Samstag, 19. Mai 2018
So früh im Jahr ging es selten nach Korfu.
Geplanter Abflug 06:00 Uhr. 03:45 Uhr zum Flughafen Düsseldorf. Wir lassen uns bringen. Es ist Pfingstsamstag, in NRW gibt es eine Woche Ferien (weil die Spanne zwischen Oster- und Sommerferien für die Lehrerinnen und Lehrer zu groß sei, wird gemunkelt). Vor und in der Abflughalle herrscht Chaos.

Raus aus dem Auto, Koffer im Schlepptau, ab in die Halle. Orientierungsphase. Bildschirm. Abflüge. Korfu. Geplant: 06:00. Erw: 14:00. „Geplant“ ist klar; „Erw“ heißt doch nicht etwa? Doch! Heißt es! Erwartet! Zuversicht klingt anders. Auf jeden Fall noch ca. 10 Stunden Zeit.
In der Schlange am Check-In sind alle vertreten. Die Entspannten, die Murrenden, die Verzweifelten, die Keifenden. Es gibt Banderolen für die Koffer („Den Rucksack* nehmen wir hier nicht an; damit müssen Sie zum Sperrgepäckschalter!“) und Verzehrgutscheine. 7,50 € pro Person, nur an bestimmten Stellen einlösbar, aber nicht auf Mahlzeiten anrechenbar und inklusive Erstattung für 2 Telefongespräche. Wie bei der Überstellung in Untersuchungshaft. „Sie haben zwei Anrufe. Einer sollte Ihrem Anwalt gelten.“ Machen tatsächlich einige. Weil: Infos gibts keine. Zur Ursache der Verzögerung beispielsweise. Schon brechen sich Gerüchte Bahn: der Flieger werde grad repariert. Oder gestern sei ein Flug ausgefallen, der heute mit „unserer“ Maschine nachgeholt worden sei. Unverschämt! Jetzt sei die Crew wegen Arbeitszeitgesetzt nicht mehr einsetzbar. Jemand mutmaßt, die Crew habe sich krank gemeldet, um die Hochzeit von Megan und Harry und anschließend das Pokalfinale** zu sehen.
Die Frau in Blau-Gelb -wir wären jetzt als nächste von ihr abzufertigen gewesen- erhebt sich und macht Feierabend. Man könne sich auch an anderen Schaltern anstellen. Mit einem starken Abgang verabschiedet sie sich. „Meckern Sie nur. Wer hier mitfliege, das bestimme immer noch ich.“
Wir ordern unseren Chauffeur zurück, der schon auf der Autobahn war und legen uns zuhause nochmal aufs Ohr.
Mittags wieder nach Düsseldorf. Nach der Sicherheitskontrolle -bei Madame wird ne Pulle Wasser rausgefischt und ein Sprengstofftest durchgeführt- sind wir um 14:00 Uhr am Gate. Auf der Homepage der Fluggesellschaft ist unser Flug merkwürdigerweise bereits gestrichen.
Die Blau-Gelbe (es ist eine andere als heute früh) verkündet, um 15:00 Uhr gäbe es neue Infos. Bis dahin ist ihr ein Blau-Gelber zu Hilfe gekommen. Sie selbst kommuniziert nur mit denen, die unmittelbar an ihrer Theke stehen -oder heißt das „Desk“? Die, die weiter weg stehen, werden gar nicht erst eingeweiht. Um sie zu schonen? Aus Datenschutzgründen? Erst ein Hinweis aus dem ‚Publikum‘ erinnert die Blau-Gelbe an das Vorhandensein von Mikros und Lautsprecheranlagen auf modern ausgestatteten Luftverkehrshäfen. Um kurz vor 15:00 Uhr bleibt es dann aber dem Blau-Gelben vorbehalten, eine Ansage zu machen. „Jetzt kommt, dass der Flug ausfällt“, unkt die mitreisende Tochter. ‚Klar doch‘, denkt die neben ihr im trendigen Outdoor-Outfit wartende Dame (Wandern auf Korfu soll ein Hit und bei 40 Grad im Schatten enorm Flüssigkeitsabbauend sein und wird von den Einheimischen meist wohlwollend mit einem Kopfschütteln begleitet), ihre Augen verdrehend und steht kurz vorm Zusammenbruch, als der Blau-Gelbe tatsächlich verkündet, dass wir heute am Boden bleiben, aber im Luxushotel gleich nebenan nächtigen dürfen (inklusive Abendessen zwischen 19:00 und 21:00 Uhr). Am Gepäckband warteten schon unsere Koffer. Und es gäbe noch einmal Gutscheine für alle (7,50 € pro Person, nur an bestimmten Stellen einlösbar, aber nicht auf Mahlzeiten anrechenbar und inklusive Erstattung für 2 Telefongespräche). Um 06:55 Uhr würde dann gestartet.
Würden die Blau-Gelben jetzt Mistgabeln, Knüppel und Pechfackeln statt Gutscheine verteilen, das Massaker wäre unausweichlich.
An diesem Abend, nach dem Buffet im Luxushotel -das Angebot an Speisen ist kalkulatorisch exakt an der Anzahl der anwesenden Passagiere orientiert- wird weiteren Rechtsanwälten auf die Mailbox gesprochen.
Und wir? Panik löst nur der Gedanke aus, dass Lidl-Korfu morgen, am Sonntag geschlossen hat. Normalerweise läuft das nämlich so: Nach Landung und Leihwagen-Übernahme in zwei Minuten rüber in den inzwischen hochmodern ausgestatteten Markt und für die erste Woche Vorräte gekauft. Neben dem deutschen Sortiment gibt es auch viel Einheimisches. Zum Beispiel die Zweiliter-Flasche Ouzo oder die 5-Kilo-Dose Feta. Zugegeben, das Verstauen im Kleinwagen (mit 3-4 Reisenden und entsprechendem Gepäck bereits gut gefüllt) war nie ganz einfach. Und bei 50 Grad unter der Heckscheibe war manche Cola gut vorgewärmt und die Eier angebrütet. Heute jedenfalls ist das seit Bestehen des Marktes eingefahrene Ritual brutal zerstört.
Wir lassen uns von dem abermals zurückgerufenen Chauffeur nach Hause kutschieren. Während Mutter und die mitreisende Tochter sich erneut in einen komatösen Schlaf fallen lassen, nutzt Monsieur die Gelegenheit und zieht sich bei Netflix zwei weitere Folgen von „Die Einkreisung“ und anschließend das Pokalfinale rein. **
Alle Freunde, Bekannte und Verwandte sind bereits über unser Schicksal informiert.
*Der Hightech-Rucksack geht im Sommer mit der Tochter auf Weltreise. Der Korfu-Trip ist der erste Praxistest. Wasserdicht, ultraleicht, geschätzte 45 verschiedene Taschen, Fächer, Geheimfächer, Schnallen, Gurte und Halterung. Und alles auf den Körper einer Frau zugeschnitten. **Im Abschiedsspiel von Niko Kovac und Jupp Heynckes schlägt Frankfurt die Bayern mit 3:1.
Sonntag, 20. Mai 2018
Wir haben beschlossen, den Chauffeur am Pfingstsonntag zu schonen und selbst zu fahren. Der Plan: Auto ins vorgebuchte Langzeitparkhaus. Und die mitreisende Tochter, deren Mitreise nach einer Woche enden soll, kann dann damit nach Hause fahren.
Wie gesagt: Abflug 06:55 Uhr. Bei einer Fahrtzeit von 25 Minuten und einem Puffer fürs Einparken und für die Fahrt im SkyTrain zum Terminal: Aufstehen 04:00 Uhr. Madames Wecker geht schon um 03:30 Uhr. Duschen. Ich guck nochmal ins Internet. Abflugzeit 06:00 Uhr. 06:00 Uhr???!!! Verfluchte Sch…

Zu dritt aus dem Haus stürzen, im Tiefflug zum Flughafen, im teuersten Parkhaus (quasi unter der Start- und Landebahn für 34,00 Euro pro Tag!) den Wagen abstellen und erneut einchecken. Wir sind die letzten. Kommen gleich dran. Es gibt neue Banderolen für die Koffer. „Mit dem Rucksack muss ich zum Sperrgepäckschalter, ich weiß,“ bemerkt altklug die mitreisende Tochter. „W a r u m?“, fragt der Blau-Gelbe völlig entgeistert.
Zusammenhängende Sitzplätze kriegen wir nicht mehr. Wir sind ja auch die letzten.

