noch die irrtümlich erworbene Haarspülung gegen Shampoo aus und entscheiden demokratisch, wohin es heute Abend zum Essen gehen soll.
Erst einmal nach Ag Stefanos, der Geburtsstätte unserer Korfu-Liebe. Tote Hose dort. Vieles bereits dicht. Unter anderem das große „Little Prince“ (Hotel und Restaurant). Im „Maria‘s“ großes Wiedersehens-Hallo. Statt Lutscher gibt’s die Postkarten von Marias Schwester geschenkt.
Anschließend nach Kavvadades zum „Mon Amour“. Eine immer noch authentische Taverne. Im Eingangsbereich ein großer Tisch mit Desinfektionsmitteln, Tüchern und sogar Masken. Ich bestelle Lamm vom Spieß und als Vorspeise Salat, Taramas, Tsatsiki, Pitabrot. Der Tisch ist voll und ich genieße es. Hinterher gibt’s Obst und Ouzo auf‘s Haus. Für drei Personen zahle ich inklusive Getränke 32,00 Euro.
Kurze Zwischenbemerkung: inzwischen haben wir schon einige vom Tourismus abhängige Wirte, Händler und Vermieter gesprochen. Niemand darunter, der in der Krise verzweifeln würde. Ja, die sonst üblichen Einnahmen bis Mitte/Ende Juli fehlen komplett. Dann bis Ende September in etwa Normalniveau und anschließend bis heute stetiger Abschwung. Ja, und viele beenden die Saison früher als üblich. Aber sie wollen kein Mitleid, kommen mit staatlicher Unterstützung noch mit einem blauen Auge aus der Saison 2020 heraus. Etablierte Betriebe haben kaum Probleme, zu überleben. Es werde, so die Erwartungen, eine Bereinigung der Touristik-Industrie geben. Auf der Strecke bleiben die Saisonkräfte, die „windigen“ Händler und die (steuer-) frei schaffenden Betriebe. Das durchaus vorhandene Klagen hat -vielleicht weil man in Griechenland wirtschaftlich schon ganz anderes hat ertragen und meistern müssen-einen ganz anderen Unterton als in Deutschland.
Zum Abschluss des Tages eine Runde „Phase 10“ gespielt. Wegen Sturms drinnen und ohne die vermutlich Richtung Albanien fliegende rote 11.
Es stürmt und schüttet dann stundenlang auf das heftigste.
Dienstag, 06.10.20
Was für eine Nacht. Es hat gestürmt, dass man dachte, das Haus fliegt weg und geschüttet ohne Ende. Im mafiösen Hotel nebenan -derzeit nur von umgebuchten Briten bewohnt- scheint die Kläranlage übergelaufen zu sein. Die ganze Gegend stinkt nach Kloake; dementsprechend mies die Stimmung der dort untergebrachten Brexitiers.
Der Morgen beginnt trüb; aber kaum, dass wir am Strand sind, reißt der Himmel auf und es wird noch richtig schön. Da schmeckt. sogar der Frappé fast wie im Sommer.
„Zuhause“ dann fallen Dutzende Mücken über uns und die Wohnung her. Nicht, dass man das auf Korfu nicht gewohnt wäre, aber es stellt sich schon die Frage, wo die während der letzten Tage waren. Natürlich haben wir nix zur Mückenabwehr und nix gegen Mückenstiche mitgenommen und müssen uns das im Supermarkt besorgen.
Maria, die Gute, hat uns eine „Kleinigkeit“ in die Küche gestellt:


Um diese Jahreszeit geht die Sonne bereits um 19:15 Uhr unter. Wir schaffen es nicht mehr, das Schauspiel von Afionas aus, hoch über der Bucht, zu genießen. Aber der Blick vom Balkon ist auch nicht schlecht.

