Korfu 2019

Montag, 27.05.19

Einen Tag nach der Europawahl (die Grünen sind der große Gewinner) und zwei Tage nach dem deutschen Pokalfinale (die Bayern haben Leipzig 3:0 geschlagen) starten wir in den Korfu-Urlaub 2019.

Noch immer sind die Erfahrungen aus dem missglückten Start 2018 in bester Erinnerung. Übrigens hat es Monate gedauert bis die Fluggesellschaft (TUI Fly) sich dazu herabgelassen hat, die uns zustehende Entschädigung anzuerkennen und auszuzahlen. Von Kundenfreundlichkeit keine Spur! Eigentlich ein Skandal.

Diesmal haben wir bei Condor (morgens ab Düsseldorf) und für die nun doch mitreisende Tochter RyanAir (Nachmittags ab Köln) gebucht.

Um 3:45 Uhr geht es los. Am Düsseldorfer Flughafen schon das reinste Chaos. Etliche Clubs und Clübchen sorgen mit bierseligem Gegröle und den neusten Mallorca-Hits aus dem Ghettoblaster für Ballermann-Feeling.

Aber es geht zügig voran und sogar an der Sicherheitskontrolle gibt es keinen Stau.

Auch bei Condor ist das Fliegen für einen Zweimetermenschen keine vergnügungssteuerpflichtige Veranstaltung. Eingespannt wie in einem Schraubstock schmerzen bald alle Glieder.

In der Sitzreihe vor mir: Mami, Papi und Maxim (5). Letzterer hyperaktiv, bei Langeweile mit Tendenz zum laut werden und weit werfen. In ständiger Gefahr, auszurasten und der Maschine verwiesen zu werden.

Mami tiefenentspannt. Weil:

Papi hat offenbar bei „Schnick, Schnack, Schnuck“ verloren und ist nun in der Pflicht, den Sohnemann während des Flugs zu beschäftigen. Ununterbrochen redet er in einer Lautstärke auf ihn ein, dass der halbe Flieger von seinen wertvollen Informationen zur zivilen Luftfahrt profitiert.

Die spektakuläre Landung auf Korfu kommentiert er im Stil der Endspiel-Reportage von 1954. „Der Pilot müsste landen, der Pilot landet! Unten, unten, unten, Deutschland ist unten!“

Kurz vor dem Aussteigen blicken sich Mami und Papi noch erwartungsfroh tief in die Augen. „Das wird ein wundervoller Urlaub!“. Vermutlich wollen sie den Kleinen auf der Insel aussetzen.

Flughafen Korfu. (Wir haben übrigens fast eine Acht beschrieben, um in den Landeanflug über die Stadt zu gelangen.) Es dauert einige Zeit, bis ich mich aus meiner Sitzposition herausgequält habe und die arthritischen Kniegelenke wieder -wie vorgesehen- die Funktionalität von Ober- und Unterschenkel ermöglichen.

Seit der Krise ist der Flughafen in deutscher Verantwortung. Neuer Check-In-Bereich, neue Kofferbänder, und noch einiges mehr „under construction“.

Mietauto von Corfu Top Cars in Empfang genommen, Lidl heimgesucht (Stromausfall am Vortag: Kühltheken leer, Laden unklimatisiert) und dann nach Kanoni am Ende der Start- und Landebahn zum Frühstücken. Spektakulär der Blick auf die über die Köpfe der Gäste startenden Jets. Man glaubt fast, auf dem Kaffee einen Kerosinfilm zu erkennen.

Zum Haus, die griechischen Gastgeber herzen, auspacken, einrichten, ein Stündchen relaxen und wieder zum Airport, die nun doch mitreisende Tochter abholen. Auch sie fast pünktlich, obwohl ihre Maschine einen zweiten Landeversuch brauchte.

Abends ins „Brouklis“ in Arillas zu Dimitris. Der ist immer noch völlig aus dem Häuschen, dass sich mittlerweile die ganze Familie übers Jahr verteilt bei ihm tummelt.

Zum Teil stehen die Tische noch drinnen. Zu unbeständig, das Wetter. Die Vorspeisenplatte und Pastitsio. Foto per Whatsapp in die Heimat. Bisschen Neid erzeugen.

In einer Ecke tagt der Gemeinderat. Arillas hat als eine der ersten Orte ein neues Abfall-System eingeführt. Statt Müllcontainer an jeder zweiten Straßenecke (für jeden zugänglich) wird Wertstoffmüll zum Trennen und späteren Recyclen zu einem Wertstoffhof gebracht. Problem: die öffentliche Müllabfuhr schafft es nicht, feste Termine für die Abfuhr des Restmülls einzuhalten.

Jetzt klappern Rumänen die Häuser ab und bieten an, den Müll gegen Cash zu entsorgen. Wo der dann landet, ist unschwer zu vermuten.

Da es am Sonntag auf Korfu neben Europa- auch Kommunalwahlen gab, wird der Bürgermeister in Arillas ab Oktober übrigens ein neuer sein.

Und dann das noch: obwohl gut versteckt, hat doch noch jemand zuhause ein Rommé-Spiel gefunden und mitgenommen. Muss ich halt gewinnen.

Was soll ich sagen? Mission erfüllt!

*Alle Flug-Infos auf dieser Seite von Flightradar24


Dienstag, 28.05.19

Der Morgen beginnt stürmisch, bewölkt und frisch. Drei verschiedene Wetter-Apps liefern drei verschiedene Vorhersagen. Eine wird als besonders misslungen bewertet. Bis sich herausstellt, dass die sich auf eine ältere Suche und damit auf Berlin bezieht.

Angela zeigt uns die Fotos von der Taufe ihres Jungen am 4. Mai und weiht uns die Rituale der griechisch-orthodoxen Kirche ein. Einige nähere Infos dazu gibt es hier.

Nach mehr als 1.000 Fotos, Frappé und eingelegten Pomeranzen kommen wir auf das Thema Kirchensteuer in Deutschland. Angela ist völlig fassungslos, dass es so etwas gibt. Und als Katholik fällt es einem auch reichlich schwer, dies zu erklären und vor allem zu rechtfertigen.