Denkste! Wir sitzen schon am Gate -das heißt eigentlich pendeln wir ständig zwischen Gate 23, das uns der Blau-Gelbe auf die Bordkarte gekritzelt hat und Gate 29, das auf dem Monitor angezeigt wird- da kommt die Meute aus dem Luxushotel. Gestärkt von einem „Early-Bird-Frühstück“, einem Croissant und einem Getränk, ist die Stimmung schon wieder kurz vorm Siedepunkt (auch unter ihnen viele -sitzplatzmäßig- auseinander gerissene Reisegemeinschaften) und entlädt sich in spontanen Beifallsbekundungen als zum Boarding aufgerufen wird. Sicherheitshalber gleich mit dem Zusatz „Letzter Aufruf. Last Call.“ versehen.
Das reißt auch Erika mit, circa 75 Jahre, gelber Blouson, schwerhöriger Ehemann und weitere Clan-Mitglieder im Schlepptau. Erika mischte den Wartebereich gestern schon auf. Ticket weg, Ausweis weg, Gutschein weg. Alles in zeitlichen Abständen nacheinander. Jetzt stürzt sie in den Flieger, Familie im Duty-Free-Shop und Köfferchen im Wartebereich zurücklassend, um dann von Reihe 21 aus durch die Kabine zu rufen „Wo ist mein Mann? Hat jemand meinen Mann gesehen?“
Gerade als die aus dem „Standby“ geholte Crew aufmerksam wird und trösten will, bricht ihr Gatte, den Alu-Trolley hinter sich her schleifend durch die Reihen. „Hast Du mir einen Platz frei gehalten, Erika?“
Das übliche Genuschel des Piloten zur Begrüßung fällt angesichts der kritischen Gesamtlage erfrischend ehrlich und kurz aus. Gleich zu Beginn wird darauf hingewiesen, dass es heute für jeden eine warme Laugenstange mit einem Getränk (0,1 l) geben wird. U M S O N S T ! Das nimmt der Masse jegliche Aggression.
Angespannt wird die Situation noch einmal, als der Pilot den komplizierten Landeanflug auf Korfus in das Ionische Meer ragende Landebahn abbrechen muss. „Gefühlt zu hoch.“ stellt die mitreisende Tochter fachmännisch fest. Auch Monsieur, Flugsimulator erfahren (allerdings nur auf dem Airbus) hätte die Landeklappen der Boeing früher ausgefahren. Allen Mutmaßungen zum Trotz fliegen wir aber nicht nach Düsseldorf zurück, sondern treffen die Betonpiste beim zweiten Versuch punktgenau. Nach 17 Jahren Korfu-Anflug-Erfahrung amüsieren uns die Entsetzensschreie der anderen Passagiere, die eine Notwasserung mutmaßen nur noch am Rande. Video

Vorbei die Zeiten an den beiden Gepäckbändern am Corfu-Airport, als die Herkunftsdestination der Koffer noch mündlich ausgerufen oder auf Pappschilder gemalt wurde. Hochmoderne Flachbildschirme mit Laufbandtechnologie in zwei Sprachen! Ansonsten aber alles beim Alten.
Giannis, mit dem wir schon seit gestern per WhatsApp Kontakt hatten und dessen Handballteam am Abend den Aufstieg in die erste Liga verpasst hat, bringt uns einen Opel Corsa, Baujahr 2017. TopCars! Im wahrsten Sinne des Wortes. 350 € für zwei Wochen. Kann man nicht meckern.

Mietwagen bucht man auf Korfu am besten lange im Voraus via Internet. Meist wählt man eine Wagen-Kategorie aus, den genauen Typ lernt man erst bei der Übergabe kennen. Darauf achten, dass alle Risiken versichert sind. Alles läuft auf gegenseitiges Vertrauen. Bestätigung per E-Mail. Keine Anzahlung. Zahlung am Flughafen cash oder -seltener- mit Kreditkarte. In 17 Jahren Korfu noch nie Probleme gehabt.
Die ersten Eindrücke „unserer“ Insel: Berge von Müll, äußerst marode, wohl durch Unwetter beschädigte Straßen, wenig Verkehr, wenig Touristen, noch keine Sonnenliegen- und schirme an unserem Strandabschnitt und gewaltige Neubauten entlang der Straße, die nur noch die Qualität einer Baustellenzufahrt hat, hinauf zur Villa Panorama.
Später erfahren wir, dass die Bauten illegal seien, weil von korrupten Behörden genehmigt. „Mafiös“ sei dies alles. Der Bauherr sei durch albanische Drogengeschäfte zu seinen Millionen gekommen, die er jetzt auf Korfu wasche. Und jeder wüsste das!
In der Tat haben wir und unsere Nasen im letzten Jahr erfahren müssen, dass es noch nicht einmal ein Abwasserkonzept gibt. Das ganze Zeug wurde einfach am Berghang verrieselt.

Die Begrüßung fällt griechisch-herzlich und diesmal auch reichlich melancholisch aus. Theofilos, unser Vermieter ist im März gestorben. Er wird schmerzlich vermisst. Maria, die Seele des Hauses und ihr aus den USA zurückgekehrter Sohn Tommy, der von ihr konsequent griechisch nur Thanassis gerufen wird und sie jetzt unterstützt, herzen uns, als wären wir nie weg gewesen. Es gibt selbst gebackenen Kuchen („For Mister Rolf.“) und rabenschwarzen griechischen Kaffee mit nem Schuss Ouzo.

Dann fliegen Angela und Panos mit ihrem Baby, das Theofilos tragischerweise knapp verpasst hat, heran. Einen Namen hat der Stammhalter noch nicht. Den kriegen die Kinder hier erst zur Taufe. Im bürokratischen Deutschland unvorstellbar. Auf Angela lastet nun der Druck, den Namen aussuchen und den ihres Vaters mit einfließen lassen zu müssen. Heikel.
Runter zum Strand. Die mitreisende Tochter hat sich (wo nur ?) eine Blase gelaufen und kriegt neue Flipflops. Nikos und Vales (Taverne & Strandabschnitt direkt vor unserer Nase) haben heute ihren ersten Tag, richten das Restaurant her und wir gehen mit dem Versprechen, für uns morgen drei Liegen und einen Schirm am Strand bereit zu halten. Spätestens übermorgen sei man zu 100 Prozent einsatzfähig.
Vorher aber genießen wir unseren ersten Frappé. Mit Milch und süß. Glycos (γλυκός) me Gala. Es gibt ihn auch noch weniger süß als metrios (μέτριος) oder pur ganz ohne Zucker sketos (σκέτος) (, „bloß“, ohne Zucker). Jeweils mit oder ohne Milch. Beim Frappé me Gala (Frappé mit Milch) wird oft Kondensmilch nach dem Aufschäumen des Kaffees beigemengt.*
Am Abend zu Dimitris in die „Taverna Brouklis„. Wenig los. Auch er trauert um seinen Vater. Die Damen ergötzen sich am Meze-Teller mit Extra-Portion Zucchini-Bällchen (Rezept Kolokithokeftedes) und Monsieur hat Schweinerollbraten mit hohem Fettanteil (vorher frische Sardinen).

Heute sei der Bürgermeister der Insel wegen Korruption im Zusammenhang mit dem Müllskandal verhaftet worden, weiß Dimitris zu berichten.
Er habe Pläne, gemeinsam mit dem Tourismus-Direktor von Arillas und dem Manager der Corfu-Beer-Brauerei, die prompt zum Essen erscheinen, die Herrschaft über die Insel zu übernehmen. Am liebsten online.
Das „Brouklis“: Auf der Favoritenliste ganz oben. Griechische Hausmannskost. Zwei oder drei Tagesempfehlungen, denen man unbedingt folgen sollte. Die sind stets aus frischen Zutaten zubereitet und wenn weg, dann weg. Die Damen verzehren stets dasselbe. Auf dem „Meze-Vorspeisenteller für Zwei“ sind Oliven, Tarama, Tsatsiki, Sardinen, Tomaten, frittierter Feta und als Highlight die Zucchinibällchen.
Am Ende des Tages, den man ja eigentlich doppelt rechnen müsste, steht dann die familiäre Rommee-Runde. Besser bekannt als das „Wir-wollen-den-Alten-am-Boden-sehen-Spektakel“. Heute allerdings noch ohne Punkte.
*Frappé (Zubereitung mit dem Frappeschäumer) Man füllt in ein hohes Glas je nach Geschmack Zucker und ein bis zwei Teelöffel sofort lösliches griechisches Kaffeepulver. Darüber gießt man ein bis zwei fingerbreit Wasser und schlägt die Mischung mit einem Frappemixer/ Milch-schäumer schaumig steif. Anschließend füllt man das Ganze mit zerstoßenem Eis bzw. Eiswürfeln auf. (Quelle: Wikipedia)
Montag, 21. Mai 2018
Es verspricht ein schöner Tag zu werden. Geplant ist zunächst ein Einkauf im Supermarkt in Sidari. Schließlich fehlt das Notwendigste immer noch. Da aber heute der Tag der Vereinigung der ionischen Staaten gefeiert wird, ist der Laden aber eventuell zu. Also kauft Monsieur fürs Frühstück im Laden unten an der Straße, bei Spiros ein. Joghurt, Cornflakes, Honig, Käse, Brot, Cola, Butter, Marmelade, Tomate.