Anschließend hoch nach Afionas. Um 20:00 Uhr schon tote Hose. Alle Läden dicht. Kaum Gäste in den Restaurants, dafür Platz zum Parken. Im „Porto Timoni“ sind bis auf einen alle Tische leer. Das ist schon ein trauriger Anblick. Die Speisekarte ist stark reduziert, das Essen aber lecker wie immer. Ein Highlight: die gegrillten Kalamaris.
Zum Abschluss noch der übliche Kuchen „auf‘s Haus“ und dann zum Zocken heimwärts.
Trotz erbarmungsloser Jagd vor dem Zubettgehen, schaffen es natürlich einige der blutsaugenden Quälgeister, sich in die Nacht zu retten und uns dieselbe zur Hölle zu machen.
Mittwoch, 07.10.20

Ganze Schwärme von Mücken tanzen zum Frühstück vor dem Balkon. Spektakulär! Am Bett von Madame liegt ein Baby-Gecko. Ziemlich leblos und ziemlich gequetscht. Ob der kleine Mann jetzt zwischen Bett und Tür oder schlicht unter Madames Fuß geraten ist, lässt sich nicht mehr genau klären. Die forensische Beweislage ist einfach zu dünn. Ein letzter Zweifel bleibt natürlich. Muss sie selber wissen, wie sie damit zurecht kommt. Die Idee, den Leichnam auf See zu bestatten, verwerfen wir wieder, weil wir die davor notwendige Verbrennung technisch nicht umgesetzt bekämen. Wir lagern ihn erst einmal auf dem Balkon zwischen.
Auf zum Strand. Zunächst noch angenehm, später frisch. Nach Cappuccino und Frappé geht’s relativ früh wieder heim.
Ach, übrigens: heute und morgen legen die griechischen Fluglotsen den gesamten Flugbetrieb in ihrem Heimatland wegen ausstehender Gehaltszahlungen nieder. Hoffentlich bleibt‘s bei den beiden Tagen.

Dimitris ist heute Abend besonders redselig. Hat eine Solaranlage zur Stromerzeugung installiert bekommen. ‚Von einer deutschen Firma. Die haben die komplett mit 2 Imbusschlüsseln von IKEA montiert.‘ Er hat sie schon mit seiner Drohne von außen inspiziert. ‚Ich liebe dieses Spielzeug.‘ Wenn wenig los wäre, könnte ich mit ihm aufs Dach. Zum Glück ist der Laden proppenvoll. Für morgen erwarte er wegen der Solaranlage allerdings Regen. Als er die Solar-Erwärmung für‘s Warmwasser bekommen habe, sei am nächsten Tag Sonnenfinsternis gewesen. ‚Die einzige in 100 Jahren‘. Und beide Anlagen installiere er nicht, um Geld zu sparen, sondern um bei seinen vielen alternativ angehauchten Gästen Eindruck zu schinden. Dieser Typ …
Ich nehme heute mal Bifteki. Lecker, aber mit Nebenwirkungen in der folgenden Nacht. Den leckeren Käsekuchen gibt’s für den Rest der Saison nicht mehr. Sehr zu Töchterleins Enttäuschung. Dafür kann sie ein „Corfu-Beer“-Glas bei Dimitris abstauben.
Phase-10 auf dem Balkon. Zu dritt macht‘s echt Spaß.
Beim DFB wird wegen Steuerhinterziehungen ermittelt, in Deutschland explodieren die Coronazahlen und Ein US-Präsident rühmt sich, das Virus besiegt zu haben. Herbert Feuerstein starb heute.
Donnerstag, 08.10.20
Der Morgen und die griechische Gastfreundschaft bringen uns erst einmal in arge Nöte. Nachdem ich gezahlt habe, überreicht mir Maria eine große, stylische Geschenktüte mit einer Überraschung drin für den Enkel daheim. Sodann folgt ein 1-Kilo-Glas selbst gemachter Marmelade. „Früchte aus dem ganzen Garten. Wichtig: Wenn geöffnet, sofort in den Kühlschrank!“
Nun haben wir jedenfalls das Problem -und das wird ausführlich und lautstark mit allen Beteiligten auf Griechisch, Englisch und Deutsch diskutiert- eine Pflanze, eine Geschenktüte, ein Kilo Marmelade und noch ein Päckchen, das uns unser Autovermieter am Flughafen mitgeben will, zusätzlich im Gepäck zu verstauen. Und das angesichts strenger RyanAir-Vorschriften. Blöderweise -und das wird man mir sicher bis an mein Lebensende vorwerfen- habe ich nur eine kleine 10-Kilo-Tasche mitgenommen, obwohl ich den 20-Kilo-Freigepäck-Tarif habe. Damit steht zumindest fest, dass für weitere Mitbringsel der Platz nicht reichen wird.