Es stürmt zwar immer noch und Wolken jagen über den Himmel, aber es geht dann doch in Richtung Strand. Einige Furchtlose lassen sich vom Wind den nackten Körper mit Sandkörnern panieren oder gehen sogar ins Wasser, aber nach Sommer-Vergnügen sieht das eher nicht aus. Also wieder ins Auto und spontan zum Akrotiri-Café . Die liegt hoch auf dem Bergkamm zwischen Arillas und Agios Stefanos und wird von einem Neffen Dimitris‘ geführt. Vor allem zum Sonnenuntergang gibt es in der stylischer Lounge kaum freie Plätze. Jetzt aber ist es leer und im Windschatten schmeckt ein Snack auch am Nachmittag ganz gut. Die Aussicht von hier oben ist einfach phänomenal.

Agios Stefanos heißt das nächste Ziel.

Einkäufe, Wiedersehensfreude und -umarmungen. Nichts, was der Grieche/die Griechin lieber verteilen würde als „hugs“. Und auch das gibt’s nur in Griechenland: Du gehst mit einem wirklich chicen, top verarbeiteten Portemonnaie zur Kasse und die herzliche Griechin zeigt Dir einen Karton voll mit Stickern von Prada, Gucci, Puma, … und fragt, welchen Hersteller Du denn gerne an dem Portemonnaie befestigt hättest. Dass es „blanko“ bleiben soll, will die Herzliche kaum glauben.

Auf dem Spaziergang durch Stefanos immer wieder die in diesen Tagen am häufigsten ausgesprochenen Worte: „Ist das neu? War das im letzten Jahr auch schon da?“

In der Tat, wieder einmal gibt es viele Veränderungen. Viel Leerstand, einige wenige Neueröffnungen und ganz auffällig: wenig Touristen. Der Strand ist fast komplett leer. Drei Kilometer nix als Sand. Wundervoll! Selbst der Wassersportanbieter hat seine Zelte noch nicht aufgeschlagen. Vielleicht hängt das mit den Ferienzeiten in Deutschland (Bayern und BaWü beginnen nach Pfingsten mit zwei Wochen) und England zusammen.

Abends trotz Wind nach Afionas ins exponiert gelegene „Panorama„.

Greek bruschetta, Lammschulter und White Chocolate Mousse. Was will man mehr?

Anschließend gibt es das gewohnte abendliche Rommé-Armageddon.


Mittwoch, 29.05.19

Wolken, Sturm und frische Temperaturen.

Es geht nach Korfu-Stadt. Offenbar stauen sich die Wolken an der Westseite! Hier im Osten der Insel ist es jedenfalls sonnig und warm. Im Hafen zwei riesige Kreuzfahrtschiffe. Aber trotz Massen von leicht identifizierbaren überwiegend französischer und amerikanischer Passagiere, „knubbelt“ es sich kaum in den schmalen Gassen.

Aus dem gigantischen Angebot von bedruckten T-Shirts mit zum Teil wirklich originellen Sprüchen und Motiven („Drei gute Gründe, auf Lehramt zu studieren? Juni, Juli, August!“) wähle ich in Erinnerung an alte Zeiten ein Pink -Floyd-Signet aus. Es wird frisch im Laden auf das schwarze Shirt aufgebracht.

Korfus Altstadt im venezianischen Stil mit den engen Gassen, über die hier und da Leinen mit mehr oder weniger frisch gewaschener Wäsche gespannt sind, lädt zum permanenten Knipsen ein. Obwohl ich sicher schon hunderte Fotos davon habe, gibt es immer wieder neues zu entdecken.

Neu zu entdecken ist auch ein Eisladen mit dem Namen „Hans & Gretel“. Aber was heißt hier Eisladen? Es ist ein Wirklichkeit gewordener Traum in süß! Liebevoll dekoriert, bunt, schrill, originell. Eis, Waffeln, Soßen, Drinks, Marshmallows, Streusel, …. alles nach Lust und Laune kombinierbar. Was wir dann auch tun. Unsere Kreation dürfte so um die 2.000 Kalorien haben und schmeckt teuflisch gut.

Danach gönnen wir uns eine Pause bei Frappé und Cappuccino in einem kleinen Kafenion gleich hinter San Giacomo.

Zum ersten Mal auf der Tour: der britische Friedhof. Eine schattige Oase der Ruhe inmitten der Stadt. Angelegt im Jahre 1817, als die Engländer Korfu besetzt hatten. Immer noch – und Gott sei Dank – ein echter Geheimtipp. Wenn man durch die kleine in die lange Friedhofsmauer eingelassene Pforte eintritt, schrillt der hohe Ton eines Glöckchens über den Park und kündigt den Gast an.

Gleich dahinter sitzt der 90jährige George vor seinem Haus, in dem er geboren wurde und wohl auch sterben wird. Er wurde durch viele Reiseberichte als Friedhofsgärtner bekannt.

Noch immer finden auf dem britischen Friedhof Beerdigungen vornehmlich ausländischer Bewohner/innen der Insel statt. Im dichten Grün zwischen den Gräbern gedeihen zahlreiche Orchideenarten. Auch die Gräber ertrunkener deutscher Matrosen findet man. Besonders beeindruckend: eine Gedenkstätte für mehr als 30 Seeleute (junge Burschen in den 20ern) deren Schiffe 1946 auf albanische Minen liefen. Davor, frisch drapiert, Briefe von Kindern der damals Getöteten.

Bevor es zu melancholisch wird, geht es wieder raus in den Trubel des modernen Tourismus. Allerdings trubelt es jetzt, am späten Nachmittag (das größere der beiden Kreuzfahrtschiffe ist auch schon weg) weitaus weniger als noch vor einigen Stunden.

Wir schlendern über das Kricket-Feld und am Liston vorbei zum Faliraki-Strand. Verborgen, direkt unterhalb einer der meist befahrenen Straßen Korfus, liegen hier ein Restaurant und die Imabari Seaside Lounge Bar, eine stylische Beachbar vom Allerfeinsten. Blöd nur, dass sie schon in zwanzigU Minuten, um 18:15 Uhr schließt. Wir genießen es trotzdem noch, hier direkt am unglaublich klaren, blauen Wasser zu sitzen.