Es geschehen tatsächlich noch kleine Wunder: man muss für eine Plastiktüte bezahlen (zwei Cent für die kleine, vier für die große) und es gibt auch recyclebare für 60 Cent. Was ist denn hier los? Wahrscheinlich wird morgen noch die Mülltrennung eingeführt.
Bei Brot und Getreideprodukten ist Griechenland im Jahr 2017 um 15,8% teurer als der EU-Durchschnitt und liegt auf Platz 8 (2010: 17,4% bzw. Platz 7) und hat dabei auch die höchsten Erzeugerpreise. Auf Korfu kostet der Laib Brot seit Jahren 90 Cent, ist immer frisch und außerdem lecker. Überhaupt scheint man sich auf der Insel wenig um die Preisentwicklung auf dem Festland zu scheren. Uns kommt das Leben hier preiswerter als in der Heimat vor.
Nikos und Vales haben es (natürlich) nicht geschafft, die Taverne und den Strandabschnitt davor startklar zu machen. Vielleicht wegen Feiertag? Wir entscheiden uns daher für den Strand links vom Bootsverleih. Viele freie Sonnenliegen, keine Steine am Wasser, sehr sauber und mit Verpflegungsservice. Ein freundlicher Adonis, der so stolz auf sein Englisch kenntnisse ist, dass er jeden zaghaften Versuch, ihm mit einfachstem Touri-Griechisch zu kommen mit einem „Enjoy it!“ erstickt, nimmt die Bestellung auf, übermittelt sie ins Restaurant jenseits der Strandstraße, holt sie dort ab und serviert eisgekühlte Getränke oder heiße Speisen direkt am Liegestuhl.
Für drei Liegen und einen Sonnenschirm zahlen wir 8,00 €.
Ich trage die neue grellgrüngelbe Bermudashorts. „Die ist wirklich hochmodern,“ der Kommentar der mitreisenden Tochter. Übersetzt soll das wohl heißen: „Biste da nicht ein bisschen alt für?“
Die Strafe folgt auf dem Fuß, denn der erste Sonnenbrand ist Programm. Nein, an deutsche Frauen wagt sich die griechische UV-Strahlung nicht ran. Melkfett reicht, für die empfindlichen Stellen höchstens 20er-Sonnencreme.
Das Wasser ist saukalt, findet jedenfalls der männliche Teil der Familie. Der Rest übt sich in Frotzeleien. „Du Mimi“ ist noch das Harmloseste.
Auf der Rückfahrt Willkommensabstecher in Spiros Laden. Er ist -weil er jetzt immer seinem gerade laufendem Sohnemann hinterher jagen muss- noch dünner geworden und gibt ne Flasche Roten aus.
Abends Afionas. Auf dem Weg dorthin viele Gebäude zum Verkauf. Die Esel, die die Touris die letzten Meter nach oben bringen, haben noch Pause, die Taverne am Marktplatz ist geschlossen.
Porto Timoni. Auch hier wenig los. Die Kellner herzlich und wie immer gut drauf. Erst hauen wir uns mal gegenseitig unsere Griechisch-, Deutsch- und Englischkenntnisse um die Ohren. Mit „Mia birra, megalo, parakalo!“ („Ein großes Bier bitte!“) käme ich in Griechenland sicher wochenlang durch, meint unser spezieller Freund, den es heute noch wurmt, dass er Madame vor Jahren mal Schwein- statt Hühnchen-Spieß serviert hat.
Mit seiner atemberaubenden Aussicht 250 Meter über der Bucht und dem guten Essen gehört das Restaurant immer noch zu unseren Favoriten. Die Vorspeisenplatte ist ein Muss. Danach gibt’s Shrimps auf Tagliatelle und gefüllte Kalamari. Zum Schluss auf’s Haus sündhaft leckeren Kuchen. Eine Kombination aus Sahne, Vanillepudding, Apfel und Zimt auf Blätterteig.
Die abschließende Rommé-Runde droht für Monsieur zunächst zum Desaster zu werden. Dann sehe ich schon wie der sichere Sieger aus, um dann in der letzten Runde noch mit Hand-Rommé Aton der mitreisenden Tochter auf Platz 2 verwiesen zu werden.
Dienstag, 22. Mai 2018
Die „Straße“ zu unserem Haus hoch ist wirklich eine Zumutung. Man fährt praktisch mitten durch eine Großbaustelle hindurch. Das Auto sieht entsprechend aus. Heute Morgen wird Beton gegossen. Was nicht passt, schwappt die Straße runter. Hoffentlich trocknet das Zeug nicht in unseren Radkästen oder auf dem Lack.

Die mit uns reisende Tochter liegt noch im Bett. Wir fahren nach Sidari. 20 Minuten über schmale Straßen durch Dörfer und eine Landschaft, die Korfu so liebenswert machen. Der „Supermarkt“ ist eher ein überdimensionierter Kiosk. Auf wenig Platz (fast) alles untergebracht. Madame führt dennoch Klage: „Die haben keinen weiblichen Rasierschaum hier, sollen wir männlichen nehmen?“ Ist mir nur recht. Dufte ich wenigstens nicht ständig wie im vergangenen Jahr nach Pfirsich. Wer denkt sich sowas nur aus? Rasierschaum mit Pfirsichduft!?
Weiter über die Touri-Meile von Sidari. Vorbei an unzähligen Bars und Kitsch-Läden, ständig bemüht, den sonnenverbrannten, in die Straße ragenden Bierbäuchen der flanierenden Briten auszuweichen, deren Hochburg dieser Ort ist.
In der Apotheke bekommen wir eine nach Geheimrezept hergestellte Salbe gegen Mückenstiche. „Only for use after bite,“ wie uns die freundliche Apothekerin eindringlich empfiehlt. Bei der mitreisenden Tochter entzünden sich nämlich jetzt die bereits in Deutschland von den Plagegeistern angesaugten Stellen.*
Zurück geht’s über die Umgehungsstraße von Avliotes. Mit EU-Geldern gefördert. Jahrelang unbefahren, weil 10 Meter zum Anschluss an die alte Straße fehlten. Drei Kilometer auf Autobahnniveau. Und alle 50 Meter eine Straßenlaterne. Wahrscheinlich als nächtlicher Insektentreffpunkt gedacht. Denn außer diesen dürfte in dieser Wildnis zu dunkler Stunde niemand unterwegs sein.
Ich kann in den 5. Gang schalten und auf 80 km/h beschleunigen. Wohl das einzige Mal in diesen zwei Wochen.
Früher fuhr man durch den Ort. Die lange Dorfstraße in Eselskarrenbreite. Begegneten sich hier zwei oder mehrere Fahrzeuge (im schlimmsten Fall Busse oder Lkws) wurde es knifflig. Ausweichbuchten Fehlanzeige. Rückwärtsfahren und nachgeben: für Griechen keine Option. Das war dann Millimeterarbeit. Teilweise würden Autos per Hand aus dem Weg in leere Garagen, Toreinfahrten und Hauseingänge geschoben. Eine Zumutung für die dort wohnenden Menschen. Es wurde protestiert und demonstriert. Heute wird mit handgeschriebenen Richtungshinweisen auf Pappschildern auf die Existenz von Avliotes hingewiesen und um’s Kommen geworben, weil sich kein Mensch mehr dorthin verirren will.

Nach dem Spätaufsteher-Frühstück geht’s zum Zentralstrand. Heute kostet es zehn Euro. Acht für das Paket „Sonnenschirm mit zwei Liegen“ plus zwei pro Zusatzliege. Am Wasser entlang wandern wir bei 29 Grad zur Vales-Taverne, vor der der Strand immer noch unberührt ist. Nikos entdeckt uns und bietet an, einen Schirm eigens für uns einzubuddeln und zwei Liegen dazuzustellen. Wir lehnen ab und nehmen das Versprechen mit, dass am Freitag -also in drei Tagen- alles stehen wird. Im Übrigen könne man schon jetzt das volle kulinarische Angebot der Tarverne genießen. Naja, ein Blick ins Unvollendete lässt Zweifel keimen.
Von hier aus jedenfalls, fast am Ende der Bucht, lässt sich die Schönheit dieses Fleckchen geradezu einatmen. Drei Kilometer Sandstrand. Aufgrund der Hufeisen-Form fast mit einer eigenen Klimazone ausgestattet. Wenig bewirtschaftete Abschnitte, nur wenige Menschen am Strand, noch weniger im Wasser, dafür umso mehr winzige Fische im kristallklaren Wasser, das das Band aus bunten Kieseln am Rand wie eine Fototapete wirken lässt.

Ab und zu quält sich ein Betonmischer auf der Uferstraße in die kurze, steile Haarnadelkurve in den Ort zur mafiösen Baustelle, um auf dem Weg dorthin weitere Asphaltfetzen aus der Dorfpromenade zu reißen und die vorhandenen Schlaglöcher in Krater zu verwandeln. Man fragt sich sowieso, wo die ihre ständig zu rührende pastöse Fracht aufnehmen und wie sie über die schmalen, teilweise extrem steilen Straßen hierher finden.
Der Sonnenuntergang, vom Restaurant „Panorama“ in Afionas beobachtet, fällt heute unspektakulär aus. Das hat er gemeinsam mit dem Essen. Die Karte ist vorsaisonal bedingt doch sehr übersichtlich. Besonders unser Favorit unter den Desserts fehlt. Mousse auf aus weißer Schokolade auf einem mit Kumquat-Likör getränkten Bisquitkuchen.
Die heutige (Wind-) Stille, die absolut glatte Wasseroberfläche und der grandiose Blick bis hin zu den nördlichsten griechischen Inseln Mathraki, Erikousa und Othoni taucht das Ende des Tages dennoch in eine fast schon mythische Atmosphäre.

*Nachtrag: Die selbst hergestellte „After-Bite“-Salbe hat sich als höchst wirksam und hilfreich entpuppt.
Mittwoch, 23. Mai 2018
Erstmal zu Fuß quer durch die mafiöse Baustelle zum Laden. Eigentlich sind es drei Bauabschnitte. Einer ist fast fertig. Scheint nur noch das Wasser im Pool zu fehlen. Gehobene Ausstattung. Die Sonnenliegen stehen, noch in Folie verpackt, gestapelt an der künftigen Poolbar. Geschätzt sind hier um die hundert 2-Betten-Appartements errichtet worden. Auch entlang der Hauptstraße wird mächtig investiert.