Doch damit nicht genug: sie überreicht mir noch einen Topf mit einem „Wandelröschen“. Selbiges hatte Madame im letzten Jahr hier gekauft und mit viel zu viel Wasser innerhalb weniger Tage bis an den Rand des Ertrinkungstod gebracht. (Da fällt mir ein: ich muss nochmal nach dem Gecko auf dem Balkon schauen.) Maria hatte versprochen, das Blümchen zu reanimieren und uns beim nächsten Besuch wieder mitzugeben. Operation gelungen. Wohl selten zuvor dürfte einer Pflanze so viel Aufmerksamkeit angediehen sein. Bemerkenswert schon deshalb, weil man so ein Teil genauso gut in Deutschland hätte kaufen können.
Wir wagen uns an den Strand. Es stürmt zwar permanent (Mistral) und ab und zu gibt’s auch ein paar Wölkchen, aber insgesamt ist es ein schöner Strandtag. Abends sind wir jedenfalls die letzten.
For Diner gehen wir zu Fuß zum „Nafsika“. Auf dem Weg noch ein Abstecher in einen Souvenirladen und die erstaunliche Feststellung, dass es mitten im Ort einen Knabberfisch-Stützpunkt gibt. Da, wo kleine, bedauernswerte Fischlein vornehmlich älteren Damen die Hornhaut von den verschrumpelten Füßen knabbern.
Der Wirt im „Nafsika“, der so sehr an „Opa Willi“ erinnert, ist in Hochform. Ebenso das Essen. Wider besseren Wissens, dass ich die nach dem reich bestückten Vorspeisenprogramm auch noch schaffen könnte, bestelle ich mir noch die gekochte Lammkeule. Ein Traum! Ein kulinarische Highlight! Eine Geschmacksnerven liebkosende Würze! Von unbeschreiblicher Zartheit!

Aaaaaaaber: so groß wie ein Minfußball; garniert mit noch mehr Salat und noch mehr Gemüse. Zur Hälfte muss ich die Waffen strecken. Nichts geht mehr. Selbst ein zur Hälfte mit Ouzo gefülltes Limo-Glas lässt es nicht weiter flutschen. Der Augenaufschlag des Wirtes sagt alles: ‚War doch klar.‘
Die Rechnung gibt’s ausgedruckt! War das Finanzamt hier? Üblicherweise wird sie auf die Papiertischdecke gekritzelt. Wehmütig, und mit besten Wünschen für das nächste Jahr verabschieden wir uns. Es fällt schwer, daran zu glauben, dass es wirklich anders werden könnte 2021. Heute Abend war außer dem unsrigen nur noch ein weiterer Tisch mit 2 Personen besetzt.
Trotzdem scheint es neben steigenden COVID-19 Zahlen eine weitere Welle mit neuen Touristen zu geben. Man sieht viele neue, oft junge Menschen durch den Ort flanieren.
Freitag, 09.10.20
Der letzte Urlaubstag. Und was für einer! Bestes Wetter. Sonnig und warm. Damit man nur ja nicht das Wiederkommen vergisst.
Ausnahmsweise geht es heut’ mal an den Strand 😎. Mächtig voll heute. Zufriedene Gesichter bei den Griechen. Wir belohnen uns mit der legendären Korfu-Eistüte. Beim Bezahlen gehen zwar Töchterchens 5 Ringe verloren ( waren in meiner Geldbörse), dank griechischer Unterstützung werden aber alle wiedergefunden. Glück gehabt.
Noch zwei Frappé (heute exzellent zubereitet), einen Cappuccino und einen Hamburger und das war’s. Bis zum nächsten Jahr!

Auch im Brouklis gut Betrieb. Dimitris führt mir stolz seine Solar-Anlage vor. Ein schneller Abschied nach einer kurzen Woche. Alles irgendwie anders dieses Jahr.
Zuhause steht Maria plötzlich vor der Tür, drückt mir ihr Handy in die Hand, damit ich mich von Tom verabschieden kann und nimmt uns dann alle unter Tränen in den Arm. Angela will uns morgen am Flughafen verabschieden.
Samstag, 10.10.20
Es geht nach Hause. Die Nacht war unruhig. Geschlafen habe ich kaum. 6:20 Uhr aufstehen. Das 1-kg-Marmeladenglas ist bereits tief im Dschungel der Schmutzwäsche verkeilt, mit dem Corfubeer-Glas wollen wir an der Sicherheitskontrolle ebenso mit offenen Karten spielen wie mit dem Wandelröschen im Topf. Pünktlich um sieben geht’s ein letztes Mal die Marterstrecke hinunter. Am ATM noch schnell Bares gezogen (falls doch noch für Übergepäck zu löhnen ist) und dann die steile Strecke hinauf nach Aspiotades.