Ziemlich erschöpft geht’s heimwärts, wo tatsächlich immer noch mieses Wetter herrscht. Abends rauf nach Porto Timoni, wo sich dann doch noch der Himmel auftut.

Nach Vorspeise, gefüllten Kalamari, Tagliatelle mit Shrimps und Käsekuchen sind wir vollends abgefüllt. Zur Rechnung gibt es dann noch kostenlose Nachhilfe in Griechisch vom Gastgeber. Ton logariasmó parakaló“ (τον λογαριασμό παρακαλώ!  – die Rechnung bitte!) oder „Boro na pliróso, parakaló?“ (μπορώ να πληρώσω παρακαλώνα; – kann ich zahlen, bitte?)

Den Kommentar zur Rommé-Runde erspare ich mir heute.


Donnerstag, 30.05.19

Christi Himmelfahrt. Vatertag! Auf Korfu allerdings erst am 6. Juni.

Mutig geht’s zu Strand.

Viel Wind, kaum Sonne.

Kontinuierliche Gänsehaut.

Wenn es nicht so interessant wäre, die heute zum ersten Mal am Strand auffallenden „Honigtal“-Alternativ-Touristen zu beobachten, wären wir schon vor dem Kassieren weg gewesen.

10,00 € für drei Liegen und einen Sonnenschirm.

Dann kommt auch noch Regen auf.

Deprimierend! Da hilft auch kein Frappé in der Strandbar.

Kaum dass wir auf dem unseren Balkon sitzen, reißt es auf.

Es geht doch!

Zum Abendessen geht’s nach Kokkinos in die Taverna „Mon Amour“. Auf dem Weg dorthin statten wir dem Schmuckladen „Ilios“ in der letzten Kurve vor unserem Strand einen Besuch ab. Dort gibt es Schmuck zu kaufen und Kurse zum Selbermachen zu buchen.

Ein von Deutschen geführtes Unternehmen, sehr schönes Ambiente! Toller Schmuck. Aber die Preise sind auch nicht ohne.

Originell die Idee, aus kleinen Dingen wie Olivenkernen, Mini-Krebsen oder -Muscheln Anhänger zu kreieren.

Absolut empfehlenswert: Die Appartements im selben Haus hier direkt am Strand.

In der Taverna werden wir vom Wirt und seinen erwachsenen Söhnen herzlich empfangen. Die sonst offene Terrasse ist noch regengeschützt verschlossen und alles wirkt irgendwie düster.

Getränke, Bauernsalat, Tarama, Tsatsiki, Pita-Brot, Saganaki, Brot, Lammbraten, mit Souflaki-Fleisch gefülltes Pita-Brot: alles zusammen für 36,00 €. Und dann gibt es noch eine Obstauswahl und einen großen Schnaps auf’s Haus.

Bezüglich der griechischen Bezeichnungen gibt es dabei allerdings ein Missverständnis, sodass für die Damen -der Autor hatte für sich Ouzo bestellt- Tsipouro serviert wird. Schmeckt ähnlich wie Grappa, nur noch eine Spur schärfer.

Naja: was weg muss, muss weg. Also opfert man sich als Mann.

Wir sind satt bis obenhin. Der Obstteller droht stehenzubleiben. Kurzentschlossen packt Madame die Kirschen in die Handtasche. Auf den berechtigten Einwand der spät entschlossenen Tochter, dass das Personal sich wundern könnte, wenn keine Kerne zurückblieben, antwortet sie, dass die Griechen ruhig denken sollten, die Deutschen würden sie mitessen.

Im griechischen Fernsehen prophezeit der Wetterbericht parallel zum Essen wieder Regen für morgen. Ganz im Gegensatz zu allen anderen, wohl eher touristisch interessierten Griechen in Läden, Restaurants oder am Strand.

Die Rommé-Runde verläuft ausgeglichen. Den Damen ist irgendwie der Killer-Instinkt abhanden gekommen.


Freitag, 31.05.19

Unbeantwortet ist noch die Frage, was aus der mafiösen Baustelle geworden ist. Der geneigte Leser mag sich an die Blog-Einträge 2018 erinnern.

Nun, die Hotelanlage und der Appartement sind (fast) fertig. Die damals fast völlig zerstörte Zufahrtsstraße zu unserem Haus ist wiederhergestellt. Was auch immer man in Griechenland und Albanien darunter verstehen mag. Man hat ganz einfach Unmengen von Beton den Berg hinunter in die Löcher fließen lassen. Hier und da ragt auch ‚mal ein Rohr heraus und unter einem besonders „herausragenden“ Betonpfropfen vermuten wir eine tote Katze oder ähnliches.

Überhaupt scheint Beton den Asphalt im griechischen Straßenbau abzulösen. Vor uns stoppte am Montag ein Betonmischer, der Fahrer ging nach hinten an den Trichter, wo die Masse üblicherweise die Trommel verlässt, nahm mit beiden Händen eine XL-Portion Betonbrei ab und verteilte ihn in ein Schlagloch hinterm Lkw. Kurz mit den Händen glatt gezogen und weiter gefahren. Mit viel Glück ist der Beton hart bevor das erste Fahrzeug drüber fährt.

Gestern mussten vier Zu- und Abflüsse aus PVC von der einen in die andere Anlage quer über die Straße geführt werden: Fahrbahn 10 cm aufstemmen. Rohre rein, Beton drüber (in dieser Phase wir mit dem Auto drüber) und fertig.

Da würde auch Kühlwalda*, die mir immer freundlich zublinzelt, wenn ich Brot hole, nur mit dem Kopf schütteln, wenn sie es denn noch könnte.

Nach vier Tagen zum ersten Mal „so richtig“ am Strand.

Nach dem gestrigen trüben Tag zieht’s jetzt alle nach draußen.

Der Strandliegenoberaufseher und der ständig zwischen Strand und Poolbar pendelnde Typ vom ambulanten Beimirkannstduallesbestellen-Service weigern sich beharrlich, auf unser Touri-Griechisch zu reagieren. So radebrechen wir uns in Englisch durch den Tag. Zur Realsatire wird’s, als eine Deutsche ein Radler mit mehr Limo als Bier bestellen will.