Im Vorjahr noch als Bausünden zu klassifizieren, sind in den wenigen Monaten aus Ruinen schicke Touri-Unterkünfte entstanden. Das bereits im letzten Jahr eröffnete Hotel „St. Georges Palace“ zum Beispiel stand mehr als zehn Jahre nur als skelettierter Rohbau im Ginster-Hang.
Zum Glück darf hier maximal zweistöckig gebaut werden. Bleibt zu hoffen, dass die Rendite aus alldem im Land bleibt und die zu erwartenden Touristen ihr Geld in den lokalen Geschäften ausgeben. Weh tut natürlich, dass der Ort weiter an Ursprünglichkeit verliert. Und möge -wenn mir die höchst persönliche Anmerkung erlaubt sei- die neue Zimmervielfalt nicht nur in Osteuropa angeboten werden.
Maria bringt neue Handtücher. Gestern war sie den ganzen Tag beim Baby. Seit sechs Uhr ist sie schon auf den Beinen. Das war die Zeit von Theofilos, den sie so sehr vermisst. Jetzt lernt sie sogar ein bisschen Englisch, um die Gäste besser zu verstehen und sich Ihnen mitteilen zu können. Früher haben das ihr Mann und ihre Tochter getan. Mittags bringt sie einen noch warmen Teller mit drei Biftekis und Zucchini-Gemüse vorbei. Ήταν νόστιμο! Das war köstlich!
Wir lassen heute Strand Strand sein und fahren nach Makrades. Von Agios Georgios zunächst nach Pagoi und dort rechts auf die Passstraße, die sich zunächst eng durch Prinilas schlängelt, um dann, immer breiter werdend, in lang gestreckten Serpentinen den Berg hinauf zu führen. Ambitionierte Radsportler kommen auf dieser Strecke sicher voll auf ihre Kosten. An der letzten Kehre unbedingt anhalten. Der Blick über die Buchten von Agios Georgios und Arillas bis zu den diapontischen Inseln ist atemberaubend.
Makrades: Eingerahmt von vielen verfallenen Gebäuden: 200 Meter das reinste Touri-Paradies. Busweise werden sie hier abgeladen zum Shoppen.
Neben dem üblichen Gedöns an Schmuck, Postkarten, Kühlschrankmagneten und T-Shirts: Raummeterweise geschnitztes Olivenholz. Vom Kochlöffel bis zur Penis-Applikation am Flaschenöffner. Hektoliterweise Honig. Mandel, Safran, Pinien. Kubikmeterweise Oliven. Als Öl, als Seife, als Marmelade, sogar als Oliven. Fassweise Wein. Abgefüllt in Kanistern, Plastikflaschen und vermutlich an deutschen Bahnhöfen gesammeltem Leergut. In Rot, in Weiß, in Rosé, in Sauer, in Süß. Und das Beste: alle Produkte garantiert von der einheimischen Bevölkerung mit eigenen Händen geschnitzt, gedrechselt, gekeltert, abgefüllt, gekocht und geklöppelt!





Warum wir hier jedes Jahr hin müssen? ICH. WEIß. ES. NICHT!
Danach geht’s nach Krini, dem Heimatdorf unserer Vermieter. Die meisten Besucher fahren durch und steuern die dahinter gelegene Burg Angelokastro an. Haben wir auch schon zweimal gemacht. Heute aber halten wir an und sehen uns im Ort um. Allein der Marktplatz ist so malerisch, dass man eine ganze Speicherkarte voll knipsen könnte.
Schließlich finden wir auch den kleinen Friedhof und das Grab von Theofilos, dem wir damit unsere Ehre erweisen. Das Photo auf dem Sarkophag zeigt ihn als jungen Mann. Ein stolzer Grieche mit klarem Blick.
Friedhof heißt auf Griechisch „Kimitirio“. Übersetzt: Schlafstätte. Die Toten ruhen hier nicht in der Erde, sie werden meist in Sarkophagen aus Marmor beigesetzt. Der Friedhof in Krini gleicht allerdings mehr einem „Gottesacker“. Es gibt auch Erdgräber und zahlreiche verfallene Grabstätten unterschiedlichster Größe. Wege sind nicht angelegt.
Auf dem Rückweg vom Friedhof spricht uns ein griechischer Handwerker an, der gerade einen Rohbau von innen verputzt. Wenn wir tolle Fotos von der Umgebung machen wollten, könnten wir gerne ins Obergeschoss auf die Terrasse gehen. Alles noch ohne Geländer, versteht sich. Aber der Ausblick ist wirklich phantastisch.
Am Fuß der Burg erfrischen wir uns in der Taverne, sparen uns den steilen Aufstieg, der mittlerweile eine Gebühr kostet und genießen den Blick über die atemberaubend steil abfallende Schlucht auf’s Meer.
Auch wenn es bei 30 oder mehr Grad nicht mein Ding ist: Das Wandern erfreut sich auf Korfu immer größer werdender Beliebtheit. Auch hier in Krini treffen wir auf viele berucksackte Menschen, die zum Beispiel den jahrhundertealten Eselsweg runter nach Agios Georgios nehmen.
Von Makrades führt uns die Tour zum Troumpetas, ein Pass, über den jeder Autofahrer muss, wenn er von der Hauptstadt in den Nordwesten will. Die ausnahmsweise breite Straße ist zwar recht löchrig, gibt aber immer wieder herrliche Blicke nach links und rechts in die korfiotische Landschaft frei.

Wir lassen uns treiben und gelangen fast automatisch nach Agios Stefanos im Nordwesten. Hier haben wir schließlich unsere Liebe zur Insel entdeckt. Obwohl wir dem Ort schon vor Jahren den Rücken gekehrt haben, werden wir immer noch mit großem Hallo begrüßt. Von den Schwestern im Andenkenshop, die die mitreisende Tochter heute noch adoptieren würden, von den Betreibern des „Little Prince“, deren Kelnerteam auch heute noch Abend für Abend exakt die gleiche Show an griechischen Tänzen bietet wie vor 14 Jahren. Vom Vater-Söhne-Team, das tagein, tagaus vor seinem Olivenholzladen sitzt und mit den Kunden und sich selber am liebsten die politische Weltlage diskutiert.
Leer steht jetzt nach zehn Jahren das „Ozzy Oil“. Eine mit einem Griechen verheiratete Sängerin aus Down Under, servierte dort australische Küche. Ihre Eltern betrieben just for fun auf dem Weg zum Strand hinunter den besten Sandwich- und Saftladen der Insel. Vergangenheit.

Mittlerweile sind die Farben des Tages in ein sattes Grau übergegangen. Es ist abgekühlt, was Madame aber nicht so recht wahr haben will: „Da unten am Strand sind immer noch einige obenkörperohne!“
Am Abend erster Besuch im „Mon Amour“. Wer sich diesen Namen ausgesucht hat, weiß man nicht. Für uns ist es schlicht die „Taverna“. Das ganze Jahr geöffnet. Direkt an der Straße nach Kavvadades unter einem riesigen Olivenbaum. Mit „To Go“-Fenster. Das Interieur ist gewöhnungsbedürftig. Eine Mischung aus Sportsbar, Dorfkneipe und Taverne eben. Mehrere Generationen männlicher Familienmitglieder im Einsatz. Die Highlights der Karte seit Jahren: Lammschnitzel, Rollbraten und Souvlaki. Heute gibt es auch Lammbraten. Viel und Lecker! Vorher Pitabrot, griechischer Salat (riesig!), Tarama, Tsatsiki, Saganaki. Eine Karaffe roten Hauswein. Hinterher frisches Obst. That’s Greece as its best.
Ein kurzer kräftiger Regenguss lässt die draußen unter wilden Weinreben sitzenden Gäste gut nass werden. Nach einem Ouzo auf das Wohl des Chefs fahren wir heimwärts. Kräftiges Wetterleuchten lässt nichts Gutes ahnen. Tatsächlich müssen wir unsere Rommè-Partie nach innen verlegen. Es schüttet aus Kübeln und gewittert mächtig.
Es wird wieder so lange gespielt bis Monsieur nicht mehr in Führung liegt.
Ich erwäge, den Rommé-Welt-Gerichtshof anzurufen.
Donnerstag, 24. Mai 2018
Nur noch wenige Wolken am Morgen; die Sonne bricht sich Bahn, angenehme Temperaturen. Wir entscheiden uns heute für die europäische Wetter-App. Deren Prognose verspricht am ehesten Urlaubsfeeling.

Stau in der mafiösen Baustelle. Ein Gewusel von Arbeitern, die schon Möbel schleppen. , während in den Appartements noch gefliest wird. Der Fahrer eines LKW mit Kranaufbau hat die Stützstreben ausgefahren und entlädt in aller Ruhe etliche tonnenschwere BigPacks mit Sand und Kies. Nix geht mehr.
Beim Wegfahren schließlich bringt er dann noch einen Wasserschlauch zum platzen, der quer auf der Straße lag und zwei britische Kiebitze, die das Spektakel als willkommenes Intermezzo im All-inclusive-Urlaub mitverfolgt haben, stehen plötzlich -sehr zum Vergnügen aller anwesenden griechischen Arbeiter- in der mit großer Kraft aus dem Schlauch schießenden Fontäne. Nach einigem Rangieren löst sich der Knoten der beteiligten Fahrzeuge recht schnell. Nur die Briten bleiben etwas blass zurück: Das Wasser hatte auch jede Menge Zementstaub aufgewirbelt.
Vor Spiros‘ Laden verschwindet die Straße unter einer riesigen Pfütze aus Schlamm, den der nächtliche Regen von der Baustelle herunter gespült hat. Obwohl vor Vales Taverna inzwischen die Sonnenschirme aufgebaut sind, orientieren wir uns zum „Zentralstrand“. Es weht ein stetiger Wind, der die Intensität der UV-Strahlung unterschätzen lässt. Die mitreisende Tochter bekommt es am Abend zu spüren. Ein knallroter Bauch ist die konsequente Folge ihrer for-my-body-melkfett-only-Therapie.
Zum Sonnenuntergang begeben wir uns ins malerische Afionas.
Der Weg dorthin ist weniger malerisch, führt er doch an vielen kleinen „Mülldeponien“ vorbei.*
Angesichts des zahlreichen Publikums kann von stillem Innehalten am Ende des Tages keine Rede sein. Inzwischen ist um den Platz ein kleines Mäuerchen gesetzt worden, das nichts Gutes verheißt. Entweder entsteht hier eine bewirtschaftete Terrasse oder es werden Kassenhäuschen errichtet, an denen dann eine Sunset-Gebühr zu entrichten ist.
Essen im „Porto Timoni“. Der Wind hat nachgelassen. Der Abend über der Bucht hat etwas Mystisches.
Rommé: siehe gestern.
*Hintergründe zum Müllproblem auf Korfu hier
Freitag, 25. Mai 2018
Heute werden in Europa neue Datenschutzvorschriften wirksam. Wie weit weg von Griechenland ist dieses Europa eigentlich?
Der Tag beginnt wie der gestrige. Wir produzieren Zitronensaft. Mit einer wahrscheinlich nur in Griechenland erhältlichen Zitronenpresse. Die Frucht steckt dabei auf einer Art Spieß, der sich bei ungeschickter Handhabung in den Handballen bohrt und damit das Ende des Pressvorgangs signalisiert; was ein deutscher TÜV natürlich nie zulassen würde.