Um acht sind wir am neuen, großzügigen Abfertigungsgebäude. Die mitreisende Tochter hat’s ohne Brechattacke auch gut überstanden. Giannis, der Autovermieter übernimmt und übergibt uns, wie abgesprochen, ein Päckchen für einen Freund in Deutschland. Inhalt: ein Trikot von AO Kerkyra. Noch mehr Gepäck 😩!
Check in: mehr Platz, mehr Counters, mehr Komfort, aber immer noch das gleiche Organisationschaos. Wir treffen Angela und verabschieden uns. Zu mehr als einer Umarmung reicht die Zeit aber nicht. Obwohl der Sicherheitscheck reibungslos und flott funktioniert. Insbesondere das Wandelröschen begeistert die Security. Eifrig wird gefachsimpelt, was das denn für ein Pflänzchen sei. Und wie toll, dass wir uns so für die heimische Flora begeistern können und ihr ein sicheres Plätzchen in Deutschland bieten wollen. (Den mir spontan in den Sinn kommenden kleinen Gecko lassen wir mal lieber unerwähnt.)
Hier am Flughafen ist Social Distancing ein Fremdwort. Alles steht, läuft, sitzt, isst, trinkt eng beieinander. Masken ja, aber oft unterhalb der Nase getragen oder in FFP3-Norm (ohne Schutzfunktion für andere). Der Gipfel: im Flieger sitzen eine Dame mit nach oben offenen, halbschalenförmigen Rotzfängern (sorry). Eine Holländerin! Ausgerechnet! Seit Monaten mit halbherzigen Schutzverordnungen auf Corona-Risikokurs und nun Hotspot mit tausenden Neuinfektionen pro Tag. Ohne vom Bordpersonal darauf angesprochen zu werden, treibt sie den Leichtsinn weiter, indem sie über zwei Stunden an einer Cola nuckelt, um die Maske ganz unten zu lassen. Übrigens genauso leichtsinnig sind die Briten. Kaum einer, den man auf Korfu mit Maske gesehen hätte. Mir unbegreiflich!
Die Maschine aus Düsseldorf landet pünktlich und der erste Aussteigende ist noch nicht die Gangway runter (kein Witz!), da wird am Gate schon zum Boarding aufgerufen. Dass im Flieger in diesem kurzen Wechselzeitraum etwas gründlich desinfiziert worden sein soll, ist für mich völlig undenkbar.
Das Wandelröschen führen wir jetzt in einer Tüte des Duty-Free-Shops, sozusagen undercover, mit uns. So ein Duty-Free-Einkauf -den es, nebenbei bemerkt, innerhalb Europas eigentlich ja gar nicht mehr gibt- darf bei LaudaMotion (im Auftrag von RyanAir unterwegs) nämlich zusätzlich zum Mini-Handgepäck mit an Bord (nur die mitreisende Tochter darf im Priority-Tarif ein 10-Kilo-Gepäckstück und eine Handtasche und einen Duty-free-Beutel mit sich führen).

Viele Plätze bleiben leer. Selbst in den Reihen mit mehr Beinfreiheit sind vier von zwölfen unbesetzt. Kleines Highlight während eines ansonsten ruhigen Fluges: kaum, dass wir Reiseflughöhe erreichen, ertönt aus der Tasche vor Madame ein lautes „Plopp“. Pistole mit Schalldämpfer? Weit gefehlt: Der Deckel des Ipalat-Döschen ist buchstäblich in die Luft gegangen.
Auf die Minute touchdown in Düsseldorf. Der Abfertigungsbereich „B“ ist wegen Corona ab Mittag außer Betrieb. Alle Läden dicht. Gruselig.
Draußen wartet der Chauffeur mit dem neuen Auto. Kein Hyundai!
Eine Woche auf Korfu sind vorbei. Eine Woche voll gemischter Gefühle. Wiedersehensfreude, Anspannung, Erholung, Abschalten. Unter‘m Strich hat es sich gelohnt und wahrscheinlich werden wir uns auf Ferien dieser Art einstellen müssen.
Und das Marmeladenglas hat auch überlebt.