Am Ende stellt sich heraus, dass die beiden Strandtypen aus Albanien kommen. Was sagt man denn dazu?

Nach stundenlanger Unentschlossenheit treffen wir die Entscheidung, in der Taverne „Nausika“ zu essen. Eine gute Wahl!

Der etwas schrullige und ständig verschmitzt lächelnde Chef ist ebenso authentisch wie sein Essen. Die Karte ist nebensächlich. Wer seinen Empfehlungen folgt, tut gut daran. Wir bekommen aufgetischt: griechischen Salat, die vorgeblich ersten Sardinen des Jahres, Tsatsiki, Eselswurst mit Gemüse, Schafskäse mit Paprika, die letzten drei Zucchini-Bällchen, danach noch frittierte Kalamari und -damit die gut rutschen- selbst angebauten Knoblauch und selbst gebrannten Ouzo (beides ultrascharf!)

Was soll man sagen? Es schmeckt toll!

Und die Mücken werden heute mein Bett im großen Bogen umfliegen.


Samstag, 01.06.19

Es scheint ein sonniger Tag zu werden. Und wir haben gleich zwei Termine.

Zunächst sind wir mit Nikos zum Kaffee in Agios Stefanos verabredet. Bei ihm und seiner Familie hat die spät entschlossene Tochter während ihrer Weltreise das Weihnachtsfest 2018 in Australien verbracht. Er ist Grieche und stattet seiner Heimat bis Juli einen Besuch ab.

Er arbeitet im Tsaros, einer Appartementanlage mit traumhaftem Blick auf die Bucht. Es gibt eine Menge zu erzählen. Seine beiden Kinder sind auch hier, während seine Frau in Australien ist. Früher führten beide das „Ozzy-Oil“, ein wirklich gutes Restaurant im Ort, in dem Nikos als Koch Elemente der griechischen und der australischen Küche miteinander verband.

Anschließend wird getankt. Für 1,85 € / Liter. Das ist heftig. In Deutschland kostet der Liter aktuell ca. 1,48 €.

Gleich weiter zum Strand. Tote Hose und traumhaftes Wetter.

Für 16:00 Uhr haben uns unsere Gastgeber zum traditionellen Familienessen eingeladen. Maria hat wieder mächtig aufgefahren: Salat, Pastitsada, Kotelett, Feta, Salami, Käse, Blätterteigtaschen mit Spinat und natürlich das süßeste Dessert Korfus. Dazu selbst gekelterten, vier Jahre gereiften Rotwein.

Es ist ein gelungener Nachmittag. An der Tafelrunde herrscht ein lebhaftes Palaver aus Griechisch, Deutsch und Englisch. Die Chemie zwischen allen stimmt einfach. Und allen zusammen viel Freude bereitet vor allem Marias Enkel, der neue Sonnenschein in der Villa Panorama.

Satt und platt und ohne Rommé lassen wir den Tag ausklingen.

Der FC Liverpool schlägt Tottenham mit 2:0 im Finale der Championsleague.

Und in der Heimat klettern die Temperaturen an diesem Wochenende auf bis zu 32 Grad. Hier waren es heute 25.


Sonntag, 02.06.19

Nach einer spätabendlichen Bestandsaufnahme mit der Junior-Chefin und einem Crash-Kurs in Facebook, Instagram und Co. entwickelt die spät entschlossene Tochter bereits Strategien, um für „unser“ Haus über die sozialen Medien höhere Buchungszahlen zu generieren. Einige wenige Portale haben den Markt offenbar ebenso fest im Griff wie die bei ihnen registrierten Hausbesitzer.

In einem solchen Portal findet man übrigens jetzt auch das „Porto Demo Boutique-Hotel“, die linke Hälfte der fertiggestellten mafiösen Baumaßnahme.

Der Knaller zum Frühstück: nach dem desaströsen Abschneiden der SPD bei der Europawahl, dem Rückfall auf Platz 3 im Parteienranking und der harschen Kritik an ihr in den letzten Tagen ist Andrea Nahles als Fraktions- und Parteivorsitzende zurückgetreten.

Am Strand pfeift es wieder ordentlich und wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt, ist es echt frisch. Es ist kaum etwas los. Man merkt gut, dass in Deutschland, UK und in Griechenland selbst noch keine Schulferien sind.

Auffällig die vielen jungen Familien mit ihren Winzlingen.

Die Tatsache, dass wir zu dritt nur eine halbe Dose Cola, einen Apfel und zwei Frappé zum Ausgleich unseres Flüssigkeitshaushaltes zu uns nehmen, mag Zeichen genug für die eher bescheidenen Temperaturen sein.

Wobei der Frappé auch noch von minderer Qualität ist. Der Wasseranteil ist überproportional hoch.

Am späten Nachmittag setzt sich die Sonne wieder durch. Das Wasser in der Bucht glitzert in der Sonne und auf dem Balkon ist es herrlich warm.

Der spät entschlossenen Tochter zuliebe geht es an ihrem letzten Abend ins Brouklis. Es herrscht eine urgemütliche Tavernenatmosphäre. Weshalb auch immer. Wir ergötzen uns an Zucchini-Bällchen, Dolmadakia, Oliven, Tsatsiki, Sardinen, Gigantes und Lammbraten. Dazu Rotwein und zum Nachtisch Käsekuchen und Orange-Pie.

Dazwischen philosophieren wir mit Dimitris über Politik und Politiker.

Ein warmherziger Abend am Ende eines unterkühlten Tages.

Keine Konsequenzen werden im übrigen daraus erwartet, dass in Venedig heute ein Riesenkreuzfahrtschiff den Pier und ein Touristenboot gerammt und dass gestern in Virginia wieder einmal ein Irrer 12 Menschen erschossen hat.


Montag, 03.06.19

Grau in Grau präsentiert sich der Morgen. Immer wieder fällt etwas Regen. Erstes Fazit in diesem Urlaub: eine Jacke und mehr „warmes“ Zeug wären nicht schlecht gewesen.

An der Bushaltestelle Richtung Korfu-Stadt stehen gut 30 Leute. Das dürfte heute eng werden. Im Bus und in der Stadt.