Der Saft, inklusive etlicher Fruchtfleischbrocken wird in das lange dunkelbraune Haupthaar der mitreisenden Tochter einmassiert. Weiel (sie spricht das wirklich so aus): nächste Woche ist „Rock am Ring“ und die gesamte 26-köpfige Clique fährt dort blau-köpfig hin. Cool, was!? Und deshalb muss ihr Haar jetzt erstmal, zitronensaftbearbeitet in der Sonne vorbleichen. Weil das blaufärben brauner Haare nicht so einfach ist. Ach ja.
Also Strandtag. Es gibt wieder den Wettbewerb um den Lautstärken-Oskar. Aspiranten auf den Sieg sind heute drei Bewerber. Der allein mit seiner Tochter urlaubende Vater, der aus „Jim Knopf“ vorliest und dabei einen Radius von circa 12 Liegestühlen abdeckt.
Die junge, unendlich komplizierte Lehrerin (reine Mutmaßung) mit dem selbst gehäkelten Hut (?), der zuhause wahrscheinlich auf der Heckablage ihres SUVs über etwas anderes gestülpt ist, die ihrem Mann -aber auch dem gesamten Strandabschnitt- noch einmal die Auseinandersetzung von gestern Abend mit der eigentlich ganz Netten aus dem Nachbarbungalow nicht nur schildert sondern geradezu filetiert und anschließend deren Fortsetzung heute Morgen, wo es wieder eskalierte, obwohl sie sich eigentlich nur „Sorry!“ sagen wollte. (Er sagt überhaupt nichts -wird von ihr wohl auch nicht erwartet- und schielt hin und wieder in sein aufgeschlagenes Buch.)
Und schließlich der kleine etwa vier Jahre alte potenzielle Hooligan, der zu jeder Gelegenheit jedes gerade verfügbare Familienmitglied zusammenbrüllt und vorzugsweise dabei auch noch zuschlägt.
Dass alle drei Favoriten aus Deutschland kommen und im nahe gelegenen Wohlfühl-Camp mit Yoga-Raum, inklusive Bollerwagen-Nutzung wohnen, entspricht meiner völlig vorurteilsfreien Erwartung (sehr gehässig, ich weiß).
Über die Frage, was uns, oder jedenfalls viele von uns Deutschen im Urlaub so auffallen lässt, schlafe ich ein und verpasse die Siegerehrung.

Um 18 Uhr beginnt der Strandwart-Bufdi lautstark mit dem Zusammenklappen der Liegen und macht es ungemütlich. Also gut: Schluss für heute. Die mitreisende Tochter verabschiedet sich noch schnell vom Meer und wir düsen nach dem Duschen zu Dimitris in die „Taverna Brouklis“ in Arillas.
Neben dem Üblichen mundet heute das Unübliche ganz vorzüglich: ganz frisch zubereitetes Pastitio* und das riesige Käsekuchenstück für die morgen heimreisende Tochter, die anschließend auf dem Balkon noch einen Ouzo zur Verdauung braucht.
Der Rommé-Sieg geht heute an Monsieur und wird rot in den Kalender eingetragen!
*Pastitsio ist neben Moussaka eines der bekanntesten griechischen Auflaufgerichte. In der üblichen Form besteht es aus einer Schicht Nudeln in Röhrenform mit etwas geriebenem Kefalotyri. Darüber kommt eine Schicht Hackfleisch, bedeckt von einer weiteren Schicht Maccheroni mit Käse. Die oberste Schicht bildet eine mit Kefalotyri bestreute Béchamelsauce. (Quelle: Wikipedia)
Samstag, 26. Mai 2018
Heute fliegt die mitreisende Tochter heim.
Vier verschiedene Abflugzeiten wurden uns gestern angeboten. Diese Fluggesellschaft ist der Hammer!
Die Fahrt zum Airport von Agios Georgios dauert eine knappe Stunde. Da die Strecke über Aspiotades immer noch gesperrt ist, nehmen wir die Route über Pagoi, Vatonis und Arkadades. Eine absolute Empfehlung auch für Rollertouren und Radfahrer. Zwischen uralten Olivenbäume geht es permanent bergan. Auch im Hochsommer ist es hier im Schatten immer angenehm kühl.
Ganz im Gegensatz dazu die Hitze am Airport.


Das seit Jahren bekannte Bild, wenn man es geschafft hat, in die Abflughalle zu kommen: Ungeordnete Massen von Menschen. Für den Korfu-Neuling ein völlig undurchschaubares Abfertigungsverfahren. Erst mit Koffer in die Schlange am Check-In-Schalter. Mit dem, dann gewogenen und mit einer Banderole versehenen Koffer in die Schlange am Koffer-Durchleuchtungsgerät. Und dann in die Schlange vor der Personenkontrolle, die sich heute erst aus dem Gebäude hinaus und dann wieder hinein windet. Was beim Spieleklassiker „Snake“ vermieden werden soll, weil man dann verloren hat, passiert am Flughafen der „smaragdgrünen Insel im ionischen Meer“ standardmäßig: die verschiedenen Wege der Schlangen kreuzen sich, natürlich auch mit all jenen Orientierungslosen, die die permanent ankommenden Shuttle-Busse ebenso permanent ausspucken. Zu alldem passt, dass einem von Seiten des griechischen Personals überall nur grobe Unfreundlichkeit begegnet. Auf dass man bloß nicht wiederkomme.
Einziger Trost: Wer das Chaos am Korfu-Airport überstanden hat, den wird kein anderer Flughafen auf der ganzen Welt jemals wieder erschrecken können.
Nach einigen Jahren besuchen wir mal wieder die Stadt. Es ist eigenartig entspannt, sehr sauber und aus den zahlreichen Souvenir-Läden wabert der Duft der parfümierten Olivenölseifen durch die Gassen.
Viele Müllberge hat man vor dem letzten Montag entfernt. Es war Feiertag zu Ehren der Vereinigung der ionischen Inseln und ministerieller Besuch aus Athen hatte sich angesagt. In den anderen Städten und Dörfern stinkt es nach wie vor gen Himmel.
Auch die Temperaturen sind erträglich. Dann ein plötzlicher „Wow–was-ist-das-denn?“-Moment. Hinter einer Straßenecke tut sich der Blick auf den Platz vor dem Rathaus auf. Ein riesiger Baum mit himmelblauen Blüten und einem fast schon narkotisierenden Duft beherrscht das Bild. Dahinter eine kaskadierende Bougainvilla von gewaltigem Ausmaß in einem ebenso gewaltigem Rot.

Wir genießen in einem kleinen Cafénion, dem Στάζει Μέλι am Rande des Platzes bei Frappé (heute mal „sketo me Gala“, ohne Zucker mit Milch) und Cappuccino den Blick und das geschäftige Treiben der Touris und der vielen Einheimischen, die heute über die Mehrheit zu verfügen scheinen.
Plötzlich springt Madame ein braunes Etwas ins Auge, das den Stamm der hinunter huscht. Nach der anfänglichen Vermutung, es könnte sich um einen Waschbär handeln, erweitert sie die Auswahl auf Nutria bevor wir uns schließlich auf eine ziemlich buschige Katze einigen, die sich friedlich in die Büsche schlägt.






Zu unserer beider (!) Zufriedenheit werden wir auch schnell bei den Urlaubsmitbringseln fündig.



Wir beschließen, die Ostküste entlangzufahren. Und stoppen auf der Küstenstraße oberhalb der Bucht von Kalami für ein Fotoshooting. Das Motiv mit dem weißen Haus auf der ins Meer ragenden Landspitze ist eines der bekanntesten auf Korfu. Wir kommen nicht gleich auf den Namen des Schriftstellers, der hier sein Epos zu Papier brachte. Madame schlägt Heinrich Heine vor. Am Ende ist es laut Reiseführer Lawrence Durrell*, der sechs Jahre auf Korfu lebte. 1963 veröffentlichte er seine Liebeserklärung an die Insel. Deutscher Titel: „Schwarze Oliven“.
Das weiße Haus ist jetzt eine Taverne.

Von der Straße, wo sich unsere Handys bereits ins albanische Netz einloggen, biegen wir wenig später ab Richtung Agios Stefanos (Siniès). Malerischer kann eine Bucht kaum sein. Das grenzt schon fast an Kitsch. In einem der idyllisch direkt am Wasser gelegenen Restaurants lacht uns in einer Kühlvitrine der am Morgen frisch gefangene Fisch an. Die Küche der Taverna Eucalyptus bietet Essen der gehobenen Qualität an. In Anbetracht der Tageszeit entscheiden wir uns aber für Kumquat-Kuchen mit Vanilleeis und bereuen es nicht.