Auf dem Rückweg vom Supermarkt raschelt es neben der Straße im Gestrüpp. Gerade erhasche ich noch den Blick auf den Rücken einer gut Fahrradschlauch-dicken Schlange. Es könnte aber auch ein Scheltopusik gewesen sein. Das ist eine Echsenart und wird oft mit Schlangen verwechselt.

Die gestern neu Angekommenen, die hier die drei anderen Wohnungen belegen und am Donnerstag eine Hochzeit feiern wollen, sind kaum wahrnehmbar.

Panos hat gestern noch einen Zaun zum Tal hin errichtet, damit mögliche Eskapaden des Sohnemanns ohne Folgen bleiben. Obwohl Maria und Thomas eigentlich immer einen Blick auf ihn haben.

In Deutschland gab es am Morgen schwere Gewitter. Wieder mal hat es mit hoher Treffsicherheit die Bahn getroffen. Entlang der Ruhrgebietsstrecke sind wohl etliche elektronischen Bauteile verschmort, die nun ersetzt werden müssen. Die Folge: Chaos im Pott.

Bin ich froh, heute nicht reisen zu müssen.

Apropos: die spät entschlossene Tochter tritt heute Abend die Heimreise an. Ab Mittwoch steht für sie „Rock am Ring“ auf dem Plan (wenn sie denn die Tickets findet, von denen niemand weiß, wo sie abgeblieben sind).

Für sie besonders schade, dass es nicht mehr Sonne heute und an den letzten Tagen gab. Auf der Westseite, dort wo wir wohnen, ist das Wetter noch relativ unspektakulär. Aber sobald wir den Troupetas, der Pass über den man von West nach Ost wechselt, passiert haben, gibt es Nebel, Dunst und Dauerregen. Die Straßen sind unangenehm glatt und die Reifen vieler Verkehrsteilnehmer ohne Grip.

Wir nehmen am Hafen noch einen kleinen Happen zu uns und hören uns das Klagelied des Obers zur Wettersituation und den ausbleibenden Touristen an. Dann geht’s zum Airport. Nur mit Handgepäck unterwegs, ist die spät entschlossene Tochter flott durch die Kontrolle. Der Flieger von Ryanair kommt mit 30 Minuten Verspätung an und startet wieder mit 90 Minuten. Um 23:05 landet er in Köln.

Gleich neben dem Flughafen kaufen wir in einer Gärtnerei noch ein Wandelröschen (Lantana) in gelb/lila. Gibt es zwar auch in Deutschland, aber nicht in griechisch 🤔.

Zurück durch Regen und Wolken auf die sonnige Seite der Insel. Beim Plausch mit Angela hoppelt ein ausgewachsener Marder gleich neben uns durchs hohe Gras.

Gegessen wird im Delfini. Die Vorspeise (überbackene Champignons mit Speck dazwischen) ist einfach genial. Danach gegrillter Tintenfisch und Shrimps. Auch im Delfini ist so gut wie gar nichts los. Und es ist ungemütlich kalt.

Beim Rommé teilt Madame erst gewohnheitsmäßig für drei aus, um dann im allerletzten Spiel doch noch zu verlieren.


Dienstag, 04.06.19

„Da sind’se!“

Das waren wohl die Worte des Tages. Doch dazu später.

Zunächst einmal zum Wetter: die griechische Vorhersage für Korfu (bewölkt, regnerisch, nachmittags Gewitter) wird wohl hier an der Nord-West-Küste nicht anerkannt. Es herrscht eitel Sonnenschein. Die bedrohlich schwarzen Wolken werfen ihre Schatten nur Richtung Inselmitte und Ostküste.

Doch zurück zur Überschrift. Die spät entschlossene Tochter hat gestern unmittelbar nach ihrer Ankunft damit begonnen, die verschollenen Tickets für das Festival „Rock am Ring“ zu suchen. Bis heute Morgen um elf ohne Erfolg. Die aufsteigende Panik dehnte sich über WhatsApp bis auf die smaragdgrüne Insel im ionischen Meer aus.

Alle Schubladen waren durchsucht, alle Teppiche angehoben, alle Mülltonnen durchwühlt, alle infrage kommenden Aktenordner durchgeblättert, unter allen Möbeln nachgeschaut worden: Nichts! Nada! Niente!

Morgen, am Mittwoch, um 06:00 Uhr sollte es losgehen. Die Lage schien hoffnungslos. Die Katastrophe unausweichlich. Alternativen: Keine!

Bis der ungekrönte Rommé-König auf den Plan trat. Ein Anruf. Ein Hinweis. Und am anderen Ende der Leitung ein erleichtertes „Da sind’se!“

Der Fund löste -dies sei nicht verschwiegen- natürlich auch in Griechenland Erleichterung und Begeisterung aus. Die Börsenkurse schossen in die Höhe, wildfremde Menschen lagen sich weinend in den Armen, es kam zu spontanen Arbeitsniederlegungen, vor dem Parlament wurde demonstriert und immer wieder stimmte die Menge „Jag älskar Sverige!“ von den Ärzten an. Was in der griechischen Übersetzung („Αγαπώ τη Σουηδία /Agapó ti Souidía“) -zugegeben- etwas unrhytmisch klingt.

Schon im Kindesalter bei der Ostereier-Suche war die spät entschlossene Tochter eine absolute Niete (sorry). Und manche Dinge ändern sich halt nie.


Da sich die Wetterentwicklung nicht ganz eindeutig darstellt, wird umgestellt von „Sonnen“ auf „Wandern“. Was Madame dazu veranlasst, den Sonnenschutz heute lediglich mit Melkfett sicherzustellen.

Plötzlich und zunächst fast ungewollt führt der Weg Richtung „Fisherman’s Cabin“, eine der ältesten und urigsten Tavernen abseits von Agios Georgios. Eine Stunde Fußweg unter uralten Oliven- und Maulbeerbäumen. Immer wieder wird der Blick auf das türkisblaue, kristallklare Meer freigegeben. Die Taverne selbst, direkt am Wasser gelegen, hat offenbar eine Auffrischung bekommen. Neue Möbel, neue Farben. Immer noch wie früher: der frisch gefangene Fisch, die variable Speisekarte, der knurrige Wirt und die unglaublich authentische Atmosphäre.

Hier gibt’s weder Mobilfunk-Empfang noch Internet und der Strom kommt aus einem Dieselgenerator.

Für den kleinen Hunger wird ein kleiner Tintenfisch bestellt. Eigentlich hatte ich ja die frittierten Dinger im Kopf. Stattdessen:

Das Team im Delfini möge mir verzeihen. Aber im Gegensatz zu gestern Abend ist das hier geschmacklich ein Quantensprung. Die Soße zum Fisch: zum Niederknien.

Am Schluss spendiert der Knurrige in der Küche noch einen Limoncello und gibt die Zutaten zur Soße preis.

Den Rückweg versüßen Maulbeeren direkt vom Baum, Eis aus der Truhe und Frappé in der Vales-Strandbar.

Auf den letzten steilen Metern hoch zum Haus kommt der Gedanke auf, ob die ganzen, meist laut und unfreundlich auftretenden Russen in Wirklichkeit vielleicht laut und unfreundlich auftretende Tschechen sind. Flüge nach Moskau oder Minsk scheint es nämlich keine zu geben, sehr wohl aber welche nach Prag und Ostrava.

Die Operation Melkfett hat dann bei Madame auch zum erwarteten Resultat geführt: Streifenmuster in allen Rot-Tönen.

Maria hat uns γεμιστές πιπεριές (gemistes piperies), gefüllte Paprika auf die Küchentheke gestellt. Vier (!) Stück, jede so groß wie ein Babykopf. Wir scheinen wirklich unterernährt auszusehen.

Dann nach Agios Stefanos ins „Olympia“. Überbackenes Huhn, Lamm „Stamna“, Cheese Pie, Chocolate Cake. Himmlisch!

Kommentar der Kellnerin, als sie die Dessertkarte auf den Tisch legt: „Our desserts. But we are limited.“ Und zählt die drei Dinge auf, die sie noch haben.

Zum Abschluss eines gelungenen Tages ein gelungener Rommé-Abend.


Mittwoch, 05.06.19

Das hört sich zwar gut an, aber es bläst fast ununterbrochen ein Wind der Stärke 4. Und das wirft das Temperaturempfinden locker um 5 Grad zurück.

Der gestrige Abend hat NRW und meinem Heimatdorf schwere Unwetter beschert. Es wird von Tornados und Windhosen berichtet. Die spät entschlossene Tochter macht sich mit ihrer Clique heute um 6:00 Uhr auf in Richtung Nürburgring, wo übermorgen (!) das Festival beginnt. Man will halt einen guten Zeltplatz erwischen, der allen logistischen Erfordernissen genügt (Bier holen und so).

Die Musik im Hof der Villa Panorama ist eher folkloristisch. Die für das große Ereignis am Donnerstag eingeflogene Hochzeitsgesellschaft probt geschlossen den via IPhone eingespielten Sirtaki. Das sieht nicht nur recht albern aus, so mancher der Teilnehmenden fühlt sich offenbar auch so. Soweit das vom Balkon erkennbar ist.

Allen Winden zum Trotz geht’s an den Strand. Heute gibt es erstmals eine Quittung für Schirm ⛱ und Sonnenliegen.

Etliche Buchseiten später -der böig kühle Wind hat inzwischen Wolken vor die Sonne geblasen- schlendern wir zur Taverna Vales, wo es den besten Frappé am gesamten Strand gibt. Leider gibt es dafür die leckeren frittierten Tintenfischringe nicht mehr. Weil’s so süß übersetzt ist, entscheide ich mich für die Nummer 25:

War jetzt nicht sooo das kulinarische Highlight.

Als besonderes Ereignis bleibt festzuhalten, dass heute ein Auto der Müllabfuhr erscheint und die immer noch vorhandenen Schandflecke -z.B. direkt an der Hauptstraße gegenüber der Kirche von Agios Georgios- zumindest vorübergehend beseitigt. Das Umdenken bezüglich der Müllproblematik fällt den Griechen unsagbar schwer. Erst wenn es weh tut, weil wegen des Drecks und des Gestanks keine Touristen mehr kommen, wird vielleicht auch der Grieche wach (sorry, das musste mal raus).

Im „Nausikos“ rattert Arsenis wieder seine Empfehlungen für die Vorspeisen runter. Man hat den Eindruck, dass es vollkommen egal ist, ob man seinen Vorschlägen zustimmt oder nicht: er komponiert das Ganze ohnehin nach eigenem Gutdünken. Und das wird dann aufgefahren:

Jede einzelne Kreation: lecker! Danach ist man gesättigt. Und wenn Arsenis dann auch noch seine Hauptspeisen anpreist, fällt es schwer, seine Vorschläge zurückzuweisen.

Über dem Bergrücken von Afionas steht der Mond als schmale Sichel.

Kaum, dass wir auf dem Balkon sitzen, fällt in der gesamten Bucht der Strom aus. Nur noch der Mond und ein Sternenmeer über uns. Unheimlich fast. Nach fünf Minuten gehen alle Lichter wieder an. Schade eigentlich.

Rommé: Sieg!


Donnerstag, 06.06.19

Heute mal ohne viele Worte:


Freitag, 07.06.19

Premiere: gestern feierten Gäste aus dem Haus ihre Hochzeit auf Korfu. Standesamt (wozu auch immer; schließlich waren beide Eheleute Deutsche) in Agros, Lunch in der Villa Panorama, Hochzeitszeremonie auf dem Bergrücken hinter Afionas und Fete im zur Bar umgestalteten, früheren Fischrestaurant „Akrogiali“.

Angela hatte sich mächtig ins Zeug gelegt, um die Tischdeko dem Anlass entsprechend zu gestalten und war entsprechend nervös. Am Ende schien aber alles gut gegangen zu sein.