Zwischendurch ruft die heimgereiste Tochter an, deren EC-Karte von dem dämlichen Automaten im Flughafen-Parkhaus nicht akzeptiert wird.
Ob es denn dort irgendwo einen Geldautomaten gebe?!

1.600 Kilometern entfernt, fragen wir nicht nach der Sinnhaftigkeit oder dem Nutzen eines solchen Anrufs, sondern genießen einfach den Augenblick, wo man uns als Eltern noch zu brauchen scheint. Weitere sollten am Abend folgen.
Das Licht am späten Nachmittag taucht die Landschaft in satte Farben und zaubert Postkartenmotive vor die Kamera.

Abends gibt es dann Wäscheberatung per Skype. Die heimgereiste Tochter hält die Kleidungsstücke vor die Handy-Kamera und Mutti entscheidet, ob hell oder dunkel, 30 oder 60 Grad.
Ausklingen lassen wir diesen schönen Tag im „Delfini„, einem überwiegend von Deutschen besuchten Fischrestaurant mit langer und entsprechend gepflegter Tradition in Agios Georgios. Nach mit Käse überbackenen Champignons und Schinken, gibt es Thunfischsteak und gegrillten Oktopus**.
Auf dem Großbildschirm im Hintergrund schlägt Real Madrid im Champions League-Finale die Elf von Liverpool mit 3:1.
*über Lawrence Durrel bei Wikipedia
**zum Unterschied zwischen Tintenfisch, Sepia, Krake, Kalamar und Oktopus hier ein informativer Artikel.
Sonntag, 27. Mai 2018
Ich habe schon länger nichts mehr von der mafiösen Baustelle berichtet. Hier wird -bis auf die Mittagsstunden- Tag und Nacht malocht. Auch am heutigen Sonntag.
Für den oberen Teil der Anlage sehe ich gute Chancen für eine Eröffnung im Juni. Der Pool ist geflutet, der Wasserfall sprudelt, auf der Terrasse stehen -weil seit gestern von der Schutzfolie befreit- die staubbedeckten Sitzmöbel und Tische und ein albanischer Niedriglöhner schraubt die letzten Sichtschutzbretter minderster Qualität an. Tut mir leid, wenn ich das so drastisch darstelle. Aber angesichts der eingesetzten, in Sammelquartieren untergebrachten nicht-griechischen Arbeiter und der verarbeiteten Billig-Materialien wird schnell klar, wie man binnen kurzer Zeit die Gewinnzone erreicht.
Im unteren Teil wird das Ziel eher nicht erreicht. Innenanstrich, -Ausstattung, Fenster und Türen fehlen noch völlig. Gerade klebt man an die Betonsäulen auf den Balkonen Zellstoffplatten, die dann mit weißem Streich-Putz auf Griechisch getrimmt werden. Diese Platten liegen übrigens gestapelt auf einem Erdhügel und biegen sich bis dort bis kurz vor dem Bruch halbmondförmig durch. Nix Paletten! Überhaupt ist die Organisation der Baustelle eher dem Zufallsprinzip als der Zweckmäßigkeit untergeordnet. Wo grad Platz ist, wird abgelegt, gesägt, entsorgt. Die „Straße“ ist getränkt von Farb- und Zementresten. Auf den angrenzenden Flächen flattern leere Tüten, Folien und Kartons an den Olivenbäumen. Am Ende wird sicher alles eingesammelt und auf einen Lkw verladen, der das Zeug an irgendeiner Ecke vor bereits überfüllte Müllcontainer kippt. (Das meine ich übrigens völlig ernst!)

Und so schneidet der Korfu-Mai im Vergleich mit dem August ab.
Strandleben: In der Luft angenehme 26 Grad. Das Wasser wie im Sommer badetauglich. Weniger Liegen, weniger Boote, weniger Autos, Busse und Motorroller. Griechische Urlauber fehlen ebenso wie italienische fast komplett. Insgesamt fühlt es sich weniger hektisch und weniger laut, dafür viel entspannter an.
Und sonst: Die Handtücher trocknen besser. Man kann nachmittags auf dem Balkon sitzen und Kaffee schlürfen ohne gleich in Schweiß auszubrechen. Die Klimaanlage kann abgeschaltet bleiben. Eine lange Hose und ein Pullöverchen am Abend sind durchaus ratsam.
Gleich zu bewerten ist allerdings die Belästigung durch Mücken.
Völlig unabhängig von der Jahreszeit: Im Mittelmeer tauchen plötzlich bekannte Gesichter aus dem heimatlichen Dorf auf. So klein ist die Welt. (Dafür zwei Euro ins Phrasenschwein.)

Abends in die Taverna. Diverse Vorspeisen. Lammkoteletts.
Das dämliche Rommé gerät zum Desaster.
Montag, 28. Mai 2018
Es ist zwar etwas bewölkt, aber der Strand ruft trotzdem. Mittlerweile wird mir der Frappé schon ungefragt gebracht. Und bei den Strand-Snacks scheint man jetzt immer noch ein bisschen draufzupacken, wenn’s für den langen Deutschen ist.
Mit gesunder Ernährung hat das hier allerdings wenig zu tun:

Agios Georgios ist ein Ort mit einer ganz besonderen Geschichte. Irgendwann zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind viele Fischer nach Alaska ausgewandert, um dort ihr Glück zu suchen. Zurückgekehrt, wurde von Ihnen der Tourismus als Geschäftsmodell entdeckt und zunächst behutsam aufgebaut. Alternativ und ökologisch sollte er sein und er fand vor allem bei Deutschen großen Anklang.
Inzwischen ist -nicht zuletzt wegen der verbesserten Infrastruktur- die Zahl der Urlaubenden spürbar gestiegen; vom Massentourismus dürfte die Bucht aber wohl verschont bleiben. Dafür gibt es viel zu wenig „Drumherum“. Nachtclubs, Diskotheken, Bars oder eine Flaniermeile sucht man hier vergebens. Es gibt nur wenige Hotels oder Appartementanlagen mit größeren Bettenzahlen. Auch das Freizeitangebot ist überschaubar: eine Bowlingbahn, Auto- und Rollerverleih, ein wenig Wassersport (je nach Saison Segeln, Surfen, Tauchen, Paragliding, Wasserski, Bootsverleih).
Landschaftlich ist es ein Traum. Hufeisenförmig säumt die Bucht im Nordwesten ein breiter, drei Kilometer langer Sandstrand. Das Wasser ist kristallklar und schillert von Blau bis Türkis. Meist ist es einige Grade kälter als in den benachbarten Buchten. Im südlichen Teil geht es sachte abfallend über Sand ins Meer. Im nördlichen dagegen geht es nach wenigen Metern Kieselsteinen steil hinab. Hier kommen vor allem Schnorchler auf ihre Kosten.
Überwiegend trifft man Deutsch sprechende Menschen. Viele Familien. In den Läden und Restaurants spricht man überall Englisch.
Richtig voll wird es hier nie. Einige Stammgäste, viele Tagestouristen, die auf Ihrer Auto-, Roller-, Rad- oder Wandertour hier einen Zwischenstopp einlegen. Es gibt „bewirtschaftete“ Abschnitte mit Sonnenschirmen und Liegen, aber daneben auch ganz viel freie Fläche, um ungestört zu sein. Zur nächsten Restauration ist es von nirgendwo weit.
Agios Georgios hat ein angenehmes Klima. Ein leichter Wind sorgt oft auch im Hochsommer für angenehm erträgliche Temperaturen.
Auf einem Bergrücken oberhalb der Bucht von Ag. Georgios/Pagi liegt das Bergdorf Afionas, das oft als das schönste Dorf von Korfu bezeichnet wird. Das malerische, noch ursprungliche Dorf mit den vielen weißen Häusern, den verwinkelten Gassen und zahlreichen Blumen ist ein beliebtes Ziel, um am Abend den Sonnenuntergang zu betrachten und bei herrlichen Ausblicken in mehreren Tavernen die Spezialitäten der griechischen Küche zu genießen.

Von Afionas aus führt ein Wanderweg steil hinunter zu der idyllisch gelegenen „Zwillingsbucht“, dem Porto Timoni, dessen zwei kleine Sandstrände mit kristallklarem Wasser zum Baden und Schnorcheln einladen. Diese schöne Bucht ist auch mit Booten von Agios Georgios aus zu erreichen.
Diese zwei sich gegenüberliegenden einsamen Sandbuchten befinden sich am äußersten rechten Ende der Agios Georgios-Bucht, wo die steil abfallende Landzunge nur 30 Meter breit ist. Einer der beiden Strände dieser Doppelbucht, die auch Schmetterlingsbucht genannt wird, gehört bereits zur Nachbarbucht Arillas. Dort ist auch ein kleiner natürlicher Hafen – der Porto Timoni heißt. Per Auto kommt man nicht in dieses unberührte Kleinod. Entweder geht man zu Fuß (der Pfad führt von der Taverne „Porto Timoni“ in Afionas ab- und wieder aufwärts) oder man lässt sich von einem Bootstaxi bringen und /oder abholen. Über einen Pfad gelangt man von dort aus auch zu einem kleinen uralten Kapellchen.
Dienstag, 29. Mai 2018
Dem Reifen vorne rechts geht die Luft aus. Kein Wunder, bei den Schlaglöchern. Wir fahren deshalb erstmal zum Rollerverleiher, der so freundlich ist, uns mit seinem Kompressor auszuhelfen. Mal sehen, ob’s hält oder der Reifen Schäden genommen hat.
Während für NRW heute bis zu 32 Grad und für den Nachmittag schwere Unwetter erwartet werden (aber nein, das Klima wandelt sich nicht; wie käme man denn darauf?), herrschen hier am Strand angenehme 25 Grad, es geht eine kühlende Brise und im Wasser ist es auch erträglich.