Auch wir waren am Abend in Porto Timoni. Es hat sich viel getan. Das Terrain hat sich im Laufe der Jahre zu einer Pilgerstätte für Liebhaber von Sonnenuntergängen entwickelt. Die wirken von hier oben wirklich spektakulär. Mittlerweile hat man Bänke, Mäuerchen und ein Kreuz mit den Fahnen Korfus und Griechenlands errichtet. Und -geschäftstüchtig, wie der Grieche nun mal ist- darf natürlich auch eine provisorische Taverne nicht fehlen.

Im Ort selbst hat ein wunderschön gestalteter Shop mit Olivenholzprodukten (auch ausgefallenen) eröffnet. Da musste man einfach zuschlagen.

Nach der üppigen Vorspeisenplatte und Lamm-Koteletts im Restaurant „Porto Timoni“ gab es Magnum-Eis im Mini-Format zum Dessert.


Zum Frühstück strahlt schon wieder die Sonne. Brotreste der Vortage war der Autor an einem von ihm entdeckten Hühnerhof losgeworden. Die gestern geleerten Mülltonnen sind übrigens alle schon wieder voll. Präziser: quellen über.

Bei mehr als 20 Grad morgens um zehn gestaltet sich der Rückweg vom Supermarkt schon ordentlich schweißtreibend. Es scheint so, als würde es langsam Sommer werden.

Wie schon so oft festgestellt, ist offenbar der Mondwechsel für den Wetterwechsel verantwortlich.

Also folgerichtig: Strandtag! Und zum ersten Mal im Meer. Brrrr.

Auch zum ersten Mal: „Pillows on the sunbeds“. „With pillows: 10 Euros, without pillows: 8 Euros.“ Gilt immer für zwei Liegen und einen Sonnenschirm.

Mittags wird es leer am Strand. Offenbar treten viele die Heimreise an. Wir sind gespannt, wie es am Wochenende weitergeht. Da beginnen in Bayern und BaWü die zweiwöchigen Pfingstferien und für Samstag sind 21 Flüge aus Deutschland angekündigt.

Abends zum „Panorama„. Windstille, 23 Grad, ein Tisch auf der Terrasse hoch über dem Meer.

Kalamari als Vorspeise, danach Souflaki, Hähnchen und Schokokuchen.

καλή όρεξη!

Anschließend auf einen Absacker ins „Butterfly“ gleich vor der Haustür.

Caipirinha und Mojito an Kartoffelchips.

Tolles Ambiente, tolle Atmosphäre, aber leider nix los. Aber warum sollten sich die AI-Touristen aus der großen Hotelanlage auch hierher verirren.

Vom Balkon der Blick auf die tiefschwarze Bucht, von der ein Keil vom Licht der noch schmalen Mondsichel unnatürlich hell erleuchtet wird. Zum ersten Mal weben Zickaden ihren Klangteppich, auf dem sich das niemals endende sanfte Rauschen der auf die Küste treffenden Wellen niederlässt.

Und du denkst, dein Herz schwappt dir überFühlst dich vom Sentiment überschwemmtEs sind die einzigartigen Tausendstel-MomenteDas ist, was man Sekundenglück nennt*

*Herbert Grönemeyer, Sekundenglück © Kobalt Music Publishing Ltd

Samstag, 08.06.19

Gefühlte 31 Grad heute. Runter zum Supermarkt. Vorher die Hühner mit altem Brot beglücken. Ich kaufe neben frischem Brot noch zwei Liter Oliven-Öl für die „Kinder“ und Tomaten ein. „Du ernährst Dich wie ein Grieche“, bemerkt die mittlerweile zutrauliche Kassiererin im Supermarkt. „Ja“, bestätige ich, „Brot, Olivenöl, frisches Gemüse. Davon bin ich wohl auch fast zwei Meter groß geworden.“ Guckt sie mich an: „Und ich ess das schon mein Leben lang, aber zu mehr als 165 cm hat es bei mir nicht gereicht!“.

Nix los am Strand. Selbst freie Parkplätze gibt es im Überfluss.

Apropos Verkehr auf Korfu:

Grundsätzlich glaubt jeder Grieche, er sei der beste Autofahrer der Welt. Diesen Anspruch haben allerdings auch die Italiener und die Deutschen in ihren -in diesem Jahr ausschließlich weißen- Mietwagen. Für die Briten hingegen spielt Geschwindigkeit überhaupt keine Rolle. Sie sind krampfhaft damit beschäftigt, auf der richtigen Straßenseite zu fahren. Damit treffen auf den Straßen Korfus Welten aufeinander.

Und diese Straßen haben es in sich. In Korfu-Stadt meist zugeparkt. Im Rest der gebirgigen Insel verbinden sie, den Gegebenheiten der Landschaft folgend, wie schon seit Jahrhunderten die Ortschaften miteinander. Oft so eng, dass es manchmal weder vor noch zurück geht, wenn sich Fahrzeuge begegnen. Und doch gelingt es immer wieder, die Knoten aufzulösen. Und sei es, dass man in Einfahrten oder Vorgärten ausweicht. Grundsätzlich gilt: immer draufhalten. Wer bremst oder gar zurückweicht, hat verloren.

Mehr als drei Gänge braucht man hier eigentlich sowieso nicht. Denn viele Straßen sind marode. Durch Regenfälle unterspült oder einfach über die Jahre nicht instand gesetzt. Da muss der Wagen dann auch schon mal einige hundert Meter Schotterpiste oder Schlagloch-Slalom aushalten. Verschärft wird die Situation dadurch, dass auf den Sträßchen auch riesige Reisebusse und Lieferfahrzeuge unterwegs sind, die die Hotels an der Küste anfahren.

All diese Umstände erklären dann auch, warum man -zu verkehrsarmer Zeit- für die 31 Kilometer von Agios Georgios zum Flughafen Korfu mindestens eine Stunde braucht.

Unterwegs immer wieder Scooter und Quads (Fahrer überwiegend britisch, nackter Oberkörper, kein Helm). Aber auch zunehmend Mountainbikes (Fahrer überwiegend deutsch, papageienbuntes Tour-de-France-Trikot, High-Tech-Helm).
Und dann gibt es noch die ganz speziellen Fahrzeuge: die knatternden Eigenbau-Mopeds etwa, oder der Lkw mit Hunderten darauf montierten Hühnerkäfigen, wo man die künftigen Chicken-Souflaki direkt am Straßenrand kaufen kann.

Oder die Vitamin-Bomber am Strand: …

…, die, wenn das Geschäft gut läuft auch schon mal zu zweit unterwegs sind:

Zum Abschluss des Tages in die Taverna „Mon Amour“.

Panos verzweifelt am Zusammenbau eines Wickeltisches für das Appartement. Plan und Imbus-Schlüssel erinnern mich an irgendwas ?!

Im „Mon Amour“ sind wir und ein Trupp albanischer Wanderarbeiter die einzigen Nicht-Griechen im Lokal. Inzwischen ist der Gastraum zur Straße hin geöffnet. Besser kann man den Tag nicht ausklingen lassen.

Wir lassen Tarama, Tsatsiki, griechischen Salat, Saganaki, Pita-Brot, gefüllten Rollbraten (Rollo), Bier und Wasser auftragen. Der „Rollo“ ist die Spezialität von Mama in der Küche. Mit Spinat, Paprika und Gewürzen gefüllt und mit herzhaft knackiger Kruste ein Gedicht. Zwei Stücke, jeweils zwei Zentimeter dick, die auf der Zunge zergehen.

Alles zusammen für 30,00 €. Dazu noch Ouzo aufs Haus.

Der 0:3-Pausenstand im EM-Qualifikationsspiel zwischen Griechenland und Italien trübt die Stimmung allerdings ein wenig.

Taverna „Mon Amour“, Kokkinos

Deutschland siegt in Weißrussland, der Autor im Rommé. 👍


Sonntag, 09.06.19

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„Unser“ Haus

Schon am frühen Morgen ist es heiß. Über 30 Grad soll es heute werden. Schweiß gebadet vom Einkauf zurück. Angela kommt hoch zum kassieren. So langsam entsteht Abschiedswehmut. Ins Appartement zieht ein Pärchen mit einem Winzling von Baby ein. Der Wickeltisch scheint zu halten.

Online Check-In. Als Wallet aufs I-Phone. Vor Jahren noch unvorstellbar, dass das am Flughafen Korfu akzeptiert werden könnte. Upgrade auf mehr Beinfreihet. Plätze in Reihe 13. Dabei dachte ich, die gäbe es in Flugzeugen gar nicht.

2019 Korfu Kopie7Wir versuchen unser Glück am Strandabschnitt vor Vales. Leider vergeblich: Alle Liegen besetzt. Auch unser „Stamm“-Abschnitt ist gut besucht. Es gibt aber noch freie Liegen.

Der Sand ist heute so heiß, dass die Fußsohlen darauf glühen. Inzwischen ist die ganze Familie des Bottsverleihers bei der Touristenbetreuung eingespannt. Das Wasser ist heute kälter als gestern, aber Abkühlung muss sein.

2019 Korfu Kopie3Ich versuche, bei den „Ewigen Toten“ von Simon Beckett weiterzukommen. Den hab ich als Hörbuch. Hart … sich einem Buch auf diese Weise zu widmen. Nach wenigen Minuten bin ich dahin gedämmert und muss nach dem Aufwachen suchen, bis zu welcher Stelle ich noch bei Bewusstsein war.

Wir marschieren ein letztes Mal zum Vales. Ich lasse mir genau erklären, wie die dort den Frappé zubereiten. Es ist definitiv der beste in der Bucht.

Abends erst packen; dann zu Dimitris. Viele Touristen unterwegs. In BaWü und Bayern haben die Pfingstferien begonnen. Zum Abschluss gibt’s Moussaka und eine Grundsatzdebatte mit Dimitris über die politische Landschaft und das Müllproblem auf Korfu. Herzliche Verabschiedung.

Erst noch einen Absacker im „Butterfly“ (Caipirinha und Pina Colada) und dann nochmal zum Supermarkt. Weil Madame auch für sich noch einen Liter Olivenöl haben will.

Besitzer Spiros empfiehlt uns, doch ein eigenes Haus auf Korfu zu kaufen. Auf die Frage, was die leer stehende Hütte neben seinem Markt denn kosten solle, antwortet er: „Das könnt Ihr Euch nicht leisten!“ Toll, wie der uns einschätzt.

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Ein letzter Sieg im Rommé. Das war’s.


Montag, 10.06.19

schiffflugzeug

Pfingstmontag. Es geht heim.

Unruhige Nacht. Heiß wie im Sommer. Frühes Aufstehen. Innige Verabschiedung von Maria und Angela. 45 Minuten Fahrt zum Flughafen, sodass wir zwei Stunden vor Abflug dort sind. Diesen Puffer braucht man auch. Lange Schlangen am Drop-of-Schalter und an der Sicherheitskontrolle.

Die Highlights am Airport:

  • Erst verpassen wir das Rückgabe-Rendezvous mit dem Autovermieter aufgrund eines Missverständnisses.
  • Dann kriegt Madame ihren Personalausweis nicht aus dem neuen Portemonnaie. Eingeklemmt! Nachdem alle anderen Karten entnommen waren, flutscht er doch nach raus.
  • Schließlich Wiegen der beiden Koffer: 20,9 und 20,8 Kilo. Macht nach Rechnung der freundlichen Flughafenmitarbeiterin 15 Euro Gebühr für 1 Kilo Übergepäck. Oder anders ausgedrückt: 1 Liter Olivenöl zuviel. Grrrr!
olivenoel

Dass Madame in ihrer Handtasche ein anderthalb Kilo schweres Stück Olivenholz -kunstvoll zu einer Obstschale gedrechselt- mit sich führt, mit dem sie die gesamte Kabinencrew erschlagen könnte, spielt beim Sicherheitscheck, Zeus sei Dank, keine Rolle.

Kaum sind wir durch die Kontrolle, wird auch schon zum Boarding aufgerufen. Der Duty-Free-Einkauf (den es innerhalb der EU auch gar nicht mehr gibt) muss heute leider ausfallen.

Mit viel Beinfreiheit in Reihe 13 am Notausgang geht’s pünktlich los und nach ruhigem Flug landen wir ebenso pünktlich in Düsseldorf.

Anschließend Grillen im Kreis der Familie.

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