Auch heute sind zahlreiche Wanderer unterwegs, die sich zum Teil von hier aus mit dem Boot wieder zum Ausgangspunkt zurückbringen lassen.
Der Liegen-Mann hat Stress, weil er auch an Einzelreisende nur komplette Sets (2 Liegen, 1 Schirm) vermieten will. Zum Thema Kulanz steht offenbar nichts im Handbuch für Strandbetreuung. Schließlich erfüllt er aber auch dem etwas lautstärkeren älterem Herrn seinen Wunsch nach nur einer Liege ohne Schirm. Offenbar hat er das am Morgen ohnehin schon bei vier hübschen Russinnen getan, die nun seit Stunden unmittelbar an der Wasserkante ohne jeglichen Schatten vor sich hin schmoren. Irgendwann dürfte auch Ihnen klar geworden sein: Das wird eine unruhige Nacht werden.

Die Frage des Tages, dann von einer deutschen Rollertouristin, die schon fast weg, ihrem Mann hinterher, war und noch ‚mal zurückkam:“Wie heißt der Ort hier eigentlich? Das ist ja so schön hier!“
Abends ins Olympia nach Agios Stefanos. Der Reifen scheint die Luft zu halten. Der Chef -von uns seit Jahren wegen der Ähnlichkeit zum berühmten männlichen Teil des Schlager-Duos Al Bano und Romina Power aus Italien nur Al Bano genannt- begrüßt uns mit Handschlag und fragt gleich nach dem Wohlbefinden der abgereisten Tochter.
Im „Olympia“ pflegt man ein etwas gehobeneres Ambiente. Alle Speisen werden frisch und mit einem gewissen Pfiff zubereitet. Kräuter und Gewürze geben dem Ganzen Charakter. Dafür dauert es auch schon mal etwas länger. Aber das Warten lohnt sich. Das Essen wird wirklich heiß serviert. Und auf keinen Fall sollte man sich ein Dessert entgehen lassen. Der Schokoladenkuchen beispielsweise ist zum hinknien. Preislich liegt dabei alles im Rahmen.
Mit einer wirklich tollen, neu heruntergeladenen App erforsche ich vom Balkon aus den beeindruckend klaren Sternenhimmel über Korfu.

Die bereits abgereistes Tochter mailt Fotos von ihren blauen Haaren. Naja, als Schlumpfine kommt sie damit nicht mal in den Recall.
Die Rommé-Runde gestalte ich zu meinen Gunsten.
Mittwoch, 30. Mai 2018
Für heute Nachmittag sind wir von Maria zum Essen eingeladen. Da empfiehlt es sich, vorher nur wenig zu sich zu nehmen. Sie ist da unerbittlich. Nahrungsverweigerung gibt es bei ihr nicht. Was es gibt, ist noch ihr Geheimnis.

Im Haus sind jetzt alle fünf Wohnungen belegt. Das Babykreischen von Marias Enkelsohn bringt akustische Abwechslung in die Villa Panorama.
Die mafiöse Baustelle wird aufgeräumt. Ein Bulldozer schiebt alles zusammen, ein Lkw bringt’s weg. Wer weiß, wohin. Was noch gebraucht wird, muss beiseite geschafft werden. Arbeiter schleppen 80 cm x 80 cm große Fliesen auf dem Rücken den Berg hinauf. Bei den drückenden Temperaturen heute Morgen ein Schweiß treibendes Unternehmen. Jüngere stemmen sogar zwei Stück auf ihren Rücken.
Die jungen Russinnen sind auch wieder am Strand. Im Schatten. Mit partiellen Verbrennungen zweiten Grades, würde ich mal tippen. Die Hitze, die sie momentan in sich tragen, dürfte jeden Brandschutzmelder an der Hotelzimmerdecke zum Auslösen bringen.

Vom Strand zurück erwartet uns in der Wohnung eine Überraschung. Drei hübsch in Geschenkpapier verpackte Päckchen. Von unseren Gastgebern. Zwei für die heimgereiste Tochter(steht handgeschrieben drauf) und ein größeres mit einem Kärtchen dran „Zum Hochzeitstag“. Der ist allerdings definitiv erst im Oktober (so grob weiß selbst ich das). Ratlosigkeit erfasst uns. Wieso sollten die unseren Schicksalstag im Mai verorten? Sollen wir sie darauf aufmerksam machen? Sie unter Umständen damit düpieren? Das könnte peinlich werden. Wird. Es. Auch! Für uns.
Das Geschenk ist für Sohnemann Nr. 1, der im September heiratet. Oh, Mann!
Maria hat groß aufgetischt. Feta-Käse, gefüllte Hähnchenbrust, Salat, Sofrito* mit Kartoffelpüree. Dazu gibt es Rotwein, der von ihrem Bruder, einem Popen, höchst eigenhändig in Krini hergestellt wurde. Läuft fast ölig aus der (Plastik-) Flasche und geht sofort in die Nervenzentrale. „Ist ja auch mit christlichem Segen versehen; praktisch wie Weihwasser“, erklärt Maria die Qualität und die Wirkung.
Zum Abschluss Eis und selbst gebackenen Kuchen. Ich platze.
Die Müll-Krise wird ebenso heiß diskutiert wie die Korruption in den Behörden und die griechischen Mutterschutzfristen. Unfassbar: nach Theofilos‘ Tod vor drei Monaten wartet die Familie immer noch auf den behördlichen Erbschein. Nach mehreren Streiks ist der Antrag irgendwo in den Amtsstuben verschollen.
Abends ins „Vistonias“, einer Cocktailbar im mittleren Teil der Bucht. Stylisch mit leckeren Drinks. Spiros, der junge, perfekt, weil in Hamburg geboren und aufgewachsen, deutsch sprechende Wirt hat Geburtstag, stellt sich uns vor und es gibt sogar ihm zu Ehren ein Feuerwerk am Strand. Ein wirklich schöner Ausklang des Tages. Tja, wäre da nicht der Anstieg zurück zum Haus. Denn wir sind autofrei unterwegs und kommen im eigenen Saft schwimmend oben an.
Der Mond stiehlt sich erst gegen Mitternacht ganz langsam hinterm Berg hervor. Beeindruckend!

Rommé ohne Aufschreiben. Kann man (ich) mit leben.
Die heimgekehrte Tochter ist wohl behalten am Nürburgring eingetroffen. Das Zelt ist aufgebaut und der Kontakt ab sofort eingestellt, weil ohne Netz.
Jürgen Marcus ist gestorben.
* Sofrito (griechisch Σοφρίτο) ist ein Schmorgericht aus Kalb- oder auch Rindfleisch und gehört zu den bekanntesten Spezialitäten der Küche Korfus. Zur Zubereitung wird zuerst ausgesuchtes, mageres Fleisch aus der Hüfte vom Kalb oder Rind in daumendicke Scheiben geschnitten, eventuell geklopft, in Mehl gewendet und in Olivenöl kräftig angebraten. Dann wird mit Weißwein oder etwas Weinessig abgelöscht, gehackte Petersilie, Knoblauch, Lorbeer, Salz und Pfeffer hinzugegeben, mit Wasser aufgefüllt, so dass alle Zutaten knapp bedeckt sind, und alles sanft geschmort bis das Fleisch zart ist. Übliche Beilagen sind Reis, gebackene Kartoffeln oder Kartoffelpüree. (Quelle: Wikipedia)
Donnerstag, 31. Mai 2018
Fronleichnam. Die Neuzugänge im Block sind von der mitteilsameren (lauteren) Sorte. Jeder soll schließlich wissen, dass es eins in der Nacht ist, als man heimkommt und noch einmal schnell auf der Terrasse unter unserem Schlafzimmerfenster die Ereignisse des Abends vielstimmig Revue passieren lässt.
Gut kann man auch auf die Anzahl der Stühle schließen, die man über den gefliesten und wahrscheinlich nicht mit einer Dehnungsfuge (κυκλοφορία κοινών) versehenen Betonboden schieben kann, ohne sie vorher anzuheben.

Unten im Ort wird fast an jeder Ecke gemauert, betoniert oder angestrichen. Was ist hier los? Hat die EU irgendeinen Topf geöffnet?
Zur allgemeinen Überraschung (von überall her hört man: „Ah!“ „Oh!“ „Hä?“ „Das gibt’s doch gar nicht!“, während ich mich auf ein „???“ beschränke) fallen aus wolkenlosem Himmel Regentropfen auf Sand, Sonnenschirme und sonnenverbrannte Touristenhaut. Hier und da meine ich, ein deutliches Zischen zu hören.
Stavros, dem Strand-Kellner, ist das ziemlich egal. Heute ist es eher leer und er läuft sich für einzelne Bestellungen die Hacke ab. Die Taverne liegt ja, einige Stufen hoch, jenseits der Strandpromenade. Zuhause ist er in Thessaloniki, den Sommer über aber in den verschiedenen Tourizentren im Einsatz.
Bezüglich Sonnenschutz ist die Gattin inzwischen von der 30er über die 20er Milch zum Melkfett gewechselt. Blass bleiben ist keine Option. Zumal in der Heimat weiterhin Temperaturen um die 30 Grad gemessen werden. Die Rache folgt aber auf dem Fuß: weil unterschiedlich geschnittene Badeanzüge auch unterschiedliche textile Schutzzonen haben, gibt es prompt am Abend rosarot gefärbte Grenzbereiche. Null Chance, das am letzten Tag noch zu korrigieren.
Auf dem Weg nach Afionas kommen wir an einem Müllcontainer vorbei, der mit einer Plastikplane versiegelt ist. Nichts geht mehr.

Im „Porto Timoni“ wird eine schweizerisch-griechische Hochzeit gefeiert. Der normale Betrieb läuft trotzdem weiter. Während ich mir die gefüllt3n Kalamari einverleibe, singt ein griechisches Gesangsduo live die romantischsten Hits aller Zeiten runter. Warum sie anlässlich einer Hochzeit allerdings „It must have been love, but it’s over now.“ zum besten geben, erschließt sich mir aber nicht.
Wir gehen durch den hauptsächlich von Deutschen so liebevoll gestalteten Teil Afionas zurück. Böse Zungen behaupten, der Stil sei nicht typisch griechisch, sondern so, wie sich Deutsche den typisch griechischen Stil vorstellen. Sei’s drum: Im Dunkeln wirkt der Ort noch authentischer.
Von unserem Balkon beobachten wir dann noch, wie das hochzeitliche Feuerwerk das Unterholz in Brand setzt. Lange brennt es, Zeus sei Dank, nicht.
Grandioser Rommé-Sieg. Mein Spiel!

Zinédine Zidane tritt überraschend als Trainer von Real zurück, Trump verfügt Strafzölle gegen Europa und die AfD in Hamburg will ein Portal einrichten, auf dem Schüler Lehrer denunzieren können, die sich AfD-kritisch äußern.
Freitag, 1. Juni 2018
Gestern Abend zum ersten Mal die Klimaanlage für eine Stunde eingeschaltet. In Anbetracht der Tatsache, dass es nachts im Moment nicht kälter als 21 Grad wird, eine sinnvolle Einschlafhilfe.
Die Fahrt zur Tankstelle nutzen wir zu einem Besuch des Cafés „Melisito“, das direkt gegenüber liegt. Dort sitzt auch der Tankwart, ein schon etwas älterer, hagerer Grieche mit fast zahnlosem Gebiss. Jedes Mal, wenn ein Auto an die Zapfsäulen kommt, nimmt er noch kurz einen Schluck Frappé, um dann gemütlich hinüber auf die andere Straßenseite zu schlurfen. Seine Standardsätze:“Bleifrei? Yes! No card; the electronic is off.“

Wir haben zwar nur ca. 34 Liter verfahren (so groß ist die Insel eh nicht und bei unserer Ortsverbundenheit …) ; bei einem Liter-Preis von fast 2,00 Euro (!) schlägt das aber ganz schön zu Buche. Darauf erstmal einen Frappé.
Im hoch modernen, Licht durchfluteten Café erwartet den Gast eine unglaubliche Vielfalt an Kuchen und Torten unterschiedlichster Couleur. Da schlagen schon bei der Auswahl die Kalorien zu Buche.
Man kann dort wunderbar auf der Terrasse sitzen und den Blick über eine an die Toskana erinnernde Landschaft (ich war zwar noch nie dort; aber so stell ich mir die Toskana in etwa vor) bis zum Bergrücken des Pantokrator schweifen lassen.
Störend allenfalls die grau-weiße Rauchwolke, die permanent aus dem Örtchen Velonades aufsteigt. Da wird offenbar ein inoffizieller Weg der Müllentsorgung praktiziert.

Das Meer hat heute Morgen Badewannen-Temperatur. Ungewöhnlich für Anfang Juni, meinen auch die Griechen. Aber es ist gut voll. Im Strandabschnitt nebenan, wo schon seit Tagen die Sonnenschirme stehen, gibt es nun Liegen und in Person einer jungen Griechin auch einen Verpflegungs-Service. Auf meine Bemerkung, dass wir vielleicht auch dort und unter deren Betreuung hätten unsere Ferien verbringen können, hätten sie nur eher eröffnet, reagiert Madame nur mit einem müden Lächeln.

Stattdessen lässt sie sich (traditionell immer am letzten Urlaubstag) für 30 Euro von einem der hier seit Jahren in dem Metier tätigen Asiaten den Rücken massieren.
Wir nehmen Abschied. Vom Wasser, vom Strand, von Stavros, dem Service-Man. Vom Sprachen-Wirrwarr und vom dreibeinigen Wachhund im Bootsverleih, der beim Pinkeln trotzdem noch ein Bein heben kann.
Duschen, Koffer packen. Von meiner eher übersichtlichen Ausstattung geht immer noch vieles ungetragen retour. Von ihrer dagegen geschätzt 75 Prozent. Zig Paar warme Socken („Ich habe mit kühleren Temperaturen gerechnet.“), eine Regenjacke, ein Strickjäckchen. Echt bewährt haben sich die Hamam-Tücher, die die kuscheligen Hochflor-Frotteehandtücher abgelöst haben, die zum Ende des Urlaubs immer feuchter, sandiger und schwerer wurden.
Die hellblauen Wintersocken, die ich angeblich vorsätzlich gar nicht erst eingepackt haben sollte, hat die Gattin übrigens schon vor ein paar Tagen zwischen anderem Gedöns gefunden … und es mir galant verschwiegen.

Samstag, 2. Juni 2018
Abreise. Wenig geschlafen.

Beim Beladen des Autos steht Maria ganz unauffällig an ihren Blumenrabatten und fragt dann mit einem verschmitzten Lächeln über die Schulter, ob ich „etwas“ von dem Grünzeug vor ihr mitnehmen wolle. Das macht sie jedes Jahr. Und: klar, will ich. Das „etwas“ gestaltet sich dann mehr und mehr zu einem gewaltigen Busch. Hier noch ein Zweig, da noch ein Ableger und etwas mit Wurzelwerk wäre wohl auch noch ganz gut. Die Plastiktüte, mehr ein -Sack ist auch gleich zur Hand. Gestenreich erklärt sie mir auf Griechisch, dass die Wunderpflanze (es handelt sich um griechische Minze) in den Schatten muss, wenig Wasser braucht, als Würze in Stifado und Zucchini-Bällchen oder als Deko und Geschmacksverstärker auf Drinks und Desserts zum Einsatz kommt und als Medizin ganz hervorragend bei Bauch- und Halsschmerzen hilft.
Ich verstehe Alles! In diesen Momenten liebe ich dieses Land und seine Menschen.
Dann kommt auch noch Angela. Aus Korfu-Stadt. Mit dem winzigen Baby. Nur um uns zu verabschieden. Der Namenlose strahlt gleich los, als er die Stimme der blonden deutschen Frau hört. Nur Thanassis (Tommy) lässt sich nicht blicken. Wir vermuten, dass er doch sehr mit dem Schicksal hadert, aus Gründen der Familien-Räson nun in Agios Georgios das Haus hüten zu müssen statt in New-York-City Taxi fahren und mit seiner Freundin leben zu können.
Küsse, Tränen, gute Wünsche, Erinnerungen an den Abschied vor einem Jahr mit Theofilos, dessen am Sonntag, drei Monate nach seinem Tod, nach orthodoxem Ritus noch einmal auf dem Friedhof gedacht wird. Noch mehr Tränen.
Es geht gut los: Kein Verkehr auf der mafiösen Baustelle, keine quer stehenden Betonmischer. Wir nehmen die längere Route über Pagoi, Vatonies und Arkadades. Die wesentlich kürzere Route hoch nach Aspiotades ist wegen Straßenschäden voll gesperrt. Aber das bedeute nichts, meinte Angela, da führen sie trotzdem immer noch. Wären nur zwei Stellen, wo die Straße etwas den Hang hinunter gerutscht sei. Unser Auto hätte doch genug Höhe?! Definiere „genug“. Wir gehen auf Nummer sicher.
Durch die engen Gassen kommen wir, ohne Gegenverkehr zu haben. Im Morgenlicht zeigt sich Korfu noch einmal von seiner schönsten Seite. Ich könnte an jeder Kurve anhalten und fotografieren.

Wenn da nur der Müll* nicht wäre. Vielerorts sind die Container mit Planen abgedeckt, damit nicht noch mehr obenauf geworfen wird.
Bei geringem Verkehr erreichen wir in einer knappen Stunde das Chaos am und im Airport. Giannis ist nirgends zu sehen, also kommt das Auto auf den Parkplatz, Schlüssel und Parkticket unter die Fußmatte. Hat gute Dienste geleistet, unser Opel. Am Ende hatte ich alle Anzeigen deutscher Sprache eingerichtet. Hoffentlich kriegen die das wieder raus.

Die Tüte mit der Minze packen wir sicherheitshalber um vom Handgepäck in den Koffer. Das Auto duftet bereits wie eine Pfefferminzbonbon-Fabrik. An der Kontrolle fischt man bei mir noch eine volle Flasche Wasser raus (wie peinlich!) und bei der Gattin lösen zwei Kugelschreiber Alarm aus.
Allen Befürchtungen zum Trotz, kommt der Flieger! Pünktlich. Und startet ebenso. Auf billigstem Niveau. Aber das wollen wir ja so.

Gestern noch ging durch die Presse, das Eurowings in den ersten fünf Monaten mehr als 1.500 Flüge hat ausfallen lassen. Vorgestern auch den von Schwägerin und Schwager. In Düsseldorf war zum Ende der Pfingstferienwoche der Betrieb im Chaos versunken. Zeit- und Personalplanung sind offenbar so auf Kante gestrickt, dass ein winziges Sandkorn alle Zahnräder aus dem Takt bringen kann.
* Gestern wurde eine Online-Petition an den Ministerpräsidenten Tsipras freigeschaltet, um auf das Problem in Korfu aufmerksam zu machen. 2.500 (mich eingeschlossen) hatten heute schon unterschrieben